Kruzifix-Sanierung

Alfred Hautkappe rettete Wegekreuz 1945 vor der Zerstörung

Ende September wurde das etwa 100 Jahre alte Wegkreuz an der Straßenkreuzung Akazien-/Brinkgartenstraße abmontiert. Mitarbeiter der Katholischen Jugendsozialarbeit gGmbH (Förderkorb) stellen es nun wieder her.

Foto: Heinrich Jung

Ende September wurde das etwa 100 Jahre alte Wegkreuz an der Straßenkreuzung Akazien-/Brinkgartenstraße abmontiert. Mitarbeiter der Katholischen Jugendsozialarbeit gGmbH (Förderkorb) stellen es nun wieder her. Foto: Heinrich Jung

Gelsenkirchen-Buer.   1945 wurde es von dem 17-jährigen Alfred Hautkappe gerettet, nun wird das Wegekreuz von der Akazien-/Brinkgartenstraße wieder hergerichtet.

Kruzifixe gibt’s in vielen Familien – solche, die Jahre in der Wohnung hängen, gar an die nächste Generation vererbt werden. Im Fall Alfred Hautkappes (89) blieb es nicht dabei. In den letzten Kriegswochen 1945 rettete er ein Wegekreuz auf der Goldbergstraße davor, als Brennholz verheizt zu werden und stellte es mit Verwandten unweit seines Elternhauses an der Brinkgarten-/Akazienstraße wieder auf. So wurde es zu einem ganz besonderen Kreuz für seine Familie – aber nicht nur. Kaum ein Tag verging, an dem dort nicht ein Anwohner Blumen ablegte. Bis jetzt: Die gGmbH „Förderkorb“ demontierte das Kreuz im St.-Urbanus-Auftrag, um es aufzuarbeiten. Doch das stellt sich nun schwieriger dar als erwartet.

Hintergrund ist die starke Verwitterung der Christus-Figur aus Eichenholz. „Besonders am Kopf mit der Dornenkrone, den Händen und den Füßen haben Witterung und Umwelteinflüsse ihre Spuren hinterlassen. Hinzu kommt, dass das zum Teil recht zersplitterte Holz stark von Moos befallen ist“, erläutert Matthias Czarnetzki, Technischer Leiter und Werkspädgagogik-Bereichsleiter der Katholischen Jugendsozialarbeit gGmbH. Kurz: Es sei eher unwahrscheinlich, dass das Kreuz samt Figur noch in diesem Jahr an seinen alten Standort zurückkehrt.

„Früher stand das Kreuz vor dem MPG-Eingang“

Etwa 100 Jahre alt ist das etwa 2,50 Meter hohe Kruzifix, so Propst Markus Pottbäcker. „Eine Dame aus dem Quartier hatte mich auf den schlechten Zustand angesprochen und eine Aufarbeitung angeregt.“ Bei der Recherche nach den Eigentumsverhältnissen erfuhr er dann von der Rettungsaktion des damals 17-jährigen Alfred Hautkappe – der freilich das Geschehen gar nicht so abenteuerlich in Erinnerung hat.

„Früher stand das Kreuz am Eingang des Max-Planck-Gymnasiums. Davor machten die Beerdigungszüge auf dem Weg zum Hauptfriedhof immer Station. In den letzten Kriegstagen muss jemand es umgefahren und beschädigt haben, so dass es halb auf der Goldbergstraße lag. Ein Freund und ich hatten Sorge, dass es verheizt werden könnte. Also holten wir eine Schubkarre und transportierten es zur Reparatur zu meinem Opa in die Schmiede. Gefragt haben wir damals niemanden“, mag der 89-Jährige gar nicht so viel Aufhebens darum machen.

Anwohner legten Blumen vor dem Kreuz nieder

Stolz ist der Maschinenbau-Ingenieur aber trotzdem: Weil sich – außer den Hautkappes – bis heute zahlreiche Anwohner um das Kruzifix kümmern und immer wieder Blumenschmuck ablegen.

Auf die Nachbarn wirkt die Ecke Brinkgarten-/Akazienstraße nun seltsam leer. Und das wird auch noch einige Wochen so bleiben. „Das Holz ist in Teilen doch maroder als es zunächst schien. Ich muss es mit einem besonderen Kleber stabilisieren und die glänzende Harzschicht vorsichtig wieder abschleifen. Das ist sehr zeitaufwendig“, berichtet Czarnetzki, selbst gelernter Schreiner. Vorstellbar sei aber, schon einmal das Kreuz ohne den Christus-Korpus aufzustellen.

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