Jakobuskirche

Gelsenkirchener Bestatter Nehrkorn feiert 100. Geburtstag

Feierten den 100. Geburtstag des Gelsenkirchener Bestattungshauses Nehrkorn (v.l.): Marie-Claire Wulle (Auszubildende), Martin Sielaff (Bestattungsfachkraft), Simon Urbanski (Geschäftsführer), Julia Brodatsch (Auszubildende), Miriam Menge (Prokuristin) und Stefan Menge (Geschäftsführer).

Feierten den 100. Geburtstag des Gelsenkirchener Bestattungshauses Nehrkorn (v.l.): Marie-Claire Wulle (Auszubildende), Martin Sielaff (Bestattungsfachkraft), Simon Urbanski (Geschäftsführer), Julia Brodatsch (Auszubildende), Miriam Menge (Prokuristin) und Stefan Menge (Geschäftsführer).

Foto: Michael Korte / FUNKE Foto Services

Gelsenkirchen-Horst.  Das Bestattungshaus Nehrkorn aus Horst feierte den 100. Geburtstag mit einem Tag der offenen Tür. Firmensitz ist die frühere Jakobuskirche.

Was die Gläubigen der damals noch selbstständigen Evangelischen Kirchengemeinde Horst schon immer wussten, ist seit 2010 auch anderen Bürgern klar: Die Jakobuskirche ist etwas Besonderes. Ende 2006 aufgegeben, übernahm das Bestattungshaus Nehrkorn aus Horst sie 2010 in Erbpacht und nutzt den Sitz nun etwa für Aufbahrungen und Trauerfeiern – einzigartig in Gelsenkirchen. Wie sehr die Menschen vor Ort von der Rettung dieser Landmarke im Stadtteil und auch die Firma selbst davon profitieren, davon konnten sich Interessierte am Samstag ein Bild machen: Nehrkorn feierte seinen 100. Geburtstag mit einem Tag der offenen Tür.

Weiße und türkisfarbene Luftballons hießen die Besucher an der Laurentiusstraße flatternd willkommen: Beim Jubiläum wollten die Verantwortlichen und Mitarbeiter des Familienunternehmens nicht unter sich sein. „Uns ist bewusst, dass die frühere Jakobuskirche den Menschen noch viel bedeutet“, betont Geschäftsführer Stefan Menge. Und tatsächlich waren die Bänke des einstigen Kirchenschiffs auch gut gefüllt, als Bezirksbürgermeister Joachim Gill zum Geburtstag gratulierte und der Knappenchor Consolidation die Gäste mit seinen bergmännischen Liedern mitnahm auf eine musikalische Zeitreise in die Vergangenheit des Ruhrgebiets.

Ausstellung zeigt vergangene Zechen- und Bergmannskultur

Die Bebilderung der Melodien war am Tag zuvor pünktlich fertig geworden: großformatige Schwarz-Weiß-Fotos mit historischen Motiven vorrangig aus Horst schmücken nun die Wände in Trauerhalle und Besprechungsräumen. „Das Institut für Stadtgeschichte (ISG) hat sie uns zur Verfügung gestellt und auch bei der Recherche nach den Motiven geholfen“, freute sich Geschäftsführer Stefan Menge über die lokalgeschichtlichen Eindrücke, die die Bindung an den Stadtteil noch einmal unterstreichen sollen.

Zu sehen sind etwa eine Sammelbeerdigung von Bergleuten nach einer Schlagwetter-Explosion 1955 auf Nordstern, eine Modenschau vor Industriegebäude-Kulisse, Spielszenen des SV Horst-Emscher oder Horster Kinder, die mit einer Mischung aus lausbubenhafter Neugier und Respekt in die Kamera schauen. Ergänzt werden die dauerhaft dort präsentierten Bilder von einer ISG-Ausstellung zur Zechen- und Bergmannskultur in Gelsenkirchen. Diese anschaulich bebilderten Aufsteller mit kurzen Texten sind noch bis 10. Oktober öffentlich zugänglich.

2010 wurde Firmensitz von der Stricker- zur Laurentiusstraße verlagert

Das Bestattungshaus ist im Stadtteil tief verankert: 1919 von Eugen Nehrkorn gegründet, ging es wie viele andere Firmen in der Branche aus einem „Sargmagazin“ hervor. „Der gelernte Schreiner baute damals Särge und legte sich mehrere davon auf Lager. Im Laufe der Zeit übernahm er zusätzlich viele Formalitäten in Zusammenhang mit Beerdigungen und spezialisierte sich schließlich auf die Organisation von Bestattungen“, berichtet Menge, dessen Duisburger Unternehmen 1998 gemeinsam mit dem Bestattungshaus Bergermann aus Buer die Firma Nehrkorn übernahm und seither als Familienunternehmen fortführt, seit 2017 sogar als Meisterbetrieb.

„Erst Ende 2018 verabschiedeten wir den langjährigen Nehrkorn-Mitarbeiter Wolfgang Lissek, der vor kurzem seinen 80. Geburtstag feierte. Der gelernte Bergarbeiter und Steiger fand 1988 als Bestatter eine neue Berufung. Als wir jetzt die historischen Bilder von den Kumpel-Sammelbestattungen aufhängten, erzählte er, dass er selbst als junger Mann bei solchen Beerdigungen dabei war“, so Menge.

Die Verlagerung des Firmensitzes 2010 von der Stricker- zur Laurentiusstraße in die frühere Jakobuskirche sei nicht nur für Lissek ein denkwürdiger Tag gewesen, weil dort seine Kinder getauft worden waren und er seine Silberhochzeit dort gefeiert hatte. „Auch für viele andere Gläubige war es wichtig, dass das Gotteshaus nicht abgerissen wurde oder leer stand. Sie wissen, dass die Räumlichkeiten weiter für Menschen in schwierigen Momenten eine Heimat sind.“

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