Umwelt & Entsorgung

200 Tonnen Nordmanntannen in Gelsenkirchen eingesammelt

Ein nadelnder Riesenberg aus Tausenden Tannen türmt sich auf dem Abladeplatz an der Resser Straße im Gelsenkirchener Stadtwald auf.

Ein nadelnder Riesenberg aus Tausenden Tannen türmt sich auf dem Abladeplatz an der Resser Straße im Gelsenkirchener Stadtwald auf.

Foto: Michael Korte / FUNKE Foto Services

Gelsenkirchen.  Das Einsammeln der ausrangierten Weihnachtsbäume ist so gut wie abgeschlossen: Die Gelsendienste kommen pro Jahr auf rund 200 Tonnen Tannen.

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Es riecht so intensiv nach Tannengrün, als stünde man inmitten einer Fichtenschonung. Dabei haben diese Tannenbäume ihre beste Zeit schon hinter sich. Tausende Exemplare türmen sich auf dem Abladeplatz am Rande der Resser Straße im Stadtwald. Soeben karren Hüseyin Tokman (45), Frank Sielaff (59) und Michael Hellmich (43) in ihrem Sperrmüllfahrzeug die nächste Fuhre heran. Dieses Trio gehört zu jenem Team der Gelsendienste, das in den vergangenen zwei Wochen im gesamten Stadtgebiet ausrangierte Nordmanntannen eingesammelt hat. Über 20.000 Bäume sind dabei bis heute zusammengekommen. Ein nadelnder Riesenberg mit einem Gesamtgewicht von 200 Tonnen.

Schicht beginnt um 6.30 Uhr

Jahr für Jahr legen die Aufräumer am ersten Werktag nach den Heiligen Drei Königen los. Diesmal war es ein Dienstag. „Wir fangen immer morgens um 6.30 Uhr an. Ich bekomme dann eine Liste mit den Straßennamen ausgehändigt, die wir in dieser Schicht abfahren müssen“, erzählt Frank Sielaff. Er lebt in Resse und ist seit 23 Jahren bei den Gelsendiensten beschäftigt. Die Liste nimmt Fahrer Hüseyin Tokman in seine Obhut. „Die genaue Route, in welcher Reihenfolge wir die Straßen abfahren, können wir selbst festlegen“, erzählt der Schalker. In diesem Stadtteil sowie in Bulmke-Hüllen gilt es für das Trio, am Straßenrand nach Sammelgut Ausschau zu halten.

Das ist manchmal gar nicht so leicht. Vor allem am frühen Morgen, wenn es draußen derzeit noch stockduster ist. „Wenn der Fahrer mal etwas übersieht, haben wir hinten an unseren Stehplätzen eine Schelle. Wenn wir drücken, hält er sofort an“, berichtet Michael Hellmich, der in Scholven zu Hause ist und seit elf Jahren den Arbeitsdress der Gelsendienste in grell-leuchtendem Orange trägt. Ist eine Straße komplett abgegrast, kann Fahrer Tokman auf der Liste einen Haken dran machen. Schon geht’s weiter zur nächsten.

Riesenbäume vorher zersägen

Erster Halt des Tages ist die Hohenzollernstraße in Bulmke-Hüllen. Und gleich zu Beginn entdeckt Sielaff ein Riesenexemplar auf dem Bürgersteig. „Der war bestimmt vier Meter hoch. Den bekam man allein gar nicht hochgewuchtet“, erzählt er. „Wir bitten alle Bürger im Vorfeld, dass sie solch große Bäume vor der Abholung in kleinere Teile zersägen. Leider halten sich nicht alle daran“, weiß Tobias Heyne, Sprecher der Gelsendienste, aus Erfahrung.

Das gilt auch für die Bitte, die ganzen Tannen oder aber Baumteile nicht in Plastiktüten verpackt an den Straßenrand zu stellen. „Zehn Tüten pro Tag haben wir eigentlich immer dabei“, sagt Hellmich. Noch kurioser: Der ein oder andere ganz besonders faule Zeitgenosse stellt seine Tanne sogar noch voll dekoriert mit Kugeln und Lametta (!) zur Abholung an den Straßenrand. „Immerhin die Lichterketten haben sie abgenommen“, sagt Tokman und lacht.

Rund 600 Bäume passen in das Innere des 354-PS-Fahrzeugs, das im Alltag zur Sperrmüllabholung genutzt wird. Der so genannte „Knacker“ im Fahrzeug presst die hinten hineingeworfenen Bäume mit einem immensen Druck von bis zu 350 bar zusammen. Passt nichts mehr hinein, geht es zum besagten Abladeplatz im Stadtwald. Je nach Tour ist dies ein- bis zweimal am Tag nötig.

Rund 50 Kilometer fährt der Laster, der bei voller Beladung 26 Tonnen wiegt, pro Schicht. „Rund die Hälfte davon laufen wir zu Fuß nebenher. Da weiß man abends, was man am Tag gemacht hat“, sagt Sielaff und fügt mit einem Augenzwinkern hinzu: „Es fühlt sich manchmal so an, als fallen einem gleich die Arme ab.“ Immerhin seien die Sicherheitsschuhe bequem, das erleichtere die täglichen Fußmärsche.

Externer Dienstleister verwertet

Der im Stadtwald aufgetürmte Tannenberg wird von einem externen Dienstleister abgeholt und verwertet. 200 Tonnen Gelsenkirchener Tannenbäume landen im Häcksler und werden anschließend kompostiert. „Uns fehlen dafür die geeigneten Verwertungsanlagen“, sagt Sprecher Heyne. Dem beauftragten Unternehmen zahlen die Gelsendienste für die Verwertung eine Euro-Summe „im überschaubaren vierstelligen Bereich“, so Heyne. Welche Firma das diesmal erledigt, stehe laut Heyne noch nicht fest: „Die Ausschreibung läuft.“

Es wird früher Nachmittag. Tokman, Hellmich und Sielaff haben die rund 60 Straßen, die auf ihrer Liste standen, komplett abgefahren. Also Dienstschluss? „Nein“, sagt Tokmann. „Wir fragen vorher noch über Funk nach, ob ein anderes Team Hilfe braucht. Erst, wenn alle sagen, dass sie fertig sind, machen wir Feierabend.“ Am gestrigen Dienstag fuhren sie die letzte Runde für dieses Jahr. „Zum Glück“, atmet Hellmich erleichtert auf. „Ich bin froh, wenn die Tannenbaum-Zeit vorbei ist und wir wieder Sperrmüll einsammeln.“

Weitere Daten und Fakten zur Tannenbaum-Einsammlung

„Wir bitten alle Bürger, stets darauf zu achten, wohin sie ihre Bäume legen“, sagt Michael Hellmich. Immer wieder würden diese auf Rasenflächen abgelegt, auf den auch Hundekot zu finden ist. „Und es ist eklig, wenn wir dann da genau hineingreifen müssen“, so Hellmich.

Jeder der 18 Stadtteile wurde im Laufe der vergangenen zwei Wochen einmal angefahren. Los ging es diesmal in Scholven, Hassel und Resse. „Die sind dafür im nächsten Jahr als Letzte an der Reihe. Wir haben da ein rollierendes System, so dass jeder Stadtteil mal als Erster und mal als Letzter drankommt“, erklärt Gelsendienste-Sprecher Heyne.

Insgesamt sechs Dreier-Teams der Gelsendienste waren täglich im Stadtgebiet unterwegs. Addiert sammelten sie an den sechs Einsatztagen rund 700 Kubikmeter Tannenbäume ein.

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