Nachruf

Abschied von einem kenntnisreichen Kultur-Kritiker

Hans-Jörg Loskill hat die Kulturszene mitgeprägt. Der ehemalige WAZ-Redakteur starb am Samstag. Am 24. Juli wäre Loskill 73 Jahre alt geworden.

Foto: Birgit Schweizer

Hans-Jörg Loskill hat die Kulturszene mitgeprägt. Der ehemalige WAZ-Redakteur starb am Samstag. Am 24. Juli wäre Loskill 73 Jahre alt geworden. Foto: Birgit Schweizer

Gelsenkirchen.   Der souveräne Kritiker, Autor, Kunst-Förderer und Moderator Hans-Jörg Loskill ist tot. Der langjährige WAZ-Redakteur wurde 72 Jahre alt.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Seine Stimme hatte Gewicht in dieser Stadt, in dieser Region. Da, wo die Musik spielt, wo Theater gemacht wird und Künstler die Welt abbilden, da war er mit großer Leidenschaft zu Hause. Nun ist seine Stimme verstummt. Hans-Jörg Loskill, ehemaliger Kulturredakteur der WAZ Gelsenkirchen, starb am Samstag im Alter von 72 Jahren nach schwerer Krankheit.

Engagiert, unermüdlich und kompetent begleitete Loskill von August 1968 bis zu seiner Pensionierung als WAZ-Redakteur Ende September 2008 das kulturelle Geschehen Gelsenkirchens. Aber auch über diese Zeit hinaus galt Loskill der Kunst- und Kulturszene als überaus kundiger Ansprechpartner, war er gefragt als souveräner Kritiker, als beredter Moderator von Veranstaltungen, als charmanter Redner bei Ausstellungseröffnungen, als Juror bei Preisverleihungen wie dem Gelsenkirchener Theaterpreis oder als Veranstalter von außergewöhnlichen Konzerten wie denen im Kunstmuseum Gelsenkirchen.

Er förderte junge Talente und anerkannte Künstler

Loskill begleitete aufmerksam die freie Theater- und Musikszene und die großen Institutionen wie Musiktheater und Sinfonieorchester, förderte junge Talente und längst anerkannte Künstler. Zuletzt verstand er sich selbst mehr als Förderer, Moderator, Motor und Multiplikator der Kultur denn als Kritiker.

Zahlreiche Veröffentlichungen liegen von ihm vor, als Autor, als Herausgeber. 2003 brachte er zum 25-jährigen Jubiläum des Balletts von Bernd Schindowski den Band „Nur wer die Sehnsucht kennt ...“ heraus. Ebenfalls im Essener Klartext Verlag legte er 2009 den Band „MiR geht’s gut. 50 Jahre Musiktheater im Revier“ vor. Eine Porträtreihe über Revierkünstler initiierte Loskill, stellte im Klartextverlag Größen wie Rolf Glasmeier oder Werner Thiel vor.

Kunstgeschichte, Musik- und Theaterwissenschaft

Geboren am 24. Juli 1944 in Fürstenwalde/Spree studierte Hans-Jörg Loskill zunächst Germanistik, Kunstgeschichte, Musik- und Theaterwissenschaft in Köln. Seine ersten Zeilen für die WAZ verfasste er für die Redaktion Bottrop, in Kirchhellen war Loskill bis zu seinem Tod zu Hause. Dem Schreiben blieb er auch nach seiner Pensionierung leidenschaftlich treu. Seine Kritiken, ob für die WAZ oder auch für Online-Foren, gerieten nie vernichtend, nie zynisch, sie rissen nicht ein, sondern bauten auf.

Loskill war präsent in der Kulturszene, und das machte ihn zu einem begehrten, weil informierten Gesprächspartner. Er wird fehlen. Die Stadt, die Region, wir werden Hans-Jörg Loskill nicht vergessen.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Auch interessant
Leserkommentare (1) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik