Miteinander

Kulturmeile verbindet in Gelsenkirchen Sport und Vielfalt

Die kurdische Studentin Hanim Baysal (re.) zeigt den Besucherinnen der Kulturmeile auf dem Platz der SSV Buer, wie man ein Henna-Tattoo anfertigt

Die kurdische Studentin Hanim Baysal (re.) zeigt den Besucherinnen der Kulturmeile auf dem Platz der SSV Buer, wie man ein Henna-Tattoo anfertigt

Foto: Joachim Kleine-Büning / Funke Foto Services GmbH

Buer.  An der Löchterheide in Gelsenkirchen trifft der Sport zum ersten Mal auf Vielfalt und Begegnung. SSV Buer und Awo setzten auf Zusammenarbeit.

500 Meter Begegnung und Vielfalt – damit wartete die Kultur- und Begegnungsmeile der Arbeiterwohlfahrt zum ersten Mal beim Pfingstturnier der SSV Buer auf.

Dem Sportverein war daran gelegen, ein Zeichen zu setzen für ein gelingendes Miteinander. In der Awo fanden die Sportler einen engagierten Partner, der das auch lange bleiben will. „Der heutige Tag ist erst der Beginn unserer Zusammenarbeit“, sagt Admir Bulic, Bereichsleiter Integration bei der Awo.

Viele Akteure, viele Stände

Viele Stände hat er aufbauen lassen, viele Akteure versammelt. Gleich am Anfang der Meile verweist eine Fotoausstellung auf das Patenschaftsprojekt, ins Leben gerufen und lange betreut von der kürzlich verstorbenen Brigitte Becker. „Ihr widmen wir diese Bilderschau.“

Die Botschaft ist zudem: Es soll weitergehen. Trotz rapide sinkender Zahlen in der Zuwanderung brauche man gerade jetzt viel mehr Bürger, die sich engagieren, mit Menschen anderer Herkunft ein „Tandem“ bilden. „Denn jetzt geht es nicht mehr um die Erstversorgung, jetzt geht es darum, im alltäglichen Leben anzukommen.“

Kontaktvermittler und Brückenbauer

Dabei hilft auch die Awo selbst, die sich vielfach als Kontaktvermittler sieht. „Wir hoffen immer, dass die Menschen schnell auch ohne uns das Miteinander pflegen. Der Wille ist vielerorts da. Aber manchmal braucht es Brückenbauer“, sagt Admir Bulic.

Ein Beispiel: Die Fußballgruppe auf der Anlage des SSV Rotthausen. „Da spielen rund 40 Menschen miteinander – aber nicht immer dieselben. Wer Fuß gefasst hat, wechselt in einen Verein.“

Regeln fürs Miteinander

Geleitet wird die Gruppe von Muhammed Teymuri. Einst kam er selbst als Flüchtling ins Land. Heute arbeitet er für die Flüchtlingshilfe der Awo. Er weiß: „Egal woher die Leute kommen: Fußballregeln sind international.“

Und ein Regelwerk ist die Grundlage für ein konstruktives Miteinander. Genau das ist die Botschaft, welche die Awo heute und generell vermittelt. Gleichsam sehe man in jedem Menschen ein individuelles Potenzial. Das führt dazu, dass man unzählige Musikgruppen und Tanzgruppen aufgebaut hat, von denen man heute im bunten und multikulturellen Programm zehren kann. Da sind zum Beispiel die beiden rumänischen Musiker Mihael Moco und Avram Vasile. Sie lernten sich vor einigen Jahren in Deutschland kennen, nachdem beide der Heimat den Rücken gekehrt hatten.

Musik verbindet

„Wir kommen aus verschiedenen Städten“, erzählt Mihael Moco, der seit der Jugend schon Gitarre spielt. „Aber durch die Musik haben wir schnell zusammengefunden.“ Die Klänge aus der Heimat verbinden die Männer. „Wir können auch anderes spielen. Aber am liebsten spielen wir rumänische Stücke“, sagen beide. Avram Vasile spielt das Piano. Das lernte er auch in der Heimat schon. „Ich hatte ein kleines Kinderklavier für fünf Euro“, erinnert er sich und lacht. „Erst hier habe ich ein richtiges Instrument.“

Auf solche Begegnungen hatte Andrea Weichert gehofft, als sie ihrem Verein SSV Buer vorschlug, eine Kulturmeile mit dem traditionellen Turnier zu verbinden. „Mein Anliegen war: Das, was auf dem Platz funktioniert, auf das normale Leben zu übertragen. Fußball steht ja für Regeln, für Disziplin und Miteinander.“ Das soll in Buer noch weitergehen: Demnächst laden beide Projektpartner einmal im Monat zum Treff im neuen „Café Miteinander“ für Menschen aus aller Herren Länder. Eine Plattform, aus der möglichst viele gemeinschaftliche Projekte erwachsen sollen.

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