Bergmannstag in Horst

Zeche Nordstern: Stillgelegt – aber nicht vergessen

Einstige Nordstern-Kumpel führten Interessierte durch den Besucherstollen im Nordsternpark und vermittelten so einen Eindruck von den Arbeitsabläufen, den Sorgen und Gemeinschaftsgefühl der Bergleute. Foto:Michael Korte

Einstige Nordstern-Kumpel führten Interessierte durch den Besucherstollen im Nordsternpark und vermittelten so einen Eindruck von den Arbeitsabläufen, den Sorgen und Gemeinschaftsgefühl der Bergleute. Foto:Michael Korte

Horst.   Zum 150-jährigen Bestehen der Zeche Nordstern erinnerten Ex-Kumpel beim Bergmannstag an die Welt unter Tage – die eben nicht nur dunkel war.

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Großväter erzählen ihren Enkeln von der Arbeit als Kumpel. Einstige Bergmänner lassen alte Zeiten wieder aufleben. Immer wieder hört man die Begrüßung „Glück auf!” Beim Bergmannstag an der Zeche Nordstern kommen an diesem Samstag viele Menschen zusammen, um an die Ära des Bergbaus zu erinnern. Vor 150 Jahren begann dort die Kohleförderung. Mittlerweile ist sie zwar stillgelegt, aber längst nicht vergessen, wie die Veranstaltung von Geschichtsforum Nordsternpark, Freundeskreis Nordstern und der Stadt zeigen soll.

Eine Currywurst in den Händen haltend und Ruhrpott-Liedern lauschend, verschaffen sich die Besucher einen Eindruck vom Malochen unter Tage. Einige besichtigen den Besucherstollen, andere begehen die Aussichtsplattform der Zeche. So auch Ursula Gransch (77). „Ich finde die Veranstaltung heute toll und fühle mich hier richtig wohl. Die Menschen sind super nett”, sagt sie begeistert. „Gerade zum 150-jährigen Bestehen von Nordstern ist die Veranstaltung hochinteressant”, ergänzt Anne Scholz (60).

Emotionen erzeugen

Reinhold Adam war Betriebsratsvorsitzender von Nordstern und ist Initiator der Veranstaltung. Wie einige andere trägt er einen Bergmannskittel. Mit der Resonanz ist er zufrieden: „Wir wollen die Geschichte aufrecht erhalten und durch Erinnerungen Emotionen erzeugen. Und dieses Wecken der Gefühle haben wir heute geschafft.”

Einige Besucher waren selbst unter Tage tätig. Dass mit der Schließung der letzten Zeche im Ruhrgebiet nun der Bergbau endet, stimmt viele traurig. Michael Bodden (55) hat seine Lehre auf Nordstern absolviert. „Natürlich hängt da mein Herz noch dran. Aber das ist der Wandel der Zeit. Irgendwann wird es keine Bergleute mehr geben.”

Wilhelm Weiß ist Mitglied des Freundeskreises Nordstern und standesgemäß weiß gekleidet. Auf seinem Kopf trägt er einen weißen Helm mit Lampe. Sein Vater und sein Großvater sowie drei Brüder waren Kumpel. Mit 14 Jahren war er das erste Mal auf einer Zeche. Er würde immer wieder Bergmann werden und möchte, dass der Beruf nicht in Vergessenheit gerät: „Man hängt an der Zeche. Sie ist einfach ein Stück Geschichte und wir versuchen sie zu erhalten.”

Adam sieht die Schließung der Zechen nicht nur negativ. „Nordstern ist nicht gestorben. Es lebt weiter”, sagt er überzeugt. „Ein Ende kann auch ein Anfang sein.”

>> INFO-BOX: Berglehrlinge errichteten Besucherstollen 1997

Der Freundeskreis Nordstern betreut den Besucherstollen des Nordsternparks. Dieser wurde 1997 von Berglehrlingen für die im selben Jahr stattfindende Bundesgartenschau gebaut. Er ist 63 Meter lang und voller bergmännischer Exponate.

Zur Zeit der Erbauung war die Zeche Nordstern die nördlichste Förderanlage des Ruhrgebiets. So ist auch ihr Name entstanden: Sie war das einzige Bergwerk nördlich der Emscher.

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