Pfandflaschensammler

Gelsenkirchener Helmut: Flaschensammeln ist hartes Geschäft

Ein routinierter Blick in öffentliche Mülleimer: Frührentner Helmut sammelt in Buer Pfandflaschen, um sich ein Zubrot zu verdienen.

Ein routinierter Blick in öffentliche Mülleimer: Frührentner Helmut sammelt in Buer Pfandflaschen, um sich ein Zubrot zu verdienen.

Foto: Lutz von Staegmann / Funke Foto Services

Buer. .  Frührentner Helmut sammelt täglich bis zu zehn Stunden Pfandflaschen in Buer. Das Geschäft ist hart umkämpft

Er bekleidet kein öffentliches Amt, steht nicht an der Spitze eines Unternehmens, betreibt keinen Youtube-Kanal – trotzdem kennt ihn fast jeder in Buer, wenn auch nicht unter seinem Namen: Flaschensammler Helmut ist aus dem Stadtbild kaum wegzudenken. Wenn er gegen 7 Uhr los radelt, mit baumelnden Einkaufstaschen fürs Leergut am Lenker, gibt’s kaum eine Straßenecke, an der er nicht grüßend die Hand hebt. Was Wunder, kommt er auf der Jagd nach Pfandflaschen doch ordentlich rum. Und unter Leute: „Das brauch ich. Zu Hause sitzen: Das ist nichts für mich!“

Fast zehn Stunden ist Helmut auf Tour, nahezu täglich. „Ich mach das seit acht Jahren, seitdem ich nach einem Unfall unter Tage Frührentner bin“, sagt der 61-Jährige. Schwere körperliche Arbeit ist für den Bueraner tabu. Ohne Schmerztabletten kommt er nicht durch den Tag, aber Flaschen zu sammeln, um sich ein Zubrot zu verdienen: Das geht. Dass er dazu spezielle Arbeitskleidung trägt, ist für den einstigen Bergmann selbstverständlich. „Die weiße Hose ist mein Markenzeichen und natürlich trage ich Handschuhe; wer weiß, was sich da alles im Müll befindet, ich will mich doch nicht verletzen oder krank werden!“

Schulleiter um Erlaubnis gefragt

So fährt er einen öffentlichen Abfalleimer nach dem anderen an: in der Fußgängerzone an der Hochstraße, Domplatte, Bürgercenter, Busbahnhof, Schauburg. Besonders lohnenswert sind die Schulhöfe von Leibniz-, Max-Planck- und Annette-von-Droste-Hülshoff-Gymnasium sowie Berufskolleg. „Dort gucke ich nach 16 Uhr, was an Pfandflaschen herumliegt oder in Mülleimern gelandet ist. Natürlich habe ich die Schulleiter bzw. Hausmeister um Erlaubnis gefragt.“

Groß ist die Ausbeute bei Veranstaltungen wie Buer live, Rock am Dom oder dem Cityfest. „Da werfen viele ihr Leergut einfach auf die Straße. Andere warten jedoch extra auf mich, weil sie mich schon kennen.“ Nicht zuletzt die Heimspiele des FC Schalke sorgen dafür, dass Helmuts Taschen fix mit Flaschen gefüllt sind, glühen die Fans der Gastmannschaft doch häufig in der buerschen City vor und löschen den Durst zusätzlich mit Softdrinks oder Wasser aus dem Supermarkt.

Bierflaschen sind schwer und bringen nicht viel Pfand

25 Cent Pfand gibt’s auf Aluminium-Dosen und Plastikflaschen, acht Cent auf Bierflaschen aus Glas. Letztere deponiert Helmut allerdings nur ungern in seinen Einkaufstaschen. „Die sind zu schwer und bringen nicht so viel.“ Wieviel der Bueraner so am Tag verdient, mag er nicht erzählen. „Keine Zahlen!“, sagt er nur und schweigt. Das Leergut im Discounter einzutauschen, sei kein Problem. „Die kennen mich schon.“

Und die Konkurrenz? „Die ist schon groß. Wer seine gesammelten Flaschen irgendwo deponiert und weitersucht, muss damit rechnen, dass seine Ausbeute gestohlen wird. Ich habe manchmal Glück, weil man mich in Buer kennt. Dann passen Besucher einer Musikveranstaltung schon mal auf meine Taschen auf. Ansonsten gehe ich Konflikten aus dem Weg.“ An der Arena ist er nicht mehr unterwegs. „Das ist bei Heimspielen oder Konzerten total stressig. Da muss man rennen, um vor den anderen die Flaschen aufzuheben.“

Streit um „Reviere“ hat er immer wieder mal erlebt. „Dabei gibt’s die in unserer Stadt nicht. Jeder darf sammeln. Wir leben schließlich in einem freien Land!“

Wie lange er dem Job noch nachgehen will? „So ein paar Jahre noch. Dann geh ich aber wirklich in Rente. Und guck mal, womit ich mir dann die Zeit vertreibe. Nur zu Hause sitzen und Fernsehen gucken: Das ist mir zu langweilig.“

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