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Any Given Day stürmen mit Album „Everlasting“ die Charts

Die Band „Any Given Day“ tourt aktuell durch Europa.

Foto: Christian Ripkens

Die Band „Any Given Day“ tourt aktuell durch Europa. Foto: Christian Ripkens

Gelsenkirchen.   Was Schlagzeuger Raphael Altmann im WAZ-Interview über das Rihanna-Cover, die Europatour und Heimatgefühle verrät.

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Dreht man die Musik der Band „Any Given Day“ auf, schallen laute, derbe, rockige Klänge aus den Boxen. Was manche Menschen vielleicht für Lärm und Geschrei halten, das ist für andere ein gekonntes Zusammenspiel von Instrumenten und der kunstvolle Gesang aus der Kehle. Mit dem Genre Metalcore ist die Band derzeit so erfolgreich, dass das zweite Album „Everlasting“ in den Deutschen Album-Charts bis auf Platz 14 geklettert ist. Bekannt wurde die Band vor allem durch eine eigene Interpretation von Rihanna’s „Diamonds“. 2012 gründeten Sänger Dennis Diehl, die beiden Gitarristen Andy Posdziech und Dennis ter Schmitten, Bassist Michael Golinski sowie Schlagzeuger Raphael Altmann die Band „Any Given Day“. Kurz vor der Europatour traf WAZ-Mitarbeiterin Maria Eckardt den 31-jährigen Schlagzeuger Raphael Altmann in seiner Heimatstadt Gelsenkirchen.

Wie und wann hast du das Schlagzeug für dich entdeckt?

Raphael Altmann: Durch meinen Patenonkel. Der war Schlagzeuger in einer Rockband. Mit 14 hat der mich das erste Mal mit zur Probe genommen. Da war ich direkt infiziert. Auch wenn meine Eltern anfangs wegen der Lautstärke dagegen waren – ich wollte kein anderes Instrument mehr spielen. Mit 16 Jahren habe ich dann damit angefangen, erst mal für mich, später zusammen mit einem Kollegen, der Gitarre spielte. Das waren die Anfänge.

Zwei weitere Bandmitglieder von dir sind aus Gelsenkirchen. Wie kam es zur Bandgründung?

Raphael Altmann: Wir hatten früher schon mal eine Band mit fast identischer Besetzung aber mit anderem Namen. Nach drei Jahren Pause haben wir 2012 wieder angefangen. Der harte Kern der Band ist dabeigeblieben. Auch wenn wir nicht mehr die Jüngsten waren, wir wollten auf jeden Fall noch was reißen.

Euer Song „Diamonds“ hat mittlerweile mehr als sieben Millionen Klicks auf YouTube. Wie kam es eigentlich zu der Idee, den Welthit von Rihanna zu covern?

Raphael Altmann: Das ist in einer Bierlaune in der ‘Mupa’ (Anmerkung der Redaktion: ein Club in Essen) entstanden. In der Zeit lief das Lied überall. Spontan meinte unser Gitarrist Andy, dass wir das covern müssten. Zwei Tage später kam er mit einer Aufnahme. Wir haben dann an dem Song gefeilt und schließlich ein Musikvideo im jetzigen Amadeus gedreht, der damals noch V-Dance-Club hieß. Das war dann unserer Türöffner.

Erzähl doch bitte mal etwas über eurer neues Album „Everlasting“, das vor kurzem erschienen ist.

Raphael Altmann: Die Texte der zwölf Songs befassen sich mit dem täglichen Wahnsinn. Wir haben schon die Rückmeldung bekommen, dass viele die Songs im Fitnessstudio hören. Motivation und immer wieder aufzustehen, ist der Grundgedanke dahinter. Im Vergleich mit unserem ersten Album sind wir den Texten treu geblieben, nur die Musik hat sich verändert – wir sind reifer geworden. Ein Feature mit dem Sänger von Trivium, der unser Konzert auf dem „Summer Breeze“-Festival gesehen hat, ist auch auf dem Album.

Was kannst du über Gelsenkirchen sagen? Gibt es dort Orte, die du besonders magst?

Raphael Altmann: Ich mag Schloss Berge sehr gern. Ich leihe mir oft das Flamingo-Boot aus und fahre damit nackt über den See (lacht). Ne, Spaß beiseite, aber wenn ich mal heirate, dann da. Gelsenkirchen ist Heimat und mein Zuhause. Ich kann mir vorstellen mal wegzugehen, aber ich würde, glaube ich, immer zurück kommen. Mit Gelsenkirchen verbinde ich alles, was tragend für mein Leben war. Früher war ich auch gerne im Parkstadion. Die Flutlichtspiele waren schon geil. Die Arena ist mir etwas zu modern, aber auch da gucke ich mir immer noch Schalke-Spiele an.

Was gefällt dir hier nicht so gut?

Raphael Altmann: Schade finde ich, dass die Kneipenkultur in Gelsenkirchen so bergab geht. Gerade Buer hat nachgelassen, wo ich eigentlich herkomme. Seit einem Jahr wohne ich im Gelsenkirchener Süden.

Auf einem Plakat mit KISS und Metallica: „Das war schon geil“ 

Was hörst du für Musik, wenn du mal Zeit hast?

Raphael Altmann: Wenn ich nach Konzerten Zuhause bin, bin ich froh, mal Ruhe zu haben. Dann lege ich eher etwas Ruhigeres auf. An sich höre ich sehr wenig neues Zeug. Ich finde es oft anstrengend, mich mit Neuem zu befassen.

Ihr geht jetzt auf Europatour. Was erwartet die Zuschauer?

Raphael Altmann: Wir sind auf der Tour der Support von „Caliban“. Außerdem sind „Suicide Silence“ dabei. Das ist schon fett, die US-amerikanische Band kennt man überall und ich verfolge deren Sachen selbst schon seit Jahren. Und jetzt fahren wir mit denen zusammen im Nightliner. Wir werden in Deutschland, Schweiz, Österreich, Polen, Tschechien, Holland und Belgien unterwegs sein und 15 Gigs spielen. Münster und Köln sind die Termine hier in der Nähe.

Was sind die Highlights in euer Bandgeschichte?

Raphael Altmann: Rock im Revier, der Support der Band „Hatebreed“ und der Auftritt auf dem „With Full Fource“-Festival. Da sind wir früher als Truppe privat hingefahren. Schon klasse, da haben wir in einem Zelt vor 8000 Leuten gezockt. Ja und natürlich, dass unsere Alben so hoch in die Charts einstiegen.

Wie war es, bei „Rock im Revier“ in der Arena zu spielen?

Raphael Altmann: Das war unser erstes Konzert in Gelsenkirchen. Wir haben das Festival eröffnet. Das war schon geil, mit KISS und Metallica auf einem Plakat aufgelistet zu sein und auf der selben Bühne zu stehen. Meine Mama hat mir das erst nicht geglaubt.

Wie sieht euer Leben neben der Band aus?

Raphael Altmann: Wir arbeiten alle Vollzeit. Ich arbeite bei einem Freund auf dem Snack `n‘ Roll-Food-Truck. Zum Glück mag der uns und unsere Musik und ist immer super flexibel, was die Arbeitszeiten angeht. Der komplette Jahresurlaub geht bei so einer Tour drauf. Dazu nehmen wir noch drei bis vier Wochen unbezahlten Urlaub.

Welche Pläne habt ihr im nächsten Jahr?

Raphael Altmann: Einige Festivals sind geplant, da darf ich nur noch nicht viel zu sagen. Nächstes Jahr geht’s aber auf jeden Fall rund.

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