Wohnen

Scholvener sprechen beim Mieter-Treff über ihre Sorgen

Auch um Nebenkostenabrechnungen ging es in Scholven.

Auch um Nebenkostenabrechnungen ging es in Scholven.

Foto: Jens Büttner / dpa

Gelsenkirchen-Scholven.  Die CDU hatte zum Gespräch mit Rechtsanwalt Malte Stuckmann geladen. Besorgte Mieter nutzten die Chance und berichteten von absurden Rechnungen.

Die CDU hat zum ersten Mieter-Treff nach Scholven geladen. Und obwohl das Thema viele im Stadtteil betreffe, wie Monika Kutzborski aus ihrer kommunalpolitischen Erfahrung berichtet, gekommen sind nur eine Handvoll Menschen. Der Einsatz für die Betroffenen sei dennoch wichtig. „Hier gibt es viele Menschen, die sich von der Politik verlassen fühlen“, so die Vorsitzende des Ortsverbandes, die hier gemeinsam mit dem Hasseler Parteikollegen Alfred Brosch aktiv wurde.

Jener hat in seinem Umfeld schon Erfahrungen gesammelt mit den Akteuren, die nun auch in Scholven Mietern Sorgen bereiten. Darunter ist etwa das Unternehmen „Rhein Ruhr Invest“. Die hätten etliche Immobilien in Scholven aufgekauft. „Und gleich die Mieter angeschrieben mit einer Mieterhöhung in der Größenordnung von 15 Prozent und mehr.“ Dahinter stecke eine Taktik: „Einhundert Prozent der Mieter werden angeschrieben, 90 Prozent kommen aus Sorge der Forderung nach. Die Gruppe derer, die den Widerspruch aufrechterhält, wird der Erfahrung nach mit der Zeit immer kleiner.“ Und die Mieterhöhung von heute sei eben der Mietspiegel von morgen.

Mieter sollen sich sofort beschweren

Dann melden sich die Besucher zu Wort, erzählen zunächst von hanebüchenen Betriebskostenabrechnungen. „Obwohl ich keine Rauchmelder habe, stellen die mir eine Fernabfrage in Rechnung“, weiß der eine zu berichten. Der nächste erzählt von in Rechnung gestellten Hausmeisterdiensten, die nie erfolgt seien. Da kann Rechtsanwalt Malte Stuckmann einen Tipp geben: „Das muss ich in dem Moment anmahnen, in dem der hätte kommen müssen. Nicht erst am Ende des Jahres.“

Ein Beispiel aus seiner Praxis: Da schreibe ein Mieter bei winterlichem Treiben jeden Tag einen Brief, der Winterdienst sei nicht ausgeführt worden. Erst das aber berechtige dazu, jenen auch nicht zu bezahlen. Überhaupt müsse man seinen Widerspruch schon klar formulieren. „Da muss man konkret benennen, welche Posten man anzweifelt.“ Um das zu können rät der Jurist zur Einsicht in die Betriebskostenabrechnung.

Im Verlauf wird auch deutlich, wie absurd manch Wohnlage bewertet wird von den neuen Inhabern. Da sorgten drei, vier Bäume vor der Tür eines Hauses in unmittelbarer Nähe zum Kraftwerk schon für eine Einstufung als „parkähnlicher Zustand“. Malte Stuckmann schmunzelt: „Wohnen, wo andere Urlaub machen. Diejenigen, die da zahlen und nicht widersprechen, sind arm dran.“

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