Prozess

Anklage: Ehemann tritt Schwangerer mehrfach in den Bauch

Vor dem Landgericht Essen muss sich ein 34-jähriger Gelsenkirchener wegen Misshandlung seiner Familie verantworten.

Vor dem Landgericht Essen muss sich ein 34-jähriger Gelsenkirchener wegen Misshandlung seiner Familie verantworten.

Essen.   Seine schwangere Frau getreten, seinem Kind fast das Augenlicht geraubt. Die Vorwürfe sind schwerwiegend. Doch der Angeklagte weist sie zurück.

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Die Vorwürfe sind schwerwiegend, doch für Fehmi G. ist der Großteil gelogen. Vor der VI. Essener Strafkammer wehrt der 34-Jährige sich am Mittwoch vehement gegen die Anklage. Dass er seiner schwangeren Ehefrau in den Bauch getreten und dem dreijährigen Sohn fast das Augenlicht geraubt habe, sei nicht seine Schuld, behauptet er. Doch die 33-Jährige belastet ihn weiter.

2014 ist das Ehepaar mit sechs gemeinsamen Kindern aus dem Kosovo nach Deutschland gezogen.Zuletzt lebten sie in Gelsenkirchen zusammen, doch Fehmi G. soll immer wieder gewalttätig geworden sein, erzählt seine Frau. Auch andere Familienmitglieder berichten davon. Alkohol wird als Grund genannt. Immer wenn er trinke, werde er aggressiv.

Orgie der Gewalt an vier Tagen

Nach einer heftigen Prügelattacke im Jahr 2016 zieht die Ehefrau schließlich nach Schalke in eine eigene Wohnung mit den Kindern. Doch Fehmi G. kommt zu Besuch. Die Anklage spricht von einer wahren Orgie der Gewalt an vier Tagen im August 2018. Betrunken sei er jeweils in der Wohnung erschienen, habe zunächst seiner Frau oder den Kindern mit der flachen Hand ins Gesicht geschlagen oder ihnen an den Haaren gezogen.

Höhepunkt ist der 15. August, sagt die Anklage. Unvermittelt habe er auf Frau und Kinder eingeschlagen. Aus der Küche soll er ein Brotmesser geholt und seine Tochter bedroht haben: "Ich schneide dir den Kopf ab." Schließlich habe ein Onkel ihn veranlasst, dass Messer aus der Hand zu legen.

Mit Handy das Auge des Dreijährigen getroffen

Doch Ruhe gab er wohl nicht. Als die 33-Jährige ihre Kinder bat, die Polizei zu rufen, soll er mehrfach gegen ihren Bauch geboxt haben. Aus Wut habe er auch ein Handy nach ihr geworfen und dabei den dreijährigen Sohn am Auge getroffen. Lebensgefährlich verletzte er das Kind dabei, Ärzte retteten ihn und erhielten ihm das Augenlicht.

Die 33-Jährige berichtet dem Gericht am Mittwoch von der erlittenen Qual. Sie sei fertig mit dem Angeklagten, sagt sie. Ihre Kinder seien damals durch das Jugendamt von ihr getrennt worden, der Kontakt erst langsam wieder aufgebaut worden.

Angeklagter gibt Mutter die Schuld

Fehmi G. gibt nur wenig zu. Den Großteil bestreitet er. Für ihn ist die Schuldfrage klar: "Meine Frau hat alles gemacht. Ihre Schwester ist an allem schuld. Und ihre Mutter." Richterin Jutta Wendrich-Rosch ergänzt trocken: "Wir verstehen. Nur Sie sind nicht schuld."

Sie rät Verteidigerin Gabriele Fengler-Trost, noch einmal mit dem Mandanten zu reden, ob er seine Aussage nicht überdenken wolle. Doch der bleibt auch nach diesem Gespräch dabei, dass er nichts zu ändern habe. Drei weitere Verhandlungstage hat das Gericht geplant.

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