Kultur

Künstlerin entdeckt die Magie der Waschstraße

Marion Calliesexperimentiert mit sogenannten Ziehbildern. Dabei zieht die 49-Jährige, die in Polsum zuhause ist,  Folien über Acrylfarben.

Marion Calliesexperimentiert mit sogenannten Ziehbildern. Dabei zieht die 49-Jährige, die in Polsum zuhause ist, Folien über Acrylfarben.

Foto: Torsten Janfeld

Polsum.   Die Polsumerin Marion Callies macht aus Momentaufnahmen Kunst. Beim Stockholmer Fringe-Festival gewann sie den Festival Spirit Award

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Für Marion Callies (49) ist die Waschstraße wie ein Museum. Immer wieder fotografiert die Polsumer Künstlerin Autos unter den Schrubberwalzen, verfremdet ihre Bilder von Windschutzscheiben und Karosserien, über die dicke Tropfen laufen und koloriert sie am Computer. Demnächst wird ihre carwash-Serie im Rathaus von Marl zu sehen sein.

Ihre Brötchen verdient Marion Callies als Bürokauffrau. Ihr Beruf gibt ihr finanzielle Sicherheit – und ermöglicht es ihr, in Ruhe als Künstlerin zu experimentieren. Das tut sie neuerdings zu Hause im Esszimmer, das zur kleinen Galerie geworden ist.

Farben verlaufen

Dort trägt sie Farben auf Acrylplatten auf und zieht Folien darüber, so dass die Farben verlaufen. Ziehbilder nennt Marion Callies ihre neue Serie. Immer wieder nimmt sie sich die Farbkompositionen vor: „Fertig ist relativ“, sagt sie. Perfekt werde ein Gemälde sowieso nicht: „Das Unperfekte ist perfekt an sich.“

Die Künstlerin hatte das Glück, als Schülerin des buerschen Leibniz-Gymnasiums einen Kunstlehrer zu haben, der sie inspirierte und begeisterte: Jürgen Kramer war Meisterschüler des deutschen Aktionskünstlers und Bildhauers Joseph Beuys.

Wolkenformationen faszinieren

So blieb Marion Callies auch nach dem Abitur der Kunst treu: Immer wieder beobachtet sie fasziniert Wolkenformationen am Himmel, erkennt Adler, Blumen oder andere Figuren darin. Das brachte sie auf die Idee, den Himmel zu fotografieren, die Farben am PC zu verfremden, Kontraste herauszuarbeiten.

Mit den Wolkenformationen, die die Fantasie der Betrachter anregen, begann Callies ihre künstlerische Laufbahn. „Der Himmel ist der kreativste Maler im Universum“, sagt Marion Callies. Mit ihren abstrakten Bildern mache sie diese kreative Magie lediglich sichtbar, verwandele sie durch ihren eigenen Blick.

carwash-Arbeiten

Beim Marler Kunststern stellte Marion Callies ihre carwash-Arbeiten ebenso aus wie im Gelsenkirchener Wissenschaftspark, in Galerien und bei Kunstschauen in Schweden, Mazedonien und in der Schweiz. Dort findet sie so manchen Käufer für ihre Bilder.

Stolz ist die Polsumerin auf ihren Erfolg beim Stockholmer Fringe-Festival, das auch Hollywoodstar John Malkovich besuchte: Über ein Online-Portal hatte sie sich dort 2016 beworben, durfte ausstellen und wurde von der deutschen Botschaft gefördert. Ihre Bilder wurden in den Katalog und die Festivalzeitschrift aufgenommen. Zu guter Letzt gewann Marion Callies einen Preis – den Festival Spirit Award.

Darüber freut sich die Polsumerin riesig. Über soziale Netzwerke hält und knüpft sie Kontakte zu vielen anderen Künstlerinnen und Künstlern: „So tun sich immer wieder Türen auf.“ Demnächst öffnen sich auch die Türen des Rathaus-Foyers in Marl.

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