Hilfsorganisation Prathyasa

Gelsenkirchener schenkt armen Mädchen in Indien Hoffnung

Diesen Mädchen ist mit Hilfe der Patenschaften aus Deutschland der Weg aus der Armut gelungen. Vermittelt wurde die Unterstützung durch den Gladbecker Verein Prathyasa.

Diesen Mädchen ist mit Hilfe der Patenschaften aus Deutschland der Weg aus der Armut gelungen. Vermittelt wurde die Unterstützung durch den Gladbecker Verein Prathyasa.

Foto: Gerald BerneckeR

Beckhausen.  Hoffnung für bedürftige Mädchen in Indien geben will der Verein Prathyasa. Vorsitzender Gerald Bernecke aus Gelsenkirchen sammelt Spenden.

Von Beckhausen bis nach Trivandrum in Süd-Indien sind’s rund 8000 Kilometer; für Gerald Bernecker aber nur einen Herzschlag weit – so nah fühlt er sich dem Ort, wo „sein“ Verein „Prathysa – Hoffnung für die Bedürftigen“ ein Mädchenheim mitfinanziert. Dass die Welt ein Dorf ist, in der Verantwortung global buchstabiert werden sollte: Diese Erkenntnis treibt den pensionierten Lehrer seit mehr als 20 Jahren um. Und so rührt er mit einem Gladbecker Ehepaar unermüdlich die Werbetrommel, um Spenden zu sammeln.

Beckhausener übernahm Heim in Kerala

Laut Verfassung sind Frauen und Männer in Indien gleich. „Die Realität aber sieht anders aus, erst recht für junge Frauen aus armen Familien, die keine Schulgebühren aufbringen können“, berichtet Bernecker. Erlebt hat er dies, als er vor zwei Jahrzehnten das erste Mal nach Indien zu seinem damaligen Patenkind reiste, das ihm über eine Hilfsorganisation vermittelt worden war.

„Damals entstand mein Bezug nach Indien. Ich reiste wieder dorthin, um in den Ferien in dem Mädchenheim zu unterrichten, wo Auszubildende untergebracht waren. Und ich war tief beeindruckt. Als sich der Verein aus Trivandrum zurückzog und das Heim schließen wollte, ergab sich die Chance, das Gebäude zu übernehmen.“ Es sollte der Anfang von „Prathysa“ werden.

Bedürftigkeit wird überprüft

2003 mit Doris Beinecke-Thimm und Werner Thimm in Gladbeck gegründet, fördert die private Hilfsorganisation Berufsausbildungskurse für Mädchen, die die zehnte oder zwölfte Klasse abgeschlossen haben; diese Schulbildung ist noch gebührenfrei. „Es sind zumeist junge Frauen aus Dörfern rund um Trivandrum im Bundesstaat Kerala, auf die sonst eine frühe Heirat mit einem ungebildeten Mann oder Hilfsarbeiter warten würde. Mit unserer Hilfe können sie aber mehrjährige Kurse belegen und zur Sekretärin, Laborantin, Krankenschwester, Gesundheitshelferin, Lehrerin oder Schneiderin werden.“

Wie sehr diese Ausbildung das Leben der jungen Frauen ändert, beglückt den Beckhausener nach wie vor. Er besucht sie zunächst in ihren Hütten, um sich von der Bedürftigkeit zu überzeugen – so wie Mitarbeiter der südindischen Kirche (Church of South-India), dem Träger des Projekts. „Viele Mädchen teilen sich mit Eltern und Geschwistern einen Raum, essen auf dem Boden, sie sind extrem schüchtern. Aber schon nach einigen Monaten Ausbildung sind sie kaum wiederzuerkennen. Sie blühen auf, strahlen Zuversicht aus, werden selbstständiger“, gerät er ins Schwärmen.

Möglich sind auch akademische Abschlüsse

In dem Hostel ist Platz für bis zu 80 junge Frauen, jeweils vier bis sechs teilen sich ein Zimmer. Unter Anleitung kochen sie selbst, sorgen für ihre Wäsche und belegen in ihrer Freizeit Kreativkurse wie Malen, Musizieren, Sticken und Tanzen. „Das alles trägt zur Persönlichkeitsbildung bei.“

Wie im Fall von Akhila: Ihr Vater war Waldarbeiter, die Mutter hatte die Familie verlassen. „Ihr Leben in Armut schien vorgezeichnet. Im Heim entwickelte sie dann einen enormen Ehrgeiz, bildete sich weiter und arbeitet nun mit einem akademischen Abschluss als Krankenschwester.“ Ihre Kinder, davon ist Bernecker überzeugt, werden keine Opfer in der Armutsspirale mehr sein.

Patenschaften kosten im Monat 30 Euro

Die Patenschaft für ein Mädchen bei der Hilfsorganisation Prathyasa kostet 30 Euro im Monat. Darin enthalten sind berufsvorbereitende Kurse, die Unterbringung und das Essen. Der Verein unterrichtet die Paten regelmäßig über die Entwicklung der Schützlinge per Rundbrief und Film, den Bernecker selbst vor Ort dreht.

„Die Paten können den Mädchen aber auch gerne Briefe, Karten schreiben oder sogar besuchen. Darüber freuen diese sich sehr“, betont die zweite Vereinsvorsitzende Doris Beinecke-Thimm, früher eine Kollegin Berneckers, die dieser mit seiner Begeisterung für das Projekt ansteckte. Es bestehe ebenso die Möglichkeit, sich eine Patenschaft zu teilen, ergänzt ihr Mann Werner Thimm, Schatzmeister. „Auch eine nur vorübergehende Patenschaft ist willkommen. Niemand braucht sich zu rechtfertigen, wenn er die Förderung einstellt.“ Die Anmeldetermine für die Mädchen sind Mitte Juni.

www.prathyasa.de

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