Kirche

Trinitatis-Gemeinde Buer diskutiert Angriffe auf Seenotretter

In der Apostelkirche in Buer findet ein Gottesdienst zum Buß- und Bettag statt.

In der Apostelkirche in Buer findet ein Gottesdienst zum Buß- und Bettag statt.

Foto: Joachim Kleine-B ning / FUNKE Foto Services

Gelsenkirchen-Buer.  Mitglieder der Trinitatisgemeinde stellen am Buß- und Bettag auf dem Goldbergplatz den Umgang mit Flüchtlingen in Seenot in den Mittelpunkt.

Ist die Gesellschaft noch auf dem richtigen Weg oder geht sie in die falsche Richtung? „In diesem Jahr werden wir am 20. November, dem Buß- und Bettag um 18 Uhr mit einer kurzen Ansprache auf dem Goldbergplatz an den momentanen Umgang mit Flüchtlingen in Seenot erinnern“, sagt Karla Wessel, Pfarrerin der Trinitatis-Gemeinde in Buer.

Weiter geht es dann die kurze Strecke zur Apostelkirche, in der es gegen 18.20 Uhr einen Gottesdienst gibt, in dem man sich auch mit der Hilfe durch die zivile Seenotrettung Sea-Watch befasst. Seitdem der Buß- und Bettag kein gesetzlicher Feiertag mehr ist, hinterfragt die Trinitatis-Kirchengemeinde Buer politische und gesellschaftliche Gegebenheiten. „Denn für uns ist es immer noch ein wichtiger kirchlicher Feiertag“, sagt die Pfarrerin.

Auf dem Goldbergplatz werden die Kirchenmitglieder Transparente mit dabei haben, auf denen die Namen von Menschen stehen, die im Mittelmeer ertrunken sind. Diese zehn mal fünf Meter großen Banner sind auf dem Evangelischen Kirchentag im Juni dieses Jahres in Dortmund entstanden. „Leben retten ist Pflicht. Sollten wir das wirklich vergessen haben? Es ist höchste Zeit, dass wir Buße tun und umkehren vom falschen, gottlosen Weg“, ist die deutliche Aussage von Karla Wessel.

Namen ertrunkener Flüchtlinge auf Transparenten

Sie ärgert sich auch, dass diejenigen, die mit Schiffen privater Hilfsorganisationen im Mittelmeer Flüchtlinge retten, kriminalisiert werden. Helfer, die Leben retten, als kriminell hinzustellen, widerspreche jedem biblischen Auftrag. Denn es heiße in der Bibel ganz klar, dass man dem Nächsten helfen soll. „Eben auch Fremden“, betont die Pfarrerin.

Und damit man nicht nur anonym und mit Distanz über tote Flüchtlinge spreche, habe man die Namen von ertrunkenen Flüchtlingen auf die Transparente geschrieben. „In den Jahren 2015 bis 2018 sind 12.748 Menschen im Mittelmeer ertrunken - und das sind nur die offiziell registrierten Todesfälle. In derselben Zeit wurde Mare Nostrum, das italienische Seenotrettungsprogramm beendet, weil Europa keine Unterstützung gewährte“, sagt Karla Wessel.

„Wir wollen mit der Aktion am Buß- und Bettag, zu der jeder Bürger eingeladen ist, wachrütteln. Wir möchten, dass Bewegung in die Sache kommt und vermitteln, was jeder einzelne tun kann, um das Elend zu beenden.“ Wo die Politik versage, wolle die Kirche Wege zur Hilfe aufzeigen. Es soll aus dem Grunde auch kein gewöhnlicher Gottesdienst sein, sondern es wird viel Information über die Nichtregierungsorganisation Sea-Watch geben.

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