Gesundheitswesen

,Kein Engpass bei der Versogung der Patienten’

Im St. Josef Hospital hoffen Ärzte und Mitarbeiter-Vertreter, dass die Patienten dem Horster Haus auch 2017 treu bleiben

Im St. Josef Hospital hoffen Ärzte und Mitarbeiter-Vertreter, dass die Patienten dem Horster Haus auch 2017 treu bleiben

Foto: Martin Möller

Geschäftsführung, Aufsichtsrat und Mitarbeitervertretung äußern sich zur geplanten Schließung des St. Josef Hospitals in Horst.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

„Wir wünschen uns, dass das St. Josef Krankenhaus bis ins Jahr 2018 betrieben werden kann“, sagt die neue Geschäftsführerin der KKEL, Dr. Ulrike Ellebrecht. Am Mittwochabend wagte sie – gemeinsam mit dem Aufsichtsratvorsitzenden der KKEL Werner M. Philipps und dem Mitarbeiter-Vertreter Wulf-Christian Jordan – einen Rück- und Ausblick gleichermaßen.

Heraus kristallisierte sich dabei: Die Schließung des Horster Krankenhauses war lange geplant. Spätestens 2021 sollte Schluss sein. Das sah bereits ein Konzept vor, dass Ellebrechts im Juli ausgeschiedener Vorgänger, Berthold Grunenberg, erarbeitet hatte. Eine erste Finanzanalyse ergab dann im August: „Die wirtschaftliche Lage war äußerst angespannt“, so Philipps.

Schließung war lange geplant

Warum dem Aufsichtsrat diese Schieflage nicht aufgefallen war, blieb am Mittwoch unklar. „Wir haben Grunenberg und seinen positiven Prognosen vertraut“, sagt Philipps.

Und verweist darauf, dass auch dem Aufsichtsratkollegen von der K+D die finanzielle Lage nicht bedenklich vorkam. Die Kosmas und Damian GmbH (K+D) wurde 2011 vom Bistum Essen gegründet. Das Aufsichtsratsmandat definiert die Entwicklungsgesellschaft auf der eigenen Homepage so: „Neben der kontinuierlichen Beobachtung der Geschäftsentwicklung gilt es, Risiken frühzeitig zu erkennen und Handlungsoptionen zu identifizieren beziehungsweise zu entwickeln.“ Hat, so muss man jetzt sagen, bei den KKEL-Kliniken nicht geklappt.

Subventionsstau bei den alten Gebäuden

Hinzu kommt, dass die beiden KKEL-Häuser in Horst (eingeweiht 1889) und Gladbeck (1894) im bautechnischen Bereich unter einem Subventionsstau leiden. „Um es zeitgemäß auszustatten, müssten wir je Haus 30 bis 40 Millionen Euro in die Hand nehmen“, sagt Ellebrecht. Da fehle eigenes Kapital und auch die Banken hätten bei einer Finanzierungsanfrage abgewunken.

Nach der Kündigung des renommierten Onkologie-Chefs Dr. Gerald Meckenstocks verschlechterte sich die Zukunft für Horst dramatisch. 10 Millionen generiert seine Abteilung. Zu befürchten sei, dass nach seinem Weggang zum Marienhospital in Ückendorf auch die Chirurgie in Horst mit Einbrüchen zu kämpfen habe.

Geriatrie zieht nach Gladbeck

„Die Patientenströme werden sich ändern“, so Ellebrecht und warnt: „Dr. Meckenstock die Verantwortung für die frühere Schließung zuzuschieben ist unfair“. Sie könne die Entscheidung, auch vor dem Hintergrund der unsicheren Zukunft in Horst, verstehen. Meckenstock habe einen hervorragenden Ruf. „Wir können, Gott, sei Dank, in der Nachbarschaft nicht die doppelte Menge an Onkologie-Patienten aufbieten.“

Alle Aspekte berücksichtigend, sei die Entscheidung gegen Horst und für Gladbeck gefallen. In einem Dreistufenplan will man das dortige St. Barbara Hospital in den nächsten sechs Jahren fit für die Zukunft machen.

Private Kliniken verhindern

Die Geriatrie (60 Betten) und die internistischen Betten (30) werden dort übernommen. „Unser Ziel ist nicht, Horst zu schließen, sondern die KKEL zu retten“, sagt Ellebrecht. Die katholischen Kliniken gut aufzustellen, um private zu verhindern. „Es wird keinen Engpass in der Versorgung der Patienten geben“, versichert Ellebrecht.

Es werde auch keine Kündigungen in der Belegschaft geben. Knapp 1600 Mitarbeiter beschäftigen die KKEL zu Zeit. 280 Betten gibt es in Horst, knapp 100 davon werden in Zukunft in Gladbeck untergebracht. Bleiben etwa 400 Mitarbeiter, die nach der Schließung nicht mehr gebraucht werden. Wobei ein Teil der Onkologie ins Marienhospital wechseln wird.

Mitarbeiter-Vertreter sind zuversichtlich

„Wir werden keinen Kollegen alleine lassen“, verspricht der Mitarbeitervertreter Wulf-Christian Jordan. Für ältere Kollegen suche man individuelle, sozialverträgliche Lösungen. Freie Stellen werden in Zukunft nicht neu besetzt. Und einige Kollegen werden sicher auch freiwillig wechseln.

„Der Arbeitsmarkt sieht nicht ganz so übel aus“, sagt Ellebrecht. Angst, einen Qualitätsverlust durch den Weggang von guten Kollegen zu erleiden, haben weder Ellebrecht noch Jordan. Angst hat Jordan vor etwas anderem: Dass Patienten jetzt wegbleiben.

Kooperation, keine Fusion

Dass die Managerin des Jahres 2010, Ines Manegold, die von sich selbst sagt: „Mit Herz und Verstand saniere ich gern Einrichtungen, die quasi vor dem Aus stehen“, am 1.Januar ihren Geschäftsführerposten bei der KKEL antritt, macht Jordan keine Sorgen. „Es scheint so zu sein, dass Augenmaß angewendet wird“, sagt er. Manegold wird zwei Jahre in Gladbeck arbeiten und Horst abwickeln.

Was mit dem Haus passiert? Weiß man nicht. Ende 2019 läuft ihr Vertrag aus. Und Ellebrecht übernimmt das neue Konstrukt Bottrop (Marienhospital), Gladbeck (St. Barbara) und Kirchhellen (St. Antonius). Unter welchem Namen? Weiß man noch nicht. Klar ist aber für Ellebrecht: „Hier schluckt keiner den anderen, wir haben einen Kooperationsvertrag, wollen keine Fusion.“

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben