Das andere Konzert

Abtauchen in die Untiefen der Seele bei "Das andere Konzert"

Joachim Gabriel Maaß singt „Die Winterreise“  im Kunstmuseum in Gelsenkirchen, begleitet von Bernhard Stengel am Pianoforte.

Foto: Thomas Gödde

Joachim Gabriel Maaß singt „Die Winterreise“ im Kunstmuseum in Gelsenkirchen, begleitet von Bernhard Stengel am Pianoforte. Foto: Thomas Gödde

Gelsenkirchen.   „Das andere Konzert“ im Kunstmuseum präsentierte Franz Schuberts Liedzyklus „Die Winterreise“.

Grau war der Sonntag – es schien, als wollte das Wetter die vielen Gäste im Kunstmuseum auf dem Ausflug zu der verstörend melancholischen Seite der kalten Jahreszeit begleiten. „Die Winterreise“ – Klaviernoten aus der Feder von Franz Schubert, Texte von Wilhelm Müller, der vielleicht bekannteste Liedzyklus überhaupt, stand auf dem Programm.

„Die Worte der Lieder finden Sie überall im Netz, die politischen Interpretationen auch, ich wollte Ihnen ersparen, das hier noch einmal lesen zu müssen“, erklärte der künstlerische Leiter der etablierten Reihe „Das andere Konzert“ Hans-Jörg Loskill mit entwaffnender Einfachheit. Nein, diese Matinee sollte im Genuss der Töne und der Virtuosität der Künstler stehen, der wunderbaren Bassstimme von Joachim Gabriel Maaß und Bernhard Stengel am Pianoforte. Eingehüllt in einer Wolke dunkler Mollakkorde begannen die Einblicke in die Untiefen der Seele, die warme Stimme von Maaß dicht am Herzen des Publikums. 24 Lieder voller Schmerz, Erschöpfung, aber auch Verwunderung und Verzehrung. Maaß modulierte fantastisch, gedämpft wie „auf den weißen Matten“, innerlich erregt „ohne Ruh´ und suche Ruh“, bittersüße Heiterkeit in Erinnerungen an „zwei Mädchenaugen glühten“.

Zuhörer wie gebannt - ehrlicher, langer Applaus

Ein Hauch von Todessehnsucht über allem, kulminierend in der Gefolgschaft des „Leiermann“. Der Sänger verschmolz mit dem Werk, aus einem Guss die knapp 70 Minuten, die Zuhörer wie gebannt. „Das Konzert ist ein wahrer Höhepunkt unserer Reihe“, sagte Loskill, dessen großer Wunsch es war, Maaß einmal im Museum zu präsentieren. „Es war mein Wunsch, zu der Gelegenheit genau diese Musik mitzubringen“, erzählte Maaß später. Mit Stengel an seiner Seite im einfühlsamen Dialog eine gelungene Okkasion. Ehrlicher langer Applaus mit stehenden Ovationen eines kundigen Publikums. „Riesenkompliment. Der ganze Text zudem auswendig, Hut ab, das ist gute alte Schule“, beglückwünschte William Saetre, Sängerkollege aus dem Musiktheater im Revier.

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