Literatur

24 mörderische Episoden der Gelsenkirchenerin Margit Kruse

Die Autorin Margit Kruse liest am Samstag in der Gelsenkirchener Buchhandlung Junius. Musikalische Unterstützung gibt es von Norbert Labatzki.

Die Autorin Margit Kruse liest am Samstag in der Gelsenkirchener Buchhandlung Junius. Musikalische Unterstützung gibt es von Norbert Labatzki.

Foto: Junius

Gelsenkirchen.  Margit Kruse hat einen literarischen Adventskalender mit mörderischen Motiven geschrieben. Die Gelsenkirchener Autorin liest ab Samstag daraus.

Fiese Morde versüßen das Warten aufs Christkind. Denn dieser Advent wird mordsmäßig spannend. Hinter jedem der 24 Kalendertürchen verbirgt sich ein bizarres Verbrechen. Zumindest für denjenigen, der zum aktuellen Buch der Gelsenkirchener Krimi-Autorin Margit Kruse greift. „Advent, Advent, die Zeche brennt“ heißt der Erzählband mit 24 Kurzkrimis, die den Lesern in der Zeit der Besinnlichkeit wohlige Schauer des Entsetzens über den Rücken jagen. Und immer wieder auch zum Schmunzeln einladen.

„Den könnte ich umbringen!“ Ein Satz, den so mancher schon gedacht haben mag beim Ärger mit unangenehmen Zeitgenossen. Margit Kruse setzt den Gedanken in die Tat um, wenn auch nur literarisch. „Viele meiner Opfer“, lächelt sie vielsagend, „haben durchaus reale Vorbilder.“ Die 62-Jährige, die vor allem durch ihre Revier-Krimis rund um Hobby-Ermittlerin Margareta Sommerfeld bekannt wurde, legt mit den 24 mörderischen Geschichten zur Vorweihnachtszeit ihr inzwischen 13. Buch vor: „So manche Begebenheit ist wahr, nur habe ich sie weitergesponnen und blutig zu Ende gebracht.“ Die Autorin geht mit offenen Augen und Ohren durchs Leben: „Da fallen einem die Geschichten einfach vor die Füße.“

Zimtsternduft durchsetzt mit Mordgelüsten

Zimtstern- und Spritzgebäckduft wabert durch das Buch, Kerzen glitzern, der Schnee rieselt leise vom Himmel, Besinnlichkeit wärmt die Herzen. Bis, ja bis der Nachbar von nebenan, der Schwiegersohn im Nachbarort oder der Gatte im eigenen Zechenhäuschen die Faxen dicke hat von kleinen Alltagsärgernissen und mordet und meuchelt. Und zwar konsequent gemein und hinterhältig.

Das deftige Figurenkabinett der Margit Kruse ist prall und skurril, von derbem Charme, immer nah an der Wirklichkeit und doch stets einen Tick ‘drüber. Die Menschen kommen mitten aus dem Pott, sie heißen Heike, Hedwig oder Herbert, Monika, Michael und manchmal auch Jacqueline. Gemordet wird im ganzen Ruhrgebiet, in Gelsenkirchen- Buer und in Resse, in Herne und in Herten, in Essen, Witten, Bochum oder Gladbeck.

Bollerige Ruhrgebietstypen und humorvolle Details

Im Fokus stehen allesamt biedere, bollerige Ruhrgebietstypen, doch Margit Kruse blickt mit gutem Auge für humorvolle Details hinter die scheinbar friedlichen Fassaden. Und da lassen Kleinigkeiten des Alltags Biedermänner und brave Hausfrauen ausrasten und zu Mördern werden. Da nervt eine alleinstehende Frau das tägliche Klingeln des Postboten, da keimt Neid und Streit beim Monopolyspiel auf, da fühlt sich eine Witwe vergebens hingezogen zum Fahrer eines Tiefkühlkostunternehmens, erweist sich das Rendezvous auf dem Friedhof als Flop. Und auch Fans von Margareta Sommerfeld kommen in einer Adventsgeschichte auf ihre Kosten. Im Text „Tauche, mein Freund, tauche tief“ taucht auch Kommissar Helmut Blauländer wieder auf. Band 8 der Sommerfeld-Krimis wird übrigens im April unter dem Titel „Bergmannserbe“ erscheinen.

24 Geschichten mit würdigem Ruhrgebietsschlusspunkt

Abgewiesene Liebe, Erbschaftsstreit, Rachegelüste und Familienknatsch, das vor allem sind hier die Motive der Menschen, die mitten im Advent plötzlich zu Mördern werden, die erstaunlich skrupellos zu Gift, Gürteln, Messern und Äxten greifen.

Wer also wissen will, wem es an den Feiertagen außer Gänsen und Karpfen noch an den Kragen geht, dem seien die Kurzkrimis aus dem Pott empfohlen. Der Band endet mit der 24. Geschichte übrigens stilecht: mit dem Steigerlied auf den Lippen, dem Tod im Bergwerk und einem letzten Glück auf!

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben