Kunst

Alte Villa Gelsenkirchen zeigt neun künstlerische Positionen

Von Hermann EsRichter stammt diese Installation ohne Titel, die in der Villa am Kunstmuseum zu sehen ist.

Von Hermann EsRichter stammt diese Installation ohne Titel, die in der Villa am Kunstmuseum zu sehen ist.

Foto: Olaf Ziegler

Buer.   Neun Künstler zeigen in der Alten Villa am Kunstmuseum Gelsenkirchen auf Einladung des Kunstvereins, wo sie stehen. Mit alten und neuen Werken.

Neun künstlerische Positionen vereint die neue Ausstellung des Kunstvereins Gelsenkirchen, die unterschiedlicher kaum sein könnten und gerade deshalb den Besuch der Alten Villa zu einem Erlebnis machen. Vereint in der Reihe „Lebensläufe“, einst erdacht von Anneliese Knorr und erstmals 1995 ausgeführt, geht es jetzt um „Erinnerungen“. Das eröffnet viele Möglichkeiten und erlaubt, sowohl aktuelle wie zeitlose Arbeiten früheren Entstehungsdatums zu zeigen.

Vieles gibt es zu entdecken. Wie, gleich zu Beginn des „Laufweges“, die Arbeiten von Werner Ryschawy – zum Teil dreidimensional, zum Teil zweidimensional. Und so überrascht der Künstler mit der Aussage: „Alles läuft darauf hinaus, dass ich zeichne.“ So nämlich beschreibt er auch sein räumliches Schaffen. „Der Draht ersetzt die gezeichneten Linien, die Metallbänder Graphitstriche.“ Dem gegenüber stehen besondere Zeichnungen – auf Seidenpapier in drei Schichten. Auf zweien befinden sich die Kohlezeichnungen, die oberste ist zuletzt mit Wachs behandelt und gebügelt. So entsteht eine Optik mit Tiefe. Das Sujet bleibt immer gleich: Drahtiges, abstrakt und doch mit industrieller Anmutung.

Stoff eines Zeltes aus dem Krieg als Grundlage

„Alles, was man wissen muss, kann man sehen“, sagt Rainer Kleinschmidt über seine großformatigen Leinwandarbeiten. Das kann ja bekanntlich von den wenigsten zeitgenössischen Kunstobjekten behauptet werden. Und doch führt der Künstler aus, wie wichtig schon die Grundlage ist: ganz besondere Leinwände. Mal sind es Experimente eines belgischen Webers. „Durch deren Strukturen entstehen Vorgaben für mich als Maler, die ich gern aufnehme.“ Eine andere Arbeit entstand im Umfeld eines U-Boot-Bunkers in Bordeaux – auf dem Stoff eines alten Zeltes aus dem Zweiten Weltkrieges, noch mit alten Einschusslöchern. Auch hier wirkt der Grundstoff mit am künstlerischen Werk.

Nähe zur Natur schafft besondere Atmosphäre

Im Untergeschoss der Alten Villa ist ein kleiner Raum ganz den Arbeiten von Beate Hagemann gewidmet. Sie schaffen durch ihre Nähe zur Natur eine besondere Atmosphäre. So wie die fünf Objekte aus Kiefernnadeln gearbeitet. „Bildhauerei mit Gefühl für Form und Farbe“, beschreibt sie es selbst. Arbeiten, die auf besondere Weise berühren. So wie die „Erdkegel“, eine Reihe kleiner Objekte mit irdenem Fuß, aus dem jeweils ein Bambusstab heraus ragt. Eine große Collagenmalerei erlaubt auch das Schmunzeln: „Den Untergrund bilden hier zerrissene Papiere – fast alles Financial Times aus London.“ Ein schönes Spannungsfeld, bedenkt man den Inhalt jener Publikationen.

Insgesamt bietet die Ausstellung einen interessanten und abwechselungsreichen Streifzug durch die hiesige Kunstwelt die sich, das darf gesagt werden, keineswegs im nationalen Vergleich verstecken muss.

>>>Eröffnung am Freitag um 19 Uhr

Ausstellungseröffnung ist Freitag, 12. Oktober, 19 Uhr im Museum, Horster Straße 5-7. Zu sehen sind die Arbeiten bis zum 18. November.

Zu sehen sind Arbeiten von Regina Albrecht, Hermann EsRichter, Peter Faßbender, Beate Hagemann, Heinz-Albert Heindrichs, Rainer Kleinschmidt, Heribert Leppert, Roswitha Petry-Hamm und Werner Ryschawy.

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