Ferien-Aktion

Jugendliche lernen, dass alle Menschen anders sind

Gruppenarbeit war beim Workshop „Voll normal“ im Jugendzentrum Driburger Straße angesagt.

Foto: J. Kleine-Büning

Gruppenarbeit war beim Workshop „Voll normal“ im Jugendzentrum Driburger Straße angesagt. Foto: J. Kleine-Büning

Scholven.   Jugendliche erfahren im Jugendzentrum an der Driburger Straße, dass man Menschen nicht wegen ihrer sexuellen Orientierung ausgrenzen darf.

„Ausgrenzung ist unter Jugendlichen immer ein Thema. Heute betrachten wir die vor dem Hintergrund der unterschiedlichen sexuellen Ausrichtung von Menschen“, sagt Mehtap Aytekin, die Leiterin des Jugendzentrums Driburger Straße. Sie greift in den örtlichen Ferienprogrammen gern Themen auf, von denen sie merkt, dass sie für die jungen Menschen eine Rolle spielen. Dabei geht es vor allem darum, dass „schwul“ heute auf den Schulhöfen ein Schimpfwort ist.

Den ganzen Tag findet im Jugendzentrum ein Workshop statt unter dem Titel „Voll normal! Wir sind gleich im Anderssein“, ein Angebot des Deutschen Roten Kreuzes in Münster. Die Jugendlichen im Alter von zehn bis 17 Jahren machen gut mit.

Schimpfwort schwul

„In der Gruppe funktioniert das toll. Einige beteiligen sich sehr gut, stellen Fragen. Zum Beispiel, warum schwul ein Schimpfwort ist und lesbisch nicht.“ Und der Grund? „Wir haben in der Gruppe besprochen, dass man es schlecht findet, wenn Männer etwas Weibliches machen. Aber wenn Frauen etwas Männliches machen, wie etwa Fußballspielen, dann findet man das positiv.“

Die zehnjährige Leonie ist aufmerksam bei der Sache. „Ich habe heute schon gelernt, dass es verschiedene Sexualitäten gibt, zum Beispiel Bisexuelle. Und dass sich diejenigen, die wirklich schwul sind, sich darüber ärgern, wenn andere mit Schwuchtel beschimpft werden.“

Geschlechtsspezifische Eigenschaften

Ein Schimpfwort, das die junge Dame schon oft gehört hat. „Ich hab das auch schon mal selbst gesagt im Streit mit Freunden“, gibt sie unumwunden zu. „Ich glaube mittlerweile, dass das nicht richtig ist. Aber wahrscheinlich sage ich es trotzdem aus Gewohnheit wieder. Nur gebe ich mir jetzt Mühe, das nicht mehr zu machen“, erzählt sie, während sie ein Bild malt zu einer Kurzgeschichte, die eben vorgelesen wurde.

Die hat es in sich. Völlig unbemerkt von den meisten berichtete sie von einem jungen Menschen, der einen Hund aus einem Brunnen rettete. „Es gab aber keine Angabe zu dem Geschlecht“, erklärt Frederic Dusör vom Projekt des DRK. „Es geht darum darzustellen, dass man gewisse Eigenschaften immer mit einem Geschlecht verknüpft.“

Gefühle sind weiblich

So denke man, wenn es um Stärke ginge, an einen Jungen. Ginge es um Gefühle, habe man das Bild eines Mädchens im Kopf. Mit der Mitarbeit der Jugendlichen ist der Dozent zufrieden. „Die Vorbildung war schon recht gut. Einige wussten, was Bisexualität ist, auch Asexualität war ein Begriff. Transsexualität war nicht bekannt. Aber ich glaube, es ist klarer geworden.“

Der elfjährige Robin kannte sich schon vor dem Workshop ganz gut aus. „Ich wusste das alles schon“, sagt er nüchtern. „Ich finde gut, darüber zu reden und dass alle ehrlich waren als wir gefragt wurden, ob wir schon mal jemanden mit schwul beschimpft haben.“ Dann kann der junge Mann überraschen: „Ich habe das noch nie gemacht.“ Das konnten im Raum nur zwei Jugendliche von sich sagen. „Das ist nicht schön für die Person. Und ich finde es unlogisch und asozial, so etwas zu sagen. Das ist doch einfach dumm.“

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