Gelsenkirchen-Feldmark. Am Amalie-Sieveking-Haus in Gelsenkirchen werden wieder Hospizbegleiterinnen ausgebildet. Drei Ehrenamtlerinnen erzählen von ihren Erfahrungen.

„Ich bin gekommen, um etwas zu geben“, sagt Agnes Kleff. „Aber ich nehme dafür auch so viel mit nach Hause – damit hatte ich vorher nicht gerechnet.“ Seit einem Jahr arbeitet die Rentnerin ehrenamtlich als Hospizbegleiterin im Amalie-Sieveking-Haus in Gelsenkirchen-Feldmark und möchte diese Aufgabe nicht missen. Ab März werden neue Hospizbegleiter ausgebildet – wer Interesse hat, kann sich melden.

Das Amalie-Sieveking-Haus ist ein Alten- und Pflegeheim, das vom Evangelischen Johanneswerk betrieben wird. Seit einigen Jahren setzt das Haus auf den Einsatz von ehrenamtlichen Mitarbeitern im Hospizdienst, um diese auf ihre Arbeit vorzubereiten, findet jedes Jahr ein Kurs statt, in dem die angehenden Hospizbegleiterinnen und Hospizbegleiter ihr „Handwerkszeug“ vermittelt bekommen. Neben der Theorie gehört auch Praxis zur Ausbildung: Bei einem Praktikum erfahren die Teilnehmer mehr über die Arbeit auf der Station eines Pflegeheims und lernen schon einmal die eine oder andere Bewohnerin kennen.

Agnes Kleff hatte in der Gelsenkirchener WAZ von dem Angebot gelesen

Marianne Petsch ist Hospizkoordinatorin beim Johanneswerk, sie organisiert die Arbeit der Ehrenamtlichen und weiß, worauf es bei ihrer Arbeit ankommt. „Wir wollen die Helfer befähigen, Menschen, die auf ihr Lebensende zusteuern, zu begleiten“, erklärt sie. Sie mag das Thema nicht auf den Begriff „Sterbebegleitung“ reduzieren. „Idealerweise lernen sich die Hospizhelfer und die Bewohner hier im Amalie-Sieveking-Haus bereits beim Einzug kennen“, sagt sie. Sie weiß, dass es bei der Arbeit der Ehrenamtler nicht nur um die Betreuung der alten Menschen selbst geht. „Genauso wichtig ist die Begleitung der Angehörigen, für die ist das auch oft eine Situation, die schwer auszuhalten ist.“

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Agnes Kleff hat den Kurs im vergangenen Jahr absolviert, die Idee dazu hatte sie schon seit vielen Jahren mit sich herumgetragen. Erfahrungen mit dem Thema Sterben und Tod hat sie schon gemacht: „Mein Mann ist verstorben, meine Eltern und Schwiegereltern habe ich gepflegt.“ Vor zwei Jahren sei dann eine sehr gute Freundin unerwartet gestorben. „In der WAZ habe ich von dem Kursangebot im Amalie-Sieveking-Haus gelesen und sofort gedacht, dass das passt“, berichtet sie.

Hospizbegleiterin Ursula Kühn bringt Erfahrungen aus der Pflege mit

Anders, als sie es sich vor Kursbeginn vorgestellt hatte, besteht ihre Aufgabe auch nicht nur darin, Menschen beim Sterben zu begleiten – das mache nur einen kleinen, wenn auch wichtigen Teil ihrer Arbeit aus. „Wir lernen die Bewohnerinnen und Bewohner, denen wir zugeteilt sind, ja auch gut kennen und verbringen mit ihnen viel Zeit“, berichtet sie. Für sie sei das sehr erfüllend.

Auch Ursula Kühn hat den Kurs absolviert. Im Gegensatz zu den anderen Teilnehmern hat sie aber Vorwissen: Bis zu ihrer Pensionierung hatte die Bueranerin in der Pflege gearbeitet. „Dort fehlt es immer irgendwie an Zeit für die Patientinnen und Patienten“, hat sie erfahren, „erst recht, wenn jemand stirbt.“ Sie sieht ihre Aufgabe auch als Entlastung für die Angehörigen. „Die wohnen ja oftmals weiter weg und können nicht so oft kommen“, weiß sie. „Da ist es für sie eine große Beruhigung, wenn sie wissen, dass jemand da ist, der sich kümmert.“

Der neue Kurs startet voraussichtlich am 11. März

Heike Knees-Hoven pflichtet ihr bei. „Viele der Bewohner haben gar nicht so oft Gelegenheit, sich einmal richtig zu unterhalten“, sagt sie. „Da ist es oftmals einfach nur angebracht, da zu sein und zuzuhören.“ Auch sie ist bereits Rentnerin, glaubt aber nicht, dass man den Job zwangsläufig nur ab einem gewissen Alter ausüben kann. „Ein wenig Lebenserfahrung spielt bestimmt eine Rolle“, sagt sie, „ich denke aber, dass auch jüngere Menschen geeignet sind.“

Der neue Kurs startet voraussichtlich am 11. März und dauert bis Oktober: Dann bekommen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre Zertifikate überreicht. Weiter informieren und anmelden kann man sich bei Marianne Petsch unter 0209 941 15-145 mobil unter 0171 644 2316 oder per E-Mail an .