Gelsenkirchen. Drei Reparatur-Cafés gibt es in Gelsenkirchen. Aber: Die Zahl der Helfer geht zurück. Welche Lösungsideen es für dieses Problem gibt.

Den Gelsenkirchener Reparatur-Cafés gehen langsam die Helfer aus. Das berichten Franz-Josef Haglauer und Tomas Grohe für die Standorte Bulmke und Horst. Aber es gibt neue Ideen, wie die Teams wieder aufgefüllt werden können.

Denn der Bedarf ist da. Das war am Montag im Alfred-Zingler-Haus in Bulmke deutlich zu sehen. Über zehn Kundinnen und Kunden warteten geduldig zwischen Eingangsbereich, Sitzecke und Multimediabereich auf die beiden freiwilligen Helfer, die dem einst sechsköpfigen Team im Stadtsüden noch geblieben sind. Im Gepäck: Geräte, deren Entsorgung eine Ressourcenverschwendung wäre, und die stattdessen der Umwelt zuliebe repariert werden sollten – falls der Fehler nicht allzu aufwendig zu beheben ist: Wasserkocher, Akku-Taschenlampe, Solar-Gartenleuchte, Espressomaschine, Radio oder Nähmaschinen – von Letzteren gleich vier Stück und dazu sogar eine Dunstabzugshaube.

Reparatur-Café in Gelsenkirchen-Bulmke: Helferteam auf ein Drittel reduziert

„In zwei Stunden ist das kaum zu schaffen“, sagt Franz-Josef Haglauer, der die Kundschaft jeden ersten Montag im Monat empfängt. Von 18 bis 20 Uhr wird dann repariert am Margaretenhof 10-12, die beiden Helfer überziehen meist freiwillig, um allen Wünschen gerecht zu werden, nicht selten aber „müssen wir kapitulieren“. Stoppen, weil die Zeit und auch mal die technischen Kenntnisse nicht reichen. „Da macht sich dann unser personeller Aderlass bemerkbar“, sagt Haglauer. Das Alter, Krankheit und auch Tod haben die Zahl der zumeist älteren Reparateure in Bulmke von sechs auf zwei reduziert.

Die beiden älteren Damen ziehen zwar mit drei reparierten Nähmaschinen freudestrahlend von dannen, auch der Wasserkocher hat endlich wieder ordentlich Dampf unter dem Deckel, bei der Espressomaschine aber mit ihrer üppig bestückten Elektronik-Platine mussten die Helfer Messgerät und Lötkolben strecken.

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Ähnliches berichtet auch Tomas Grohe vom Horster Reparatur-Café, das jeden ersten Mittwoch im Monat seine Türen von 17 bis 19 Uhr im Jugendzentrum Buerer Straße 86 öffnet. „Noch sind es bei uns vier Helfer“, sagt Grohe. Bald aber werde sich ein Freiwilliger seinen Traum von einem Altersruhesitz an der deutschen Küste erfüllen, dann schrumpft das Team auf drei wackere Ehrenamtler.

Grohe berichtet auch, dass gegenseitiges Aushelfen zwar generell eine gute Idee sei, personelle Lücken zu schließen, aufgrund des Aufwandes wurde das aber als nicht dauerhaft praktikabel für die Ehrenamtler beurteilt.

Gelsenkirchener Ehrenamtsagentur hofft auf Hilfe über Hochschule und Berufskolleg

Ein Reparateur bei der Feinarbeit mit Lötkolben. Die ehrenamtlichen Reparateure versuchen, Dinge vom Haushaltsgerät bis zum Kinderspielzeug vor der Mülltonne zu retten.
Ein Reparateur bei der Feinarbeit mit Lötkolben. Die ehrenamtlichen Reparateure versuchen, Dinge vom Haushaltsgerät bis zum Kinderspielzeug vor der Mülltonne zu retten. © FUNKE Foto Services | Volker Herold

Über die Ehrenamtsagentur Gelsenkirchen sollte auch „Nachwuchs“ rekrutiert werden, also Techniker, die entweder noch im Berufsleben stehen oder sich im Unruhestand ans Gerät machen. Aber die Resonanz war mehr als dürftig, wie Grohes Mitstreiter Haglauer erzählt. „Manch einer kam und wurde danach nicht mehr gesehen.“

Beate Rafalski von der Ehrenamtsagentur will daher neue Wege versuchen – schließlich gibt es in Gelsenkirchen mit der Westfälischen Hochschule und dem Berufskolleg für Technik und Gestaltung zwei Standorte, an denen Technik-Potenzial gleich hundertfach vorhanden ist. „Die Agentur wird sich mit den drei Reparatur-Cafés an die Einrichtungen wenden“, sagt die Geschäftsführerin. Ein weiterer Standort ist noch in Hassel (Sankt-Michael Kirche, Valentinstraße).

Neu: Repair-Café im Mehrgenerationenhaus

Am Mittwoch, 1. März, startet erstmalig das Repair-Café im Mehrgenerationenhaus Gelsenkirchen an der Bochumer Straße 117. Gelsenkirchenerinnen und Gelsenkirchener können jeden 1. Mittwoch im Monat in der Zeit von zehn bis zwölf Uhr defekte Gerätschaften (Radio, Kaffeemaschine, etc.) reparieren lassen und währenddessen bei einer Tasse Kaffee mit den Ehrenamtlichen ins Gespräch kommen.

Zeitgleich sind auch die ehrenamtlichen Nachbarschaftsstiftenden des Generationennetzes Gelsenkirchen e.V. vor Ort, die Besuchern gerne mit Rat und Tat sowie einem offenen Ohr zur Verfügung stehen.

Kontakt über Meral Aslan, 0178 816 94 33 oder per Mail an

Das Ideenspektrum Rafalskis ist breit, es reicht von Aushängen bis zum Praxis-Erfahrung-Sammeln für Lernende und Studierende – möglicherweise können Helfer so sogar Punkte für ihren Werdegang sammeln. Den Dank all jener, die mangels dickem Portemonnaie alte nicht durch neue Geräte ersetzen können, „ist ihnen schon jetzt ganz sicher“, so Rafalski.