Gehörlose Mitarbeiterin

Inklusion in der Backstube von Hof Holz

Backen ist ihre große Leidenschaft: die gehörlose Yvonne Dembek, seit 2016 als Konditorin angestellt auf Hof Holz.

Foto: Thomas Gödde

Backen ist ihre große Leidenschaft: die gehörlose Yvonne Dembek, seit 2016 als Konditorin angestellt auf Hof Holz. Foto: Thomas Gödde

Gelsenkirchen-Beckhausen.   Yvonne Dembek ist gehörlos, arbeitet aber trotzdem in ihrem Traumjob als Konditorin – in der integrativen Einrichtung Hof Holz.

„Sie mag Musik nur, wenn sie laut ist, wenn der Boden unter den Füßen bebt. Dann vergisst sie, dass sie taub ist“, sang einst Grönemeyer. Konkret stellt sich Hof-Holz-Geschäftsführer Jens Masuch derzeit die Frage, was Gehörlose in ihrer Freizeit unternehmen, welche Angebote es speziell für sie gibt, wenn sie etwa ins Konzert gehen wollen. Da müsse es doch mehr geben, als nur die Bässe in der Magengrube zu spüren. Für den familiengeführten integrativen Betrieb an der Braukämperstraße eine neue Aufgabe. Der stellt man sich aber nicht einfach so.

Seit 2016 beschäftigt der Hof gehörlose Mitarbeiter. Die erste war damals Yvonne Dembek. Sie ist seither in der Bäckerei tätig – als gelernte Konditorin. Dennoch stellt sie ihr Arbeitsalltag vor Herausforderungen. Wie kommunizieren, wenn man die Sprache des anderen nicht spricht? „Es ist schwierig für mich“, schreibt die junge Frau auf einen Zettel. Das ist ein gutes Mittel, um sich auszutauschen. Sofern die Schrift leserlich ist. Daher schafft der Hof Holz bald ein Tablet an, das diese Hürde beseitigen soll. „Ich kann auch von den Lippen ablesen. Aber es kommt immer auf die Geschwindigkeit des Sprechens an. Und natürlich muss man mich anschauen beim Reden.“

Seminare für Mitarbeiter in Gebärdensprache

Dennoch will sie ihre Arbeit nicht missen, hat Freude am täglichen Backen der Kuchen, die dann im Hofcafé vertrieben werden. Nur einen Wunsch hätte Yvonne Dembek: „Ich weiß, alle geben sich Mühe. Aber ich wünsche mir, dass mehr Menschen die Gebärdensprache lernen. Das wäre schön“, sagt sie und ihre Augen funkeln dabei.

Auch das soll in Angriff genommen werden auf dem Hof Holz. „Es gibt Seminare für Mitarbeiter. Da versuchen wir gerade, unsere Beschäftigten anzumelden“, so Jens Masuch. Denn die Zusammenarbeit mit den Gehörlosen klappt so gut, dass sie weiter ausgebaut werden soll. Eine Mitarbeiterin ist in der Küche tätig, ein dritter Gehörloser absolviert demnächst ein Praktikum. „Irgendwann hat uns das Arbeitsamt angesprochen“, erinnert sich der Geschäftsführer. „Wir suchten eine Konditorin und Yvonne Dembek einen Arbeitsplatz. Sie hat drei Monate zur Probe gearbeitet und das klappte so gut, dass wir sie eingestellt haben.“ Mit Erfolg. „Es ist toll, wie effektiv und konzentriert diese Beschäftigten arbeiten.“

Aus dieser Erfahrung erwuchs dann die Idee, gehörlosen Menschen auch ein Freizeitangebot zu machen. „Wir haben uns da schon informiert, was möglich ist. Wir wollen damit das Ziel der Inklusion weiter umsetzen.“ So gebe es Gebärdenchöre, die mal auftreten könnten. Zunächst aber soll im ersten Halbjahr 2018 bei einem „normalen“ Konzert ein Gebärdendolmetscher dabei sein. Denn tatsächlich sei es, wie im Grönemeyer-Lied, so Jens Masuch. „Laute Geräusche nehmen Gehörlose auch wahr.“

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