Reisevereinigung Buer

Tauben streicheln? Gerne! - Züchten? Lieber nicht!

Ganz vorsichtig, aber völlig verzaubert streichelt Mailien (7) eine junge Taube. Bei der Ausstellung der Reisevereinigung Buer zum Tag der Brieftaube genoss sie es sichtlich, den Tieren nahe zu sein. Foto:Olaf Ziegle

Ganz vorsichtig, aber völlig verzaubert streichelt Mailien (7) eine junge Taube. Bei der Ausstellung der Reisevereinigung Buer zum Tag der Brieftaube genoss sie es sichtlich, den Tieren nahe zu sein. Foto:Olaf Ziegle

Buer.   Am Tag der Brieftaube präsentierte die Reisevereinigung Buer großen und kleinen Besuchern das Hobby Taubenzucht. Nachwuchs fand sich eher nicht.

Ganz klar: Einen Schönheitspreis gewinnen sie nicht. Die kleinen Tauben sitzen in angedeuteten Nestern. Durch die Käfigstäbe beäugen sie die Besucher der Taubenhalle. Die sind eingeladen, den Taubensport und die -zucht kennenzulernen, sich vielleicht zu begeistern. Erstaunt sind die meisten. Die kleinen Täubchen sind überhaupt nicht ängstlich, können wie die großen sogar angefasst werden.

„Ich bin die ersten acht Tage dreimal täglich hin gegangen und habe sie gestreichelt. Da saßen die Eltern noch drauf. Deswegen sind die so zahm“, erklärt Hennes Sandmann, Ehrenvorsitzender der „Reisevereinigung Buer“ und seit 70 Jahren Züchter. Er steht bereit, an einem Tisch mit ein paar Käfigen und Utensilien das Leben der Brieftauben zu beschreiben – vom Ei bis zum ausgewachsenen Vogel.

Erstmal kommt der Nachwuchs in die „Taubenschule“

18 Tage dauere die Brut. Rund 24 Tage werden die Kleinen von den Eltern gefüttert. „Danach werden sie in den Jungtierschlag gesetzt.“ Das ist quasi die „Taubenschule“. Gemeinsam werden die Tiere hier älter, machen in der Gruppe erste Flugversuche und auch Ausflüge. Um diese Zeit im Jahr, so der Züchter, ziehe es die Tauben in den Himmel. „Man lässt sie jeden Tag raus. Ab Juli beginnt das Training. Da fährt man drei bis vier Kilometer weit weg und wartet eine halbe Stunde. Die Taube muss sich doch orientieren, wissen, wo sie ist.“

Wird sie unruhig, so Sandmann, weiß sie genau den Weg gen Heimat. Dann darf sie fliegen. Im ersten Lebensjahr schafft sie, wenn es gut läuft, Distanzen bis zu 300 Kilometer. Dann, im Winter, geht es an die Zucht. Die einstigen Jungtiere bekommen selbst Nachwuchs – und fliegen danach wieder. Rund fünf Jahre können sie fliegen. Zehn weitere können sie leben. Wenn sie für die Zucht geeignet sind. „Wenn nicht, kommen sie in den Topf.“

Züchternachwuchs findet sich kaum

Solch interessantem Vortrag lauscht auch Familie Fellmann. Zur Freude der Züchter sind die Eltern mit Sohn Paul und Tochter Mailien gekommen, den Kleinen die Taubenzucht näher zu bringen. Der erhoffte Züchternachwuchs scheint sich hier aber nicht zu finden. „Mein Opa war Taubenzüchter“, sagt Sabrina Fellmann. „Mein Vater auch“, ergänzt Pierre Fellmann. „Wir züchten selbst Rassekaninchen und kennen die Probleme mit dem Züchter-Nachwuchs.“

Den Eltern war wichtig, den Kindern die Tradition zu vermitteln. „Ich fand es interessant, ihnen das heute zu zeigen. Sie wissen gar nicht, wie Tauben früher eingesetzt wurden. Das stirbt langsam aus.“

Kulturgut soll nicht aussterben

Zum Leidwesen der Taubenzüchter ist das so. Der Nachmittag ist zwar recht gut besucht. Viele Kinder kommen, die Tiere zu streicheln. Danach ist es aber auch gut. Dabei bemühen sich die Züchter, für ihr Hobby zu werben. Rolf Mondring tut das auch zu Hause in seinem Garten. Dort hat er schon zahlreiche Kinder zu Besuch gehabt, sogar eine Gruppe der „Manuel Neuer Kids Foundation“. Neue Züchter konnte er nicht gewinnen. „Es ist schwierig“, sagt er und erzählt, so recht hätten die Kinder mit den Tauben nicht warm werden wollen.

Entmutigen lassen sich die Taubenzüchter aber nicht. Sie wollen wieder an die Öffentlichkeit gehen, um Nachwuchs werben und eintreten dafür, dass dieses Kulturgut nicht ausstirbt.

>>Info: Im Spätsommer und Herbst gehen die Tauben wieder auf Reisen: Jeden Sonntag, 13 mal in Folge. Dann werden sie eingesetzt und müssen möglichst schnell nach Hause kommen.

Wie schnell die Tiere fliegen, weiß man nicht genau. Zur Berechnung der Geschwindigkeit von rund 70 kmh dient den Züchtern die gerade Strecke – nur fliegen die Tauben die nicht.

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