Besuchsdienst im Seniorenheim

Senioren besuchen und neue Omas finden

An Gesellschaftsspielen hat nicht nur Seniorin Margret Kürschner (sitzend) Spaß. Auch die Mitglieder der ehrenamtlichen Besuchsgruppe lachen viel, wenn sie mit den Heimbewohnern Zeit verbringen.

An Gesellschaftsspielen hat nicht nur Seniorin Margret Kürschner (sitzend) Spaß. Auch die Mitglieder der ehrenamtlichen Besuchsgruppe lachen viel, wenn sie mit den Heimbewohnern Zeit verbringen.

Foto: Foto: Joachim Kleine-Büning / Funke Foto Services

Horst.  Überkonfessioneller Besuchsdienst im Horster Haus Marienfried holt Senioren aus sozialer Isolation. Helfer sorgen für mehr Lebensqualität.

Man möchte es sich kaum vorstellen: Man ist alt, lebt im Heim – und bekommt dort selten oder gar niemals Besuch. So aber ergeht es vielen Menschen im letzten Lebensabschnitt. Im Haus Marienfried in Horst ist das jetzt anders. Weil es Freiwillige gibt, die her kommen, sich als Paten um Bewohner kümmern oder im Gemeinschaftsraum mit allen Zeit verbringen.

„Die Idee zu dem Besuchsdienst-Projekt kam mir, weil ich dachte, wir müssen als Kirchen in Horst etwas tun, das unserem Auftrag entspricht, nämlich raus zu gehen und bei den Menschen zu sein“, sagt Pastor Rico Otterbach von der Freien Evangelischen Gemeinde. Die befindet sich gleich gegenüber dem Seniorenzentrum. Insofern lag die Inspiration nur einen Blick aus der Kirchentür heraus entfernt.

Senioren können sich auf Besucher verlassen

Der Geistliche warb für das Projekt bei den ökumenischen Partnern der evangelischen und katholischen Kirche. Und gemeinsam lud man im Frühjahr öffentlich ein. Das Interesse war zunächst recht groß. Doch die Aufgabe ist es auch.

Rico Otterbach macht noch einmal deutlich: „Es geht um Verbindlichkeit.“ Nach dem Motto: „Drum prüfe, wer sich ewig bindet.“ Wobei das mit der Ewigkeit hier natürlich relativ ist. Jedoch will ist gewollt, dass sich Besucher wie Besuchte aufeinander verlassen können. Allein das schafft Bindungen. Wenn diese überhaupt noch entstehen können.

Olaf Langerbeins weiß nicht genau, wie eng das Verhältnis zu seinem Schützling ist. „Er erkennt mich, lacht, wenn ich ins Zimmer komme. Ob er mich zuordnen kann, das weiß ich nicht.“ Der ältere Herr ist dement. Allein ist er jedoch nicht mehr. „Ich komme einmal in der Woche zu Besuch. Mal gehen wir spazieren, mal spielen wir Mensch-Ärgere-Dich-nicht. Aber da gewinnt er immer. Und zweimal waren wir schon hier im Haus im Kneipencafé.“

Auch intellektuelle Gespräche sind möglich

Auch Ines Muslewski hat einen Bewohner gefunden, mit dem sie etwas verbindet. „Er ist sehr zurückgezogen. Ein Mann des Wortes und des Geistes.“ Somit einer, mit dem die studierte Philosophin schnell ein Thema findet. „Unsere erste Diskussion drehte sich um die Rolle der katholischen Kirche in der NS-Zeit.“ Wenn die Ehrenamtlerin erzählt, wird schnell deutlich, auch intellektuelle Gespräche sind im Haus Marienfried möglich. Im besten Falle findet jeder Freiwillige einen älteren Menschen, mit dem die Chemie einfach stimmt.

Bei Markus Weber ist das auf jeden Fall gelungen. „Die Dame, die ich betreue, ist über 90 Jahre alt und im Kopf blitzgescheit.“ Das war dem jungen Familienvater eine Bedingung für sein Engagement. Eine zweite: „Es sollte jemand sein, der Anschluss an meine Familie haben kann und möchte.“ Mit der auserwählten Dame geht das. „Ich habe sie schon mit meiner Frau und meiner Tochter im Eiscafé getroffen. Heute war ich bei ihr und habe sie zu uns nach Hause zum Grillen eingeladen.“

Eine kleine Geschichte, wie sie schöner nicht laufen könnte, findet auch Christiane Maslowsky, eine Wohnbereichsleiterin. „Diese Bewohnerin blüht total auf. Es macht sie stolz, zu fühlen, da kommt jemand und kümmert sich um mich.“ Das nämlich könne das Pflegepersonal, bei allem persönlichen Einsatz, nicht leisten.

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