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Im Fahrradtaxi um den Häuserblock gerollt werden

Irmgard Pfeil, Bewohnerin des Awo-Seniorenzentrums Uhlenbrock, kam in den Genuss der Premierenfahrt mit dem Fahrradtaxi; am Lenker: Uwe Tonkel.           

Foto: Awo

Irmgard Pfeil, Bewohnerin des Awo-Seniorenzentrums Uhlenbrock, kam in den Genuss der Premierenfahrt mit dem Fahrradtaxi; am Lenker: Uwe Tonkel.            Foto: Awo

Gelsenkirchen-Hassel.   Uwe Tonkel macht regelmäßig vor dem Seniorenzentrum Uhlenbrock Halt. Dort holt er Senioren ab, um sie mit der Rikscha durch Hassel zu chauffieren

Einsteigen bitte zur Rundfahrt um den Häuserblock: Seit gut einem Monat macht Uwe Tonkel mit dem Fahrradtaxi regelmäßig Station vor dem Seniorenzentrum Uhlenbrock der Arbeiterwohlfahrt an der Mühlenstraße und kann sich seitdem vor Anfragen nicht mehr retten.

Einfach mal wieder rauskommen, aus einer ungewohnten Perspektive einen Blick werfen auf die vertraute Umgebung, einen Nachbarn grüßen und sich darüber amüsieren, wie erstaunt Autofahrer gucken können, wenn plötzlich eine Rikscha durch Hassel fährt: Das alles macht diese besondere Mitfahrgelegenheit möglich.

Sitzbank bietet Platz für zwei

Zwei Bedingungen müssen zusammenkommen, damit Uwe Tonkel in die Pedale des Fahrradtaxis treten kann: „Das Wetter muss passen. Und ich muss Zeit haben.“ Was gar nicht so einfach ist, denn der 52-Jährige ist im Stadtteil und darüber hinaus vielfach engagiert - als aktives Mitglied der Gewerkschaft IG BCE, als Seniorenvertreter und Nachbarschaftsstifter, als Spaziergangsgruppenbegleiter.

Als er neulich davon erfahren hatte, dass das Generationennetzwerk und die Behindertenverbände die Rikscha angeschafft haben, war für ihn der Entschluss schnell gefasst, diesen stadtweit angelegten Service auch in Hassel anzubieten. Irmgard Pfeil, Bewohnerin des Seniorenzentrums Uhlenbrock, war die erste, die sich traute, vor dem Lenker Platz zu nehmen.

Solo-Stadtteilrundfahrt

Die Sitzbank bietet zwar Platz für zwei Personen, aber Irmgard Pfeil kam in den Genuss einer Solo-Stadtteilrundfahrt. Ein klappbares Verdeck bietet Schutz vor Sonne, Wind und Regen, die Plattform, auf der die Füße ruhen, ist bis auf den Boden absenkbar, so dass auch Personen einsteigen können, deren eingeschränkte Mobilität nur noch kleine Schritte zulässt und das Treppensteigen gar unmöglich macht.

„Eine Fahrt dauert etwa 15 Minuten“, erzählt Uwe Tonkel, der zusammen mit seiner Ehefrau Heike (51) regelmäßig im Seniorenzentrum anzutreffen ist. Für die Fahrgäste meist eine viel zu kurze Zeit, für den Fahrer eine Kraftanstrengung. Denn das Fahrradtaxi bewegt sich ausschließlich durch Muskelkraft, für etwas Erleichterung sorgt lediglich eine Sieben-Gang-Schaltung. „Der Lenker ist breiter, der Wendekreis größer“, beschreibt der Chauffeur die Unterschiede zu einem normalen Zweirad.

Genuss mit allen Sinnen

Trotz der drei Räder neigt die Rikscha zum Wackeln, Vorsicht ist also angesagt bei der Tour durch Hassel. Uwe Tonkel: „Vor der ersten Tour haben wir alles getestet und jedes Schlagloch, jede Bürgersteigkante in Augenschein genommen.“ Und damit rein rechtlich auch alles in Ordnung geht, ist Uwe Tonkel jetzt als ehrenamtlicher Mitarbeiter der Awo Uhlenbrock offiziell anerkannt. Die Gespräche mit den Senioren während der Fahrt sind für Uwe Tonkel so etwas wie Nachhilfe in Heimatkunde. Sie erzählen davon, wo sie aufgewachsen, wo sie zur Schule gegangen sind, wie sich Hassel im Laufe der Jahre verändert hat.

Und sie genießen den Ausflug mit allen Sinnen. Wie Rosa Wittenberg zum Beispiel: „Herrlich, man sitzt so gut in der Rikscha und die frische Luft dazu…“ Irmgard Pfeils Wunsch am Ende der Premierenfahrt blieb allerdings unerfüllt: „Jetzt noch ein Halt bei Dellnitz, damit Uwe eine Belohnung für seine Arbeit bekommt.“ Die Eisdiele am Ende des Eppmannswegs wird gern als Ziel eines Zwischenstopps geäußert, aber der Weg dorthin ist dann doch etwas zu weit. Und außerdem warten an der Mühlenstraße schon die nächsten Fahrgäste. Etwa acht Runden will Uwe Tonkel pro Einsatztag schaffen, da bleibt für Abstecher, so verlockend sie auch sein mögen, einfach keine Zeit.

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