Gelsenkirchener Tafel

Schlange stehen, nicht nur für Brot, Obst und Gemüse

Die Menschen stehen in der Schlange, warten darauf, dass die Tafel ihre Lebensmittel-Ausgabe öffnet. „Sie kommen oft früher, nur um soziale Kontakte zu haben“, sagt Hartwig Szymiczek.

Foto: Gero Helm

Die Menschen stehen in der Schlange, warten darauf, dass die Tafel ihre Lebensmittel-Ausgabe öffnet. „Sie kommen oft früher, nur um soziale Kontakte zu haben“, sagt Hartwig Szymiczek.

Gelsenkirchen-Buer.   Die Tafel macht Bedürftige nicht nur satt, sie ersetzt zum Teil auch fehlende soziale Kontakte. Ehrenamtliche Helfer sind willkommen.

An Zahlen allein kann man bei der Gelsenkirchener Tafel eine neue Not nicht belegen – aber an leisen Zwischentönen und gelegentlichen Nachfragen: „Unsere Arbeit für Senioren ist ausbaufähig“, sagt Hartwig Szymiczek, Geschäftsführer der Tafel am Nordring.

Anders als in benachbarten kleineren Städten könne man in Gelsenkirchen nicht sagen, dass in den letzten Monaten und Jahren wesentlich mehr Senioren das Angebot der Tafel angenommen haben. „Es gibt Zuwächse“, sagt Szymiczek, aber die Situation stelle sich schwierig dar. Anonymität und Angst vor unbekannten Situationen würden ältere Menschen davon abhalten, zu den Ausgabestellen zu kommen.

Eingeschränkte Mobilität

Ein Hinderungsgrund sei zudem, dass zahlreiche ältere Menschen in ihrer Mobilität eingeschränkt sind. Und Angst vor dem Fremden, dem Flüchtling aus Syrien oder Afghanistan, den Weg blockiert.

Für zahlreiche ältere Menschen gebe es aber noch Hemmschwellen, die Angebote der Tafel anzunehmen. Szymiczek hat es bereits mehrfach erlebt, dass gerade Senioren nachgefragt haben: „Haben sie auch eine Tiertafel?“, um von der eigenen Bedürftigkeit abzulenken und dennoch vielleicht ein Türchen zu öffnen, dass das eigene Leben verbessert.

90 Tonnen Lebensmittel

„Wie kann man Leute dazu bewegen, sich zu trauen, wie kann man diejenigen, die wenig haben und jeden Cent drei Mal umdrehen müssen, davon überzeugen, die Tafel könne ihnen guttun?“, fragt Szymiczek und sieht es als eine dringende Aufgabe der Tafel an, älteren Menschen noch deutlicher zu zeigen, dass sie willkommen sind.

Dabei kann die Tafel mit ihren 120 engagierten ehrenamtlichen Mitarbeiter bereits auf großartige Arbeit verweisen: 90 Tonnen Lebensmittel werden im Monat verteilt. „Damit werden 1720 Haushalte wöchentlich unterstützt, das sind knapp 6000 Personen, wovon alleine 1400 Kinder sind“, rechnet Szymiczek vor. Die Ehrenamtlichen würden insgesamt 326 Stunden täglich arbeiten. Für die Verteilung der Lebensmittel seien sechs Fahrzeuge dauernd unterwegs, diese legen jährlich etwa 112 000 Kilometerzurück, was für den gemeinnützigen Verein Kosten von etwa 17 000 Euro für Sprit verursacht. Tendenz steigend.

Neue Herausforderungen

Mit Stolz blicke man auf diese Leistung, und dennoch gebe es fast täglich neue Herausforderungen. Szymiczek macht es zum Beispiel traurig, wenn er erkennt, dass die Besucher der Tafel „oft früher kommen, sich in die Schlage stellen, nur um ein paar Minuten am Tag soziale Kontakte zu haben.“

Der Verein Gelsenkirchener Tafel würde sich über weitere ehrenamtliche Unterstützung freuen. Interessierte können sich bei Hartwig Szymiczek unter 63 88 106 oder per Mail an info@tafel-ge.de melden.

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