Straßenumbenennung

Weg mit Karl Wagenfeld

Der Karl-Wagenfeld-Weg in Buer soll nach dem Wunsch von Gelsenzentrum umbenannt werden.

Der Karl-Wagenfeld-Weg in Buer soll nach dem Wunsch von Gelsenzentrum umbenannt werden.

Foto: WAZ FotoPool

Gelsenkirchen-Buer.  Zahlreiche Straßen und Schulen in Westfalen tragen seinen Namen: Karl Wagenfeld. In Buer ist es der Karl-Wagenfeld-Weg, der durch eine Bungalow-Siedlung führt und an den Lehrer, Schriftsteller und Mitgründer des Westfälischen Heimatbundes erinnert. Schon bald könnte ein roter Balken das Straßenschild markieren und damit auf einen neuen Namensgeber verweisen, bevor der Wegweiser dann ganz abmontiert wird. Denn Gelsenzentrum, ein gemeinnütziger Verein für regionale Kultur- und Zeitgeschichte mit Sitz in Horst, strebt eine Umbenennung an. Karl Wagenfeld, 1869 in Lüdinghausen geboren und 1939 in Münster gestorben, gilt als Vertreter von fremdenfeindlichen und rassistischen Anschauungen. Mehr noch: Für Andreas Jordan von Gelsenzentrum war Wagenfeld ein überzeugter Nationalsozialist und eine Stütze des Terror-Regimes.

Im Frühjahr dieses Jahres sei er von einem Bekannten darauf angesprochen worden, dass der Name Karl Wagenfeld auch in Gelsenkirchen immer noch in der Öffentlichkeit zu finden sei, berichtet Andreas Jordan. So sei die Idee entstanden, einen Antrag auf Umbenennung der Straßenschilder bei der Stadt einzureichen. Mit dem Auswechseln und der textlichen Ergänzung des unter dem Straßenschild angebrachten Zusatzes möchte es Jordan nicht bewenden lassen: „Diesen Hinweis würde man nur lesen, wenn man vor dem Schild steht. Und der Name Wagenfeld tauchte weiter in Stadtplänen und Navigationsgeräten auf.“

Antrag liegt beim Ältestenrat

Deshalb wünscht sich Jordan einen Austausch. Er schlägt vor, dass der Weg in Zukunft an Werner Goldschmidt erinnern soll, an einen Gelsenkirchener, der dem NS-Widerstand angehörte und den Holocaust überlebte. Jordan: „Der Werner-Goldschmidt-Weg soll ein mahnendes Beispiel dafür sein, wohin Rassismus und Fremdenfeindlichkeit führten.“

Der Antrag ist bei der Stadtverwaltung eingegangen, wo sich das Institut für Stadtgeschichte bereits damit befasst hat, bestätigt Stadtsprecher Oliver Schäfer: „Inzwischen liegt ein neues Gutachten vor.“ Diese Bewertung werde Thema einer Arbeitskreissitzung des Ältestenrates am 8. Oktober sein. Nach dem Arbeitskreis werde sich anschließend auch der Ältestenrat selbst sich dieses Themas annehmen und es dann an politischen Gremien wie Bezirksvertretung Nord und Rat weitergeben. Somit könne eine Straßenumbenennung bei entsprechendem Beschluss frühestens zum Jahresende erfolgen. Ob die Politik Jordans Vorschlag aufgreife und die Straße in Werner-Goldschmidt-Weg unbenannt werde, müsse abgewartet werden. Der Aufwand für die Umbenennung hält sich in Grenzen: Der Karl-Wagenknecht-Weg hat 37 Hausnummern.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben