Hilfseinsatz von „Tuisa hilft“

Togolesen reißen sich um Arzt-Kontrolle aus Gelsenkirchen

Einmal um den halben Erdball reisten Yussuf Demir aus Westerholt, Dr. Angelika Pertl-Sigmar aus Buer und Nadia Aharrou aus Gelsenkirchen (v.l.), um in Togo zahnmedizinische Hilfe zu leisten, Brunnen zu eröffnen und Freizeitangebote für Kinder in Lomé und Sokodé zu machen.

Einmal um den halben Erdball reisten Yussuf Demir aus Westerholt, Dr. Angelika Pertl-Sigmar aus Buer und Nadia Aharrou aus Gelsenkirchen (v.l.), um in Togo zahnmedizinische Hilfe zu leisten, Brunnen zu eröffnen und Freizeitangebote für Kinder in Lomé und Sokodé zu machen.

Foto: Foto: Cihan Keles / Tuisa hilft

Buer. .  Zahnmedizinerin Dr. Angelika Pertl-Sigmar aus Buer untersuchte Kinder bei Hilfseinsatz von „Tuisa hilft“ in Togo. Verein eröffnete 20 Brunnen.

Die Zahnärztin ist da: Was liegt da näher, als sich ganz nach vorne zu drängeln – und danach ein zweites Mal in die Schlange zu stellen?! Dr. Angelika Pertl-Sigmar lacht, als sie von den kleinen Togolesen erzählt, die gar nicht genug von den Kontrollen bekommen konnten. Dass das nicht nur ihrem Charme zuzuschreiben war, sondern auch den Luftballons, die sie verschenkte: Sei’s drum! Rund 500 Kinder untersuchte die Medizinerin aus Buer in knapp fünf Tagen bei ihrem Einsatz in dem westafrikanischen Land. Initiiert wurde dieser von dem Verein „Tuisa hilft“ aus Buer. Dessen Akteuren ging es freilich nicht nur darum, Löcher zu füllen, sondern auch welche auszuheben: Die Helfer aus Gelsenkirchen und Westerholt weihten 20 Brunnen ein.

Rund 30.000 Euro an Spendengeldern investierte „Tuisa hilft“ nach eigenen Angaben, „um die Wasserversorgung von etwa 14.000 Menschen zu sichern und Kindern die Teilnahme am Unterricht zu ermöglichen; „sie verpassen nun keine Schulstunden mehr, weil sie weite Wege zum Fluss laufen müssen, dessen Wasser womöglich noch verseucht ist “, so Vereinsgründer und -vorsitzender Abdeslam Elghoulbzouri, ebenfalls Bueraner. Schon seit Jahren unterstützt die Organisation Menschen in Not (nicht nur) in Togo. „Vor drei Jahren erst haben wir in der Hauptstadt Lomé ein Gebäude gemietet, um es als Waisenhaus zu nutzen. Derzeit werden dort 46 Mädchen und Jungen unterschiedlichen Glaubens von Mitarbeitern betreut, die wir angestellt haben“, berichtet Elghoulbzouri (47), selbst Vater von vier Kindern.

Akteure leisten Hilfe zur Selbsthilfe

Seinen drei Söhnen ist der Kontakt zu Zahnärztin Pertl-Sigmar zu verdanken. „Sie sind Patienten bei mir, und da sind wir eines Tages über Praxis-Fotos von Nepal ins Gespräch gekommen, wo ich regelmäßig drei Wochen im Jahr als Zahnärztin im Einsatz bin“, erzählt sie. Für die Weltenbummlerin war es Ehrensache, „Tuisa hilft“ in Togo zu unterstützen. „Mein Koffer mit den medizinischen Geräten ist ja schnell gepackt“, meint sie augenzwinkernd.

Sieben Helfer reisten aus dem Ruhrgebiet nach Togo

Sie und Elghoulbzouri waren nicht die einzigen, die sich vor Ort engagierten. Auch Yussuf Demir, Inhaber eines Pflegedienstes aus Westerholt, war mit von der Partie, die Gelsenkirchener Geschwister Nadia Aharrou und Nabil Aharrou – sie studiert soziale Arbeit, er ist Industriemechaniker –, Soulemana Bouraima, gebürtiger Togolese aus Leverkusen, der das Projekt mitinitiierte und betreute, die Fremdsprachenkorrespondentin Salima Bourakkadi aus Duisburg sowie Cihan Keles, Fotograf aus Westerholt. „Uns allen ging es bei der Reise darum, uns von der Entwicklung des Waisenhauses und dem Bau der Brunnen in Dörfern in der Nähe von Sokodé zu überzeugen“, erläutert der Vereinsvorsitzende. Außerdem wollten die Akteure den Bedarf weiterer Unterstützung ermitteln. So sei geplant, eine landwirtschaftliche Fläche in Sokodé – zur Verfügung gestellt vom dortigen Ministerium – zu beackern mit dem Ziel, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten.

Für jedes Kind eine Zahnbürste

Was Wunder, dass Dr. Pertl-Sigmar jedem Kind im Waisenhaus in Lomé und in der von „Tuisa hilft“ betriebenen Schule in Sokodé eine Zahnbürste mitbrachte? „Besonders die Menschen in den Dörfern kennen so gut wie keine Mundhygiene, haben aber erstaunlich wenig Karies. Das führe ich darauf zurück, dass es dort keine Süßigkeiten und säurehaltige Limonaden gibt.“ Gleichwohl hatte die Bueranerin einige Löcher zu füllen. „Aber ängstlich waren die Leute dort nicht, sondern dankbar für die Hilfe. Denn für gewöhnlich sitzen sie Krankheiten aus, weil sie sich die Reise zu einem Arzt genauso wenig leisten können wie die Behandlung selbst. Auch wenn sie dadurch einen Zahn verlieren.“

So neu die ärztliche Versorgung für die Togolesen in den Dörfern nahe Sokodé war, so ungewohnt waren für sie das Klima mit der hohen Luftfeuchtigkeit und Hitze sowie die Herzlichkeit der Menschen vor Ort. „Insofern habe ich mir selbst etwas Gutes mit diesem Einsatz getan“, meint die 59-Jährige. Das nächste Hilfsprojekt jedenfalls unter der Flagge von „Tuisa hilft“ ist bereits geplant: 2020 soll es für 14 Tage nach Bangladesch gehen.

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