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Neuansiedlungen im Einkaufszentrum Buer stimmen nachdenklich

Foto: Thomas Schmidtke

Gelsebkirchen-Buer.   Kann die Stadt die Abwärtsspirale auf der Hochstraße nicht ebenso verhindern, wie sie es mit Tedi in der Markthalle praktiziert hat?

Trendige Jeans waren gestern, demnächst gibt es Mode im preiswerten Segment für die ganze Familie an der oberen Hochstraße. „Wir werden voraussichtlich im Mai eröffnen“, sagt Marcello Concillio von der Textilkette Ernsting’s Family, die in die Räume des ehemaligen Schlatholt-Ablegers Curve & Company ziehen wird.

Die letzten Neuansiedlungen im Einkaufszentrum Buer stimmen nachdenklich: Der Ein-Euro-Laden in der ehemaligen DM-Filiale, zwei Handyläden und ein Fingernagelstudio ... Da fragt sich so mancher Bueraner: „Warum kann die Stadt diese Abwärtsspirale nicht ebenso verhindern, wie sie es mit der geplanten Tedi-Ansiedlung in der Markthalle praktiziert hat?“

Private Eigentümer

„Geht nicht“, sagt Stadtsprecher Martin Schulmann. Auf der Hochstraße habe man es mit privaten Eigentümern zu tun. „Angebot und Nachfrage sowie die Eigentümer der Geschäftsimmobilien bestimmen hier den Geschäftsbesatz“, erläutert er weiter.

Obwohl sich die Markthalle auch in Privatbesitz befindet, sieht die Stadt einen Unterschied. Die Hochstraße sei ein sogenanntes Kerngebiet, das „vorwiegend der Unterbringung von Handelsbetrieben sowie der zentralen Einrichtungen der Wirtschaft, der Verwaltung und der Kultur dient“.

Nicht beliebig „vermehrbar“

Bei Markt und Markthalle handele es sich um eine städtebaulich und angebotsspezifisch besondere Situation in der Innenstadt von Buer, die überwiegend gastronomische und Food-Artikel bereithalten solle. „Markt und Markthalle bilden eine einzigartige Situation, die im Stadtgefüge nicht beliebig „vermehrbar“ ist“, erklärt Schulmann. Allerdings drängt sich da die Frage auf: Ist die Hochstraße durch die Marienstraße vermehrbar? Oder bildet sie mit ihrem zum Teil historischen Baubestand ebenfalls ein Alleinstellungsmerkmal?

Mit dem Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan Nr. 432 im vergangenen Jahr habe die Stadt Markt und Markthalle aus diesem Kerngebiet Zentrum Buer herausgenommen, zum Sondergebiet erklärt, „um diese einzigartige Situation zu sichern und fortzuentwickeln“. Oder wie es in der Vorlage heißt: „Durch die Schaffung neuen Planungsrechts soll ein weiteres städtebauliches Absinken verhindert werden“.

Falsche Leute kaufen die guten Immobilien

„Die Stadt steht einer Vermietung im Wege und um uns herum sprießt das Ein-Euro-Paradies“, schimpft Markthallen-Besitzer Thomas Bernau. Tedi sei nie ein Wunschkandidat gewesen, aber nach über 100 Absagen hätte er mit diesem Ankermieter eine Chance gesehen, die Markthalle zu beleben und drei gute gastronomische Konzepte auf über 1000 Quadratmetern zu realisieren.

Die Hoffnung der Stadt, durch „das Planungsrecht weiteres städtebauliches Absinken zu verhindern“, teilt Matthias Beckmann, Inhaber des vor einigen Monaten aufwendig modernisierten Männermode-Stores, nicht. „Das Problem an der Hochstraße ist doch, dass die falschen Leute die guten Immobilien kaufen“, sagt er. Für ihn sei es kurzsichtig und nicht gut für die Attraktivität der Innenstadt, wenn immer nur nach der höchsten Miete geschielt werde.

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