Nahverkehr

Straßenbahn soll in Horst als Ringlinie fortgesetzt werden

Die Straßenbahnlinie 301 soll nicht länger in Horst enden, sondern von dort aus weiter über die Straße An der Rennbahn und die Grothusstraße in Richtung Gelsenkirchener Innenstadt geführt werden.

Die Straßenbahnlinie 301 soll nicht länger in Horst enden, sondern von dort aus weiter über die Straße An der Rennbahn und die Grothusstraße in Richtung Gelsenkirchener Innenstadt geführt werden.

Foto: Thomas Schmidtke

Gelsenkirchen-Horst.   Nahverkehrsplan nimmt Bürgervorschlag auf: Linie 301 soll über An der Rennbahn/Grothusstraße bis in Gelsenkirchener Innenstadt verlängert werden.

Zurück in die Zukunft: Ein Ticket mit dieser Losung zog jetzt die Bezirksvertretung West in Sachen Verlängerung der Straßenbahnlinie 301 von Horst in die Gelsenkirchener Innenstadt. Ausnahmslos begrüßten die Verordneten diesen Vorschlag aus zwei Bürgerworkshops, den der druckfrische Entwurf des Nahverkehrsplans erörtert. Die Maßnahme würde eine Verknüpfung wiederherstellen, wie sie bis vor einigen Jahrzehnten selbstverständlich war. Ob sie freilich auch umgesetzt wird, ist völlig unklar angesichts der hohen Kosten.

Dass die Realisierung „großen verkehrlichen Nutzen“ mit sich bringen würde, machte Daniel Karthaus vom Gutachter-Büro PTV Transport Consult GmbH aus Karlsruhe deutlich. Dieses hatte den Nahverkehrsplan im Anschluss an die Workshops (Frühjahr 2017) erarbeitet, dafür 400 Bürgeranregungen ausgewertet und zum Teil in Prüfaufträge für die Verwaltung umformuliert.

Schneller als ein Bus und komfortabler

„Eine Straßenbahn ist schneller als ein Bus, es wäre also ein deutlicher Komfortgewinn.“ Auch Umsteigevorgänge könnten entfallen. Allerdings könne die 301 Wohngebiete nicht so fein erschließen wie die Buslinie 383. Größtes Hindernis wären die hohen Infrastrukturkosten und die lange Baustellendauer, da der Kanal überquert werden müsste. Deshalb empfahl Karthaus eine Kosten-Nutzen-Untersuchung – Voraussetzung für Fördergelder, ohne die die Maßnahme kaum umzusetzen sei.

Zur Prüfung empfahl das Gutachterbüro auch eine Taktverdichtung der stündlich verkehrenden Linie 342 oder eine Verlängerung der ebenfalls stündlich fahrenden Linie 398 zur Westfälischen Hochschule. So könnte eine bessere Anbindung Beckhausens an die Straßenbahnlinien 301 und 302 geschaffen werden. „Zwar ist dadurch kein deutlich höheres Fahrgastaufkommen zu erwarten, die Maßnahme dient aber der Daseinsvorsorge“, erklärte Karthaus, was SPD, CDU und Grüne ausdrücklich lobten.

Keine Veränderung für den Bowengarten

Eine Beibehaltung der jetzigen Situation regt das Büro in Bezug auf die Erschließung des Neubaugebiets Am Bowengarten an. Einige Bürger hatten für die gleichnamige Haltestelle eine höhere Taktfrequenz des Schnellbusses 36 gefordert, der dort einmal pro Stunde hält. Am Nordsternpark stoppt er zweimal pro Stunde.

Weil die Haltestellen Nordsternpark, Am Bowengarten, Kranefeld- und Markenstraße jeweils nur fünf bis sieben Fußweg-Minuten auseinander lägen, sei das Gebiet ausreichend bedient. Zudem verkehre dort die Buslinie 383 im Zehn-Minuten-Takt zwei Mal pro Stunde. In sechs Minuten sei schließlich auch die Haltestelle Schloss Horst mit der U11 und vielen Buslinien erreichbar. Die Verlegung einzelner Fahrten der Linie 383, um etwa mobilitätseingeschränkten Personen mehr Service zu bieten: Diese Maßnahme brächte Nachteile für das Ortszentrum und die über 1000 Ein- und Aussteiger dort mit sich, da dieses nicht mehr im Zehn-Minuten-Takt angefahren würde.

Noch offen für Anderungen und Anregungen

Wenig Hoffnung machte Tobias Zobel vom städtischen Verkehrsreferat in Sachen Fahrpreis-Änderung für eine Kurzstrecke ab der Haltestelle Bowengarten. Eine Anwohnerin hatte kritisiert, im Schnellbus einen höheren Tarif zahlen zu müssen als im Bus 383 (WAZ berichtete). „Eine Preisanpassung ist da laut Bogestra nicht möglich, weil der SB nun mal weniger Haltestellen anfährt, um schneller zu sein.“

Am Ende stimmte die Bezirksvertretung dem 200 Seiten starken Entwurf in erster Lesung einstimmig zu. Allerdings unter dem parteiübergreifenden Vorbehalt, noch Änderungen oder Streichungen vor der zweiten Lesung vorzunehmen.

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