Digitalisierung

Abgeordneter Wittke spricht mit Schülern über Datenschutz

Bundestagsabgeordneter Oliver Wittke (CDU, Mitte) diskutiert mit Schülern über Digitales.

Bundestagsabgeordneter Oliver Wittke (CDU, Mitte) diskutiert mit Schülern über Digitales.

Foto: Joachim Kleine-Büning

Gelsenkirchen-Altstadt.   Gelsenkirchener Berufsschüler beschäftigten sich mit der Digitalisierung. Konfrontation mit alltäglichen Fragen und unangenehmen Antworten.

Die Schüler, die um den Bundestagsabgeordneten Oliver Wittke herum sitzen, haben ihm etwas voraus: Sie sind mit den digitalen Errungenschaften aufgewachsen, über die der CDU-Politiker heute reden möchte, sind auf Youtube, Snapchat und Instagram zuhause. Welche Chancen, aber auch Risiken die schöne neue Welt für sie bereithält, darüber, so scheint es, haben sich einige jedoch noch kaum Gedanken gemacht.

„Wer von euch schreibt noch SMS?“ Gelächter. Zwei Hände gehen zaghaft nach oben. Klar, der Messengerdienst Whatsapp ist kostenfrei, die herkömmliche Textnachricht also „out“. „Würdet Ihr Whatsapp auch nutzen, wenn jede Nachricht fünf Cent kosten würde?“ Kopfschütteln. „Ihr wisst aber schon, dass Ihr bezahlt?“ Jetzt blickt das ehemalige Stadtoberhaupt in erstaunte Gesichter. „Mit Daten.“

Suche nach Bestätigung im Netz statt nach Kritik

Am Berufskolleg für Technik und Gestaltung steht heute die Digitalisierung auf dem Stundenplan. In Workshops, ausgerichtet von der Schulinitiative des Bitkom, „erlebe IT“, sprechen die Jugendlichen über Medien, Datenschutz und mögliche berufliche Perspektiven in der Informationstechnik. Der Staatssekretär im Wirtschaftsministerium nutzt die Gelegenheit, ihre Fragen zu beantworten.

„Die digitale Welt ist ganz anders als die reale“, erklärt er. Im Internet umgebe man sich eher mit Gleichgesinnten, suche nach Bestätigung statt Kritik. „Darüber muss man sich bewusst sein“, mahnt er. Aber: „In der Technik findet eine permanente Entwicklung statt.“ Darauf immer schnell genug zu reagieren sei mitunter herausfordernd, eröffne aber auch Möglichkeiten.

„Wir haben die Chance, durch Digitalisierung wieder Jobs nach Deutschland zu holen“, sagt der studierte Geograf. Die Frage, wer sich vorstellen könnte, später im IT-Sektor zu arbeiten, führt allerdings zu einem peinlichen Schweigen. Vier Berufsschüler melden sich zögernd.

EU-Verordnung wirft Fragen auf

Ob sie sich durch die Schule gut auf die Arbeitswelt vorbereitet fühlten, will Wittke wissen. „Ich glaube, das merkt man erst später“, sagt Schüler Brian Sarra. Mitschüler Christian Gorke gibt zu bedenken: „Bei meinem Praktikum in der neunten Klasse haben viele an zwei Monitoren gearbeitet. Hier stehen vor jedem Monitor zwei Stühle.“ Das, versprechen der Abgeordnete und Schulleiter Uwe Krakau, werde sich bald ändern.

Eine andere Veränderung bereitet den Jugendlichen allerdings Sorgen: „Was sagen Sie zu Artikel 13?“ fragen sie den Abgeordneten. Der Artikel in der EU-Datenschutzgrundverordnung regelt das Urheberrecht und ist umstritten. Vage Antwort: „Dazu habe ich mir noch keine Meinung gebildet.“ Einen Standpunkt vertrete er aber. Im Netz müssten die gleichen Regeln gelten, wie in der analogen Welt. Generell.

>>>Info: Bundesweit 850 Schulen nutzen „erlebe IT“

Das Projekt „erlebe IT“ kooperiert bundesweit mit über 850 Schulen. Die 2009 gegründete Initiative führt 100 Projekttage im Jahr durch.

In der aktuellen Legislaturperiode haben knapp 90 Bundestagsabgeordnete Schirmherrschaften dafür übernommen.

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