Geschichte

Tafel erinnert an Geschichte der Polizei in Gelsenkirchen

Polizeipräsidentin Anne Heselhaus-Schröer und OB Frank Baranowski brachten die neue Erinnerungstafel an.

Polizeipräsidentin Anne Heselhaus-Schröer und OB Frank Baranowski brachten die neue Erinnerungstafel an.

Foto: Oliver Mengedoht

Gelsenkirchen-Buer.   Neue Tafel am Eingang zur alten Polizeiwache in Buer fasst die Geschichte der Behörde zusammen. Verstrickung in NS-Zeit bleibt nicht unerwähnt.

Im Jahre 1927 als Teil des Buerschen Forums erbaut, sollte das Polizeipräsidium auch ein Symbol der zivilen, der demokratischen Gesellschaft in der Weimarer Republik sein. Doch nur fünf Jahre später verwandelte sich die Polizei in ein Instrument des Nationalsozialismus.

Auch diesen Teil der Geschichte erinnert am Eingang zur alten Wache eine Tafel, deren Text aktualisiert und um neuere Erkenntnisse der lokalen Geschichtsforschung ergänzt wurde.

Mit dem Institut für Stadtgeschichte

„In diesem Gebäude wurden seinerzeit Menschen zu Unrecht in Haft gehalten, einige von ihnen von dort aus geradewegs in den Tod getrieben“, schilderte Polizeipräsidentin Anne Heselhaus-Schröer bei der Vorstellung der neuen Erinnerungstafel. Der in Zusammenarbeit mit dem Institut für Stadtgeschichte neu gefasste Text geht auch auf die so genannten Endphasenverbrechen ein, begangen von der Geheimen Staatspolizei, die ebenfalls im Präsidium ihren Sitz hatte.

Oberbürgermeister Frank Baranowski: „Noch im Frühjahr 1945 wurden elf osteuropäische Zwangsarbeiter im Westerholter Wald durch die Gestapo erschossen.“

Neue Polizeikräfte besuchen auch die Synagoge

Dieses Beispiel stehe für Zeiten, in denen die Polizei Verbrechen nicht bekämpfte, sondern sie beging, führte Baranowski weiter aus. Sich diesem Teil der Polizeigeschichte zu stellen, sei nicht in jeder Behörde üblich. Das Gelsenkirchener Polizeipräsidium sei eine der ersten Behörden, die sich mit der Aufarbeitung ihrer Sozialgeschichte befasst habe, betonte Anne Heselhaus-Schröer. Ein Grund mit für ihre Entscheidung, neue Polizeikräfte, die in Gelsenkirchen ihren Dienst aufnehmen, auch zu Besuchen des Instituts für Stadtgeschichte und der Synagoge einzuladen.

Egal ob alt oder neue: Erinnerungstafeln, wie sie an vielen Stellen im Stadtgebiet zu finden sind, sind nicht nur den Witterungsbedingungen ausgesetzt. „Wir stellen mit Sorge fest, das in jüngster Zeit vor allem Tafeln mit nationalsozialistischem Bezug immer wieder gezielt zerstört oder entwendet werden. Ein Zeichen für uns, erst recht damit weiter zu machen“, betonte Oberbürgermeister Baranowski.

Von der Stadt zum Staat

5. Oktober 1927: An diesem Tag wurde das neue Polizeiamt Buer eingeweiht, das vom folgenden Jahr an mit der Neugliederung von Gelsenkirchen und Buer dem Polizeipräsidium Recklinghausen unterstand.

Für lange Zeit in kommunaler Trägerschaft, erfolgte in der Weimarer Zeit die Verstaatlichung der Polizei unter demokratischen Vorzeichen. Zur „Polizeistadt“ in Buer gehörten auch die Unterkünfte der kasernierten Bereitschaftspolizei, die Wohngebäude an der Breddestraße, eine Kraftwagenhalle mit Turnhalle, ein Stallgebäude für die berittene Polizei und ein Exerzierplatz. Die neue Wache an der Kurt-Schumacher-Straße entstand 1998.

An Verbrechen beteiligt

Beamte aus Gelsenkirchen beteiligten sich ab 1939 in den Polizeibataillonen 65 und 316 am Vernichtungskrieg und an Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Dazu zählt Daniel Schmidt (Institut für Stadtgeschichte) auch die Ermordung von sieben Männern und vier Frauen aus Osteuropa im Westerholter Wald noch im Frühjahr 1945.

Daniel Schmidt: „Ein ähnliches Verbrechen hat es auch im Stadtgarten gegeben. Im Gegensatz zu Buer konnten die Täter dort nicht ermittelt werden.“

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben