Verzicht als Prinzip

Arzt und Theologen: Fasten ist Chance für Körper und Geist

Schlemmen war früher: Mit der Fastenzeit startet für viele Menschen der Verzicht auf Nahrungsmittel oder Gewohnheiten.

Schlemmen war früher: Mit der Fastenzeit startet für viele Menschen der Verzicht auf Nahrungsmittel oder Gewohnheiten.

Foto: Manuel Meyer

Gelsenkirchen-Buer.   Mit Aschermittwoch startet für viele die Fastenzeit. Theologen und Mediziner sehen in dem Verzicht eine Chance für Körper und Geist.

Am Aschermittwoch ist alles vorbei? Von wegen! Viele starten jetzt, mit Beginn der kirchlichen Fastenzeit, erst richtig durch: Denn der Verzicht hat durchaus seine Vorzüge, meinen „Fastenprofis“ wie Pfarrerin Karla Wessel (Evangelische Trinitatis-Kirchengemeinde Buer), Stadtdechant und Propst Markus Pottbäcker (Pfarreien St. Urbanus/St. Augustinus) und Arzt Dr. Thorsten Rarreck. Sie sind überzeugt: Für einen längeren Zeitraum mal „Nein“ zu sagen zu bestimmten Genuss- und Nahrungsmitteln oder Gewohnheiten, kann ungeahnte Energien freisetzen.

Da sind zum einen die Theologen, die in Vorbereitung auf die Osterzeit für einen rund siebenwöchigen Verzicht werben – und mehr Achtsamkeit im Leben: „Es geht darum, die Seele zu entschlacken als Ort, mit Gott ins Gespräch zu kommen. Da ist das körperliche Fasten nur eine Methode. Wir wollen doch nicht die Waage anbeten!“, ist etwa Pottbäcker kein Freund davon, nur auf Alkohol, Schokolade oder Zigaretten zu verzichten.

Neue Wege gehen, Frieden mit sich selbst schließen

Neue Wege zu gehen – etwa täglich in der Bibel zu lesen, vermehrt Gottesdienste zu besuchen und zu beten, den Fernseher für einen Abend mal ausgeschaltet zu lassen und stattdessen mit der Familie zu sprechen oder zu spielen – hält er für gute Ideen, den Alltag bewusster zu gestalten. „Dann kann es gelingen, mit sich und der Welt seinen Frieden zu schließen.“

Wer dazu Impulse von außen brauche, könne an Exerzitien teilnehmen, die von einigen Gemeinden angeboten werden, oder sich an der Aktion „heaven on line“ des Bistums Essen beteiligen, die Texte und Anregungen per Mail zusende.

Aktion „Klimafasten“

Pfarrerin Wessel lädt ein, „den Fokus nicht so sehr auf die schmerzhafte Seite der Fastenzeit zu legen“, sondern auf die Chance, in einem überschaubaren Zeitraum etwas Neues auszuprobieren. „Toll ist die Aktion ,Klimafasten’, die helfen soll, die Mobilität der Teilnehmer zu verändern – etwa indem sie öfter das Rad nehmen oder den ÖPNV nutzen.“

Viele Anhänger wünscht sie auch der Initiative „Zeig Dich“ der Evangelischen Kirche. Dabei sind Interessierte aufgerufen, sich bei gesellschaftsrelevanten Themen nicht zu verstecken, sondern einzumischen und mit anderen darüber ins Gespräch zu kommen. „Ich denke, es kann eine beglückende Erfahrung sein, durch mehr Zivilcourage und eine Verhaltensänderung tatsächlich etwas zu bewirken.“

Dr. Rarreck: „Fasten belebt Körper und Geist“

Das erlebt auch Dr. Rarreck immer wieder, buchstäblich: Der Mediziner ist einer, der den Verzicht auf feste Nahrung seit Jahrzehnten praktiziert: zweimal im Jahr, jeweils für etwa eine Woche. „Wer einmal erlebt hat, wie sehr Fasten Geist und Körper belebt, wird das immer wieder machen“, gerät er ins Schwärmen über die gesundheitlichen Vorteile dieser Entgiftungskur. Empfehlenswert sei sie für jeden in jedem Alter – Ausnahmen: Kinder und Magersüchtige. „Personen mit schweren chronischen Krankheiten sollten vorher mit dem Arzt darüber sprechen.“

Nach dem Abführen mit Einlauf und Glaubersalz gelte es, mehrere Tage ausschließlich viel zu trinken – besonders Tees und Wasser. Homöopathische Mittel helfen, Nebenwirkungen wie Kopfweh zu reduzieren und schneller zu entschlacken. „Um nur Fett- und nicht die Muskelmasse zu reduzieren, sollte man Diätmolke trinken und leichten Kraft- und Ausdauersport machen“, erläutert der Orthopäde. Nach der Fastenwoche sollte der Körper nur langsam an feste Nahrung gewöhnt werden. „Diese Kur setzt nachweislich 30 Prozent mehr Energie frei. Es lohnt sich!“

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