Bürgergespräch

Mietern in Hassel spüren weiterhin Angst und Wut

Optisch ist es eine Idylle wie hier am „Krummer Weg“ in Hassel. Doch viele Mieter machen sich Sorgen.

Foto: Thomas Schmidtke

Optisch ist es eine Idylle wie hier am „Krummer Weg“ in Hassel. Doch viele Mieter machen sich Sorgen. Foto: Thomas Schmidtke

Gelsenkirchen-Hassel.   CDU wollte auf einer Informationsveranstaltung über die neuen Entwicklungen in den Hasseler Siedlungen sprechen.

Alfred Brosch greift zu Beginn seiner Einführung einen alten Slogan auf: „Schön, hier zu wohnen“. Der Vorsitzende des Ortsverbandes Hassel der CDU meint das natürlich nicht ernst. Den anwesenden Hasseler Mietern erscheint es wie ein Hohn. Sie sind gekommen, einmal mehr das Gespräch zu suchen mit der Kommunalpolitik, zu berichten von ihren Sorgen mit den zwei großen Wohnungseigentümern, die den Stadtteil beherrschen, der LEG und Rhein Ruhr Invest.

Seit vielen Jahren sorgen sich die Mieter im Stadtteil um ihre Wohnsituation – auch wenn die Eigentümer wechselten, nahmen die Probleme nicht ab. Ein emotionales Thema. Wilhelm Hausmann, ehemaliger Sprecher und Arbeitskreisvorsitzender der CDU NRW für Planen, Bauen und Verkehr und von Hause aus Architekt, hat dafür Verständnis: „Die Wohnung bezeichnen wir oft als die dritte Haut des Menschen, nach der echten Haut und der Kleidung. Die seelische Betroffenheit ist da sehr groß.“

Vielfältige Probleme

Die Probleme sind vielfältig, das machen die Besucherstimmen schnell deutlich. Da sind zum einen Sanierungsstau und mangelhafte Wohnungen. „Die Unternehmen haben gekauft, um Profit zu machen. Missstände wurden nicht behoben“, sagt Ronald Wetklo, der sich seit Jahren für Mieter einsetzt und selbst betroffen ist. Die Referenten kann er damit überzeugen. „Es ist ja erst einmal nicht unanständig, durch Vermietung Geld zu verdienen“, meint Alfred Brosch.

„Es kommt nur auf die Verhältnismäßigkeit an.“ Und obwohl Mietrecht eindeutig Privatrecht ist, habe die Kommune eine Handhabe – über die Transferleistungen. Viele der Miterhöhungen landen bei Ämtern. Deren Mitarbeiter seien keine Mietrechtsexperten, erkennen Erhöhungen von rund 30 Euro an – und schaffen Fakten. Die kosten in der Masse die Kommune nicht nur viel Geld, die machen auch den Mietspiegel der Zukunft aus. „Da muss die Politik handeln“, so Brosch.

„Menschen werden unter Druck gesetzt“

Hochemotional wird es bei einem weiteren Problem. „Die Methoden bewegen sich am Rande der Legalität“, beschreibt Susanne Boymanns von der in Gründung befindlichen Genossenschaft „Wohnen in Hassel“, wie Menschen unter Druck gesetzt werden. Über Drohungen werde versucht, Mieter zum Kauf zu bewegen. Klappt das nicht, werde anderweitig verkauft.

Ungeachtet der Tatsache, dass viele ein Vorkaufsrecht haben und die „Sozialcharta“ der RAG einstigen Bergleuten lebenslanges Wohnrecht zusichert. „Der Punkt der Polemik ist überschritten. Es beginnt zu eskalieren. Es sind unsere Nachbarn, die in einer schlimmen Notlage sind. Die brauchen jetzt unsere Hilfe.“

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