Musik

Projektchor erzählt Luthers Leben

Regina Pietrek spielt die Querflöte, die Sänger haben sich zu einem Projektchor zusammengefunden, der für die Aufführung des Luther-Oratoriums probt.

Foto: Heinrich Jung

Regina Pietrek spielt die Querflöte, die Sänger haben sich zu einem Projektchor zusammengefunden, der für die Aufführung des Luther-Oratoriums probt. Foto: Heinrich Jung

Gelsenkirchen-Buer.   In Beckhausen proben Musikschüler von Kantorin Christina Wienroth ein Oratorium von Andreas Hantke. Aufgeführt wird es Ende Februar.

„Luther“ steht am Notenpult. Er singt ein melodramatisches Rezitativ, schildert darin seine Gedanken und Gefühle. Um ihn herum sitzt im Halbkreis der Projektchor. Der Sängerinnen und Sänger begleiten den Reformator in seinem Gesang. Es ist eine Passage aus der Mitte des Oratoriums von Andreas Hantke. Das ist hörbar zeitgenössisch. Anspruchsvoll ist es auch. Für die Musiker eine Herausforderung, die sie gern annehmen.

Das Werk, das noch im Februar in der Christuskirche aufgeführt wird, ist nicht nur besonders in seiner Art. Es ist Sinnbild einer besonderen kirchenmusikalischen Arbeit, die Kantorin Christina Wienroth seit Jahren hier leistet. „Alle Sänger sind meine Gesangsschüler“, erklärt sie. „Leider konnten wir den Projektchor nicht so ganz weit öffnen, weil es doch ein schwieriges Oratorium ist. Trotzdem sind fünf Jugendliche dabei.“ Die Komposition hat es in sich. Inhaltlich wie musikalisch. „Es ist ein Stück moderne Klassik, die schon etwas atonal ist.“ Das bedeutet, die Stücke sind nicht einfach zu singen, weil sie nicht der gewohnten Klangfolge entsprechen. Alles muss einzeln erarbeitet werden. Das brauchte seine Zeit. Länger, als erwartet. Eigentlich hatte das Werk natürlich im Luther-Jahr aufgeführt werden sollen.

Und das Klavier kommentiert

Das Stück beleuchtet Leben und Schaffen des Reformators zugleich, beginnend mit Luthers Studienzeit. Es beschreibt, wie seine Worte den Lauf der Geschichte prägten, aber auch seine Rolle als Ehemann. Zwei Rollen berichten all dies. Zum einen der Erzähler, hier Lothar Hinkel. Das Besondere: Er spricht und singt nicht. „Seine Worte werden vom Klavier kommentiert“, so die Kantorin. Zweiter Solist ist Dirk Baumeister als „Luther“. Für den Sänger, der auch von Wienroth unterrichtet wird, ist es die erste große Rolle.

„So etwas Großes habe ich noch nie gesungen“, sagt er, der zur Gemeinde gehört, hier jahrelang Chorsänger war. Und dann gleich solch schwere Kost? „Ja. Aber das haben wir so richtig erst in den Proben gemerkt.“ Die dienen nun nur noch dazu, aus vielen einzelnen Sequenzen ein großes Ganzes zu machen. „Jetzt geht es darum, die Verbindung zum Chor zu bekommen.“

Leicht und beschwingt

Der schlüpft in ganz viele Rollen, singt mal die Chorstücke im Oratorium, dann die Tischgäste Luthers oder diejenigen, die ihn im Reichstag verhören. Für die jungen Mitglieder eine außergewöhnliche Erfahrung. „Es ist schön, mal ein großes Werk zu singen und nicht nur einzelne Lieder“, sagt Elin Ohland. „Es ist auch eine gute Übung, gerade weil es nicht so ganz einfach zu singen ist. So kommt man für sich ein Stück weiter, entwickelt die Stimme“, findet Sabrina Weiß. „Man sammelt auch Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit anderen Stimmen und mit einem Orchester.“ Das ist ein Projektinstrumentalensemble und kommt zu späteren Proben dazu.

Alle sind in die Kirche umgezogen. Hier versucht man einen Durchlauf. Die ersten Töne des Oratoriums erklingen. Ein durchaus leichter Beginn, beschwingt, durch seine moderne Stilistik dennoch ungewohnt für manchen Hörer. Der Erzähler führt in die Geschichte ein. Dann tritt der Student Luther auf. Und der ist noch jugendlich heiteren Gemüts: „Die beste Zeit im Jahr ist mein, da singen alle Vögelein.“

Das „Luther-Oratorium“ von Andreas Hantke wird am Sonntag, 25. Februar, um 18 Uhr in der Christuskirche an der Bergstraße 7 in Beckhausen aufgeführt. Es singen und musizieren Dirk Baumeister (Bariton) als „Martin Luther“, Lothar Hinkel als „Erzähler“, dazu der Projektchor und das Projektinstrumentalensemble. Die Gesamtleitung hat Kantorin Christina Wienroth inne. Der Eintritt ist frei. Um eine Spende zur Deckung der entstandenen Kosten wird gebeten.

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