Soziales

Lieder bleiben im Alter in Erinnerung

Das Vokalensemble St. Laurentius macht auf seiner Tournee durch Seniorenheime Station im Franziskushaus in Buer.

Foto: Thomas Gödde

Das Vokalensemble St. Laurentius macht auf seiner Tournee durch Seniorenheime Station im Franziskushaus in Buer. Foto: Thomas Gödde

Gelsenkirchen-Buer.   Das Vokalensemble St. Laurentius ist im Moment auf Tournee in Seniorenheimen. Die Idee der Sänger: Sie wollen Menschen zum Mitsingen einzuladen.

Die Interpreten sind noch gar nicht eingetroffen, da wird das Publikum schon von allen Etagen des Franziskushauses herbei gebracht. Etliche warten bereits im Saal des Hauses auf das Gastspiel des Vokalensembles St. Laurentius. Das macht in diesen Wochen eine Tournee durch die örtlichen Seniorenzentren – ein lange gehegter Plan.

„Es gab immer solche Aktionen für Chöre. Daran haben wir nie teilnehmen können. Aber wir haben immer gesagt: Wir treten mal in einem Altenheim auf. Jetzt haben wir aus dieser Idee eine Tour gemacht mit sieben Konzerten“, sagt Gregor Schemberg, der Chorleiter. Gerade eingetroffen, verteilt er schon Texthefte an die Senioren: „In extra großer Schrift.“

Singen ist ein Türöffner

Einige Lieder werden vorgetragen, andere gemeinsam gesungen. Einige Konzerte hat der Chor schon absolviert auf seiner Rundreise. Immer mit Erfolg. „Man sieht, wie die Menschen durch die Musik und das Singen aufblühen. Das ist schön.“ Und es funktioniert gut. „Singen ist das letzte, was vergessen wird“, sagt Christiane Leffer, eine Pflegekraft im Franziskushaus. „Singen ist ein Türöffner. Wir singen hier einmal in der Woche gemeinsam in einem Singkreis. Solche Aktionen wie heute sind aber selten.“

Sie würde sich wünschen, dass häufiger Menschen die Einrichtung besuchen und hier Angebote machen, Impulse geben, eine schöne Zeit bereiten.

Lieber laut und falsch als leise und richtig

Das Klavier erklingt, das Konzert geht los. Der erste Vortrag: „Bunt sind schon die Wälder“, mehrstimmig und sehr gefühlvoll dargeboten. Dann sind auch die Senioren eingeladen, mitzumachen. Die Devise: „Lieber laut und falsch als leise und richtig“, sagt Gregor Schemberg. Dann heißt es „Wir lieben die Stürme“, ein Lied zum Mitsingen. Das tun auch ein paar der Menschen im Publikum. Vor allem beim „Hei-o“.

„Es macht Spaß, den alten Menschen eine Freude zu machen“, sagt Alexandra Callegari. „Es ist schön zu sehen, wie die mitsingen“, ergänzt Christoph Callegari. „Sie singen mit und klatschen und man spürt, wie sie durch die Lieder sie an alte Zeiten erinnern“, erzählt David Berger von den Erfahrungen der ersten Konzerte in Seniorenheimen. „Gerade bei Menschen mit Demenz weckt das Singen den Geist wieder auf.“ Besonders warm werde der Chor hier aufgenommen. „Ich habe immer das Gefühl, dass man wirklich willkommen geheißen wird. Besonders, dass wir zu den Menschen nach Hause kommen, ist für sie eine schöne Sache.“ – „Und unsere Musik ist eine schöne Abwechslung. Vielfach gibt es sonst nur Musik von CDs“, sagt Alexandra Callegari. „Es hat auch etwas , dass wir junge Leute sind“, ergänzt David Berger. „Am Anfang sind sie immer ein bisschen skeptisch. Aber sobald wir gemeinsam singen, ist die Freude groß“, schildert Yvonne Paulsen.

Abwechslung im Pflegealltag

Für die Senioren ist wieder Zuhören angesagt: „Es klappert die Mühle am rauschenden Bach“, ein schöner Vortrag. Ganz unterschiedlich wird der wahrgenommen. Einige der Senioren lächeln, andere scheinen völlig in sich versunken, einige singen ein paar Worte mit, andere schauen ziellos in die Luft. Der Applaus fällt etwas mau aus. Damit müssen die jungen Sänger hier umgehen können. Die greifen wieder in die „Trickkiste“, singen jetzt „Wenn alle Brünnlein fließen“, laden zum Mitsingen ein.

Weil das Lied hier oft gesungen wird, gut bekannt ist, klappt das. Etliche singen mit, einige bewegen nur dann und wann die Lippen. Der Rest genießt und schweigt.

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