Gelsenkirchen-Buer. Das Institut für Stadtgeschichte informiert über ein dunkles Kapitel in der Geschichte des Buerschen Rathauses. Politiker zeigen sich bestürzt.

Die Betroffenheit war den Mitgliedern der Bezirksvertretung Nord im Buerschen Rathaus deutlich anzumerken. Gerade hatte Daniel Schmidt, Leiter des Institutes für Stadtgeschichte, den Lokalpolitikern Bericht erstattet über „Zimmer 71“ – einen Raum im Rathaus, der in der Zeit der Machtergreifung der Nazis im Jahr 1933 eine unrühmliche Rolle gespielt hat.

Im Januar 1933 war Hitler an die Macht gekommen, in den folgenden Monaten gingen die Nazis brutal gegen ihre Gegner vor. Dabei kam es auch zu „wilden Verhaftungen“ durch die SA, der Parteiarmee der NSDAP. „Die haben sich Räumlichkeiten in öffentlichen Gebäuden angeeignet – und wurden dabei von der Verwaltung zumindest geduldet, wenn nicht sogar unterstützt“, so Schmidt.

Folterungen in dem Gelsenkirchener Gebäude

Genau wie im gegenüberliegenden Polizeipräsidium seien auch im Rathaus, eben in jenem „Zimmer 71“, Menschen festgehalten und auch gefoltert worden, erläuterte Schmidt. Dazu gebe es Quellen. „Nach dem Krieg wurde ein SS-Mann wegen dieser Taten zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt“, so Schmidt. Dem Mann konnte nachgewiesen werden, dass er gemeinsam mit Mittätern Menschen verprügelt und nachhaltig geschädigt hat. Allerdings könnte man heute nicht mehr sagen, wo genau sich dieser Raum befunden habe. „Es gab immer wieder Umbauten, Raumbelegungspläne aus dieser Zeit gibt es nicht mehr.“

„Vielen Menschen ist gar nicht bekannt, dass solche Dinge im Rathaus stattgefunden haben“, zeigte sich Jürgen Köpsell, SPD-Fraktionsvorsitzender, bestürzt. Ähnlich äußerte sich Anne Schürmann (FDP): „Mich macht das äußerst betroffen, man kommt mit ganz anderen Gefühlen hier in die Räumlichkeiten.“

Demnächst, kündigte Schmidt an, soll die Infotafel am Rathaus aktualisiert werden. Ein QR-Code soll darüber hinaus noch weitere Informationen zur Geschichte des Gebäudes liefern.