Wirtschaft

Handwerk zeigt in Gelsenkirchen noch zu wenig Präsenz

Die Schwerpunkte der Betriebe in Gelsenkirchen bilden das Bauhandwerk mit einem Anteil von 29 Prozent, und das Gesundheitshandwerk (27,6 Prozent).

Die Schwerpunkte der Betriebe in Gelsenkirchen bilden das Bauhandwerk mit einem Anteil von 29 Prozent, und das Gesundheitshandwerk (27,6 Prozent).

Foto: imago stock

Gelsenkirchen.  Gemessen an Einwohnern weist Gelsenkirchen die geringste Dichte an Handwerksbetrieben im Bezirk auf. Hoffnung: Die Lehrlingszahlen steigen stark.

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Das Konjunkturhoch ist nach Einschätzung der Handwerkskammer Münster zwar überschritten, dennoch arbeiten die Betriebe im Bezirk weiter „mit einer extrem hohen Kapazitätsauslastung“ von über 80 Prozent. Die Auftragsreichweiten betragen wie im Rekordherbst des Vorjahres 8,7 Wochen. Klingt nach eitel Sonnenschein, doch der Blick auf das Gelsenkirchener Handwerk trübt den Eindruck, die jüngste Zwischenauswertung der Kammer zeigt es. Mit einem durchschnittlichen Jahresumsatz von 755.400 Euro liegt die Stadt im Kreisvergleich auf dem vorletzten Platz, mit 8,4 Betrieben je 1000 Einwohner sogar an letzter Stelle (Kammerdurchschnitt: 10,7).

Gelsenkirchen ist keine Hochburg des Handwerks

Die Ursache dafür liegt der Analyse der Handwerkskammer nach darin, dass das „Handwerk in Gelsenkirchen nur eine vergleichsweise geringe Präsenz hat“. Und das, obwohl Gelsenkirchen gemessen nach seiner Einwohnerzahl der sechstgrößte Kreis im Kammerbezirk Münster ist. Nur rund acht Prozent der 28.711 Handwerksbetriebe befinden sich in Gelsenkirchen – Rang sieben. In Zahlen: 2259 Firmen. Recklinghausen kommt auf mehr als das Doppelte (5811), das kleine Bottrop auf 1134.

Wenig Beschäftigte im Handwerk, niedrige Lehrlingszahlen

Das Manko an Handwerksfirmen schlägt sich auch in den Beschäftigungszahlen nieder: Nur 8,1 Prozent, umgerechnet 16.021 Menschen, beträgt hier der Anteil der Beschäftigten im Handwerk, bezirksweit sind es 198.753 (Bottrop: 7701, Recklinghausen: 32.322). Auffällig dabei: Mit 6,7 Prozent, 1040 an der Zahl, hat Gelsenkirchen den zweitkleinsten Anteil aller Lehrlinge im Kammerbezirk. Insgesamt sind es 15.460, Nachbar Bottrop kommt auf 458, Recklinghausen auf 2746 – Kreise wie Borken (3431), Steinfurt (3090) oder Coesfeld (1623) liegen klar darüber.

„Insgesamt ist der regionale Ausbildungsbeitrag des Handwerks mit 3,9 Lehrlingen je 1000 Einwohner nach Bottrop der zweitschwächste im Kreisvergleich“, so die Kammer. Nur 13,5 Prozent der hiesigen Handwerksbetriebe bilden aus, die zweitniedrigste Quote aller Kreis und weit unter dem Kammerdurchschnitt von 19,1 Prozent.

Schwerpunkte: Bau-, Gesundheits-, Metall- und Elektrohandwerk

Die Schwerpunkte der Betriebe in Gelsenkirchen bilden das Bauhandwerk mit einem Anteil von 29 Prozent, und das Gesundheitshandwerk (27,6 Prozent), Letzteres nur übertroffen von Münster (29,3 Prozent). Gut aufgestellt ist die Stadt auch in Sachen Metall- und Elektrohandwerk, ein Fünftel aller Betriebe (21,3 Prozent), gehören dieser Branche an – auch wenn diese Gruppe innerhalb des Kammerbezirks Münster hier ihren anteilig schwächsten Standort hat.

Zahl der Lehrlinge deutlich angestiegen

Anlass zur Hoffnung auf eine Trendwende gibt es beim Blick auf die Zahl neuer Ausbildungsverträge. Mit einem Zuwachs von 6,6 Prozent (in absoluten Zahlen 362) im Vergleich zum Vorjahr liegt Gelsenkirchen mit Abstand an der Spitze aller Kreise. Borken (575), Coesfeld (575), Steinfurt (1027) liegen prozentual gesehen weit dahinter. Im Kammerdurchschnitt lag der Zuwachs bei 1,8 Prozent, in der Emscher-Lippe-Region bei 2,1 Prozent.

Mit höherem Schulabschluss in die Lehre

Auch scheint sich die Erkenntnis weiter durchzusetzen, das ein Studium nicht das Nonplusultra ist. „63,4 Prozent der neuen Lehrlinge vor Ort haben eine höhere Schulbildung“, freut sich die Kammer. Mit 44,6 Prozent (absolut 162) bilden Realschüler den höchsten Anteil – das ist zugleich auch der höchste Anteil aller Kreise. Auch die Zahl der Abiturienten (68) in der Lehre ist weiter gestiegen, bleibt aber verhältnismäßig niedrig. Nur Borken hat eine niedrigere Quote. Der Anteil der Hauptschüler ist mit 31,5 Prozent, umgerechnet 114, dagegen im Vergleich zum Vorjahr gesunken – Gelsenkirchen liegt da an dritter Stelle.

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