Prostitution

Geringe Nachfrage nach dem neuen Hurenpass

Auf dem Parkplatz an derMünsterstraße gehen Prostituierte seit Jahren ihrem Geschäft nach.

Foto: Gerhard Schypulla

Auf dem Parkplatz an derMünsterstraße gehen Prostituierte seit Jahren ihrem Geschäft nach. Foto: Gerhard Schypulla

Gelsenkirchen-Buer.   Ein neues Gesetzt soll Prostituierte dazu zwingen, sich registrieren zu lassen.  Die Betroffenen reagieren zurückhaltend, haben wenig Vertrauen

Ein sogenanntes Prostituiertenschutzgesetz ist am 1. Juli letzten Jahres in Kraft getreten. Alle Sexdienstleistenden müssen sich seither bei der Stadtverwaltung anmelden – zu ihrem Schutz vor Ausbeutung und Gewalt, wie es heißt. Mit der Anmeldung soll auch eine verbindliche Beratung über Steuerpflicht, Krankenversicherung und Gesundheitsfragen einhergehen. Die Frist lief am 31. Dezember 2017 ab.

Bis Jahresende haben sich 57 Frauen und zwei Männer angemeldet. „Die Anmeldung verlief eher schleppend“, erläutert Stadtsprecher Martin Schulmann. Denn die Stadt geht von einer tatsächlichen Anzahl von rund 300 Personen aus.

Bußgeld droht

Wer das neue Gesetz ignoriert, riskiert ein Bußgeld. Das gilt auch für die Betreiber von Bordellen und Saunaclubs, die ebenfalls bis Ende des Jahres eine Betriebserlaubnis zu beantragen hatten und nun bestimmte Auflagen in puncto Sicherheit, Hygiene und Gesundheitsschutz erfüllen müssen. Sechs Etablissements sind in Gelsenkirchen dieser Aufforderung nachgekommen. Die tatsächliche Zahl der Liebesdienste leistenden Unternehmen dürfte allerdings höher sein.

Die Bußgeld-Keule hat die Stadt noch nicht herausgeholt. „Die Stadt Gelsenkirchen hat für diesen Bereich zwei Vollzeitstellen im Bereich Gewerbeaufsicht und eine Viertel-Stelle im Bereich Gesundheit eingerichtet“, erklärt Schulmann. Allerdings: Das neue Personal befinde sich zur Zeit noch in der Einarbeitungsphase.

„Unüberlegtes Gesetz“

Das neue Gesetz zwingt Prostituierte dazu, einen Ausweis mit Foto mit sich zu führen, den sogenannten „Hurenpass“. Beratungsorganisationen wie Madonna e.V., die sich um Sexarbeiterinnen in ganz Nordrhein-Westfalen kümmern, haben das Gesetz von vornherein abgelehnt, fühlen sich nun in ihrer Kritik bestätigt und fordern die sofortige Abschaffung. „Dieses unüberlegte Gesetz sorgt für mehr Verunsicherung bei den Betroffenen, als dass es sie schützt“, sagt Astrid Gabb, Leiterin des Vereins Madonna in Bochum.

Ein Doppelleben

Nach den Erfahrungen der Beratungsstellen haben Sexarbeiterinnen häufig einen guten Grund, ihre Identität zu verheimlichen. Denn viele führen ein Doppelleben, oftmals wissen Angehörige nichts von ihrer Tätigkeit. Frauen aus Ländern, in denen Prostitution verboten ist, befürchten Probleme, wenn sie in ihre Heimat zurückkehren. Nach Angaben von Madonna gebe es erste Fälle, in denen Familien etwa in Rumänien durch deutsche Behördenschreiben von der geheim gehaltenen Sexarbeit erfahren haben sollen.

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