Wirtschaft

Gelsenkirchen: Unternehmen fürchten den Fachkräftemangel

Die Unternehmen in der Region und in Gelsenkirchen fürchten den Fachkräftemangel - laut Emscher-Lippe-Index sei der das Konjunkturrisiko Nummer 1.

Die Unternehmen in der Region und in Gelsenkirchen fürchten den Fachkräftemangel - laut Emscher-Lippe-Index sei der das Konjunkturrisiko Nummer 1.

Foto: Martin Möller / FFS

Gelsenkirchen.  Der aktuelle Emscher-Lippe-Index zeigt: Die Wirtschaft in der Region startet verhalten ins neue Jahr. Unternehmen fürchten auch Fachkräftemangel.

„Der Einzelhandel läuft sehr gut, der Konsum funktioniert, der Arbeitsmarkt auch“, fasst Jochen Grütters, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Nord Westfalen zusammen. Gute Aussichten also in der Emscher-Lippe-Region? Eher nicht – wie die aktuelle Umfrage unter 150 heimischen Unternehmen für den Emscher-Lippe-Index (Elix) zeigt. Die Kernaussage: Die Wirtschaft in der Emscher-Lippe-Region startet verhalten ins neue Jahr.

Gelsenkirchen: Wirtschaftliche Lage in der Emscher-Lippe-Region hat sich stabilisiert

Die Lage hat sich zwar stabilisiert, aber von einer deutlichen Aufhellung der Stimmung in den Chefetagen kann noch keine Rede sein“, erklärt Claus Cordt, Geschäftsführer der S-Private Banking Gelsenkirchen GmbH. Die S-Private Banking gibt – in Kooperation mit der IHK Nord – regelmäßig zwei Mal im Jahr den Elix heraus. Jeweils immer im Frühjahr und Herbst ist der Elix ein wichtiges Konjunktur- und Stimmungsbarometer für die Region.

Und wie ist die Stimmung? Die große Mehrheit der Unternehmen von 60 Prozent rechnet laut der Umfrage mit gleichbleibenden Geschäften in den nächsten Monaten, 25 Prozent mit schlechteren. „Die Unternehmen sehen die Lage zurzeit zwar stabil, aber auf niedrigem Niveau“, führt Jochen Grütters an. Im Herbst 2019 war der Anteil der eher pessimistisch Gestimmten zwar mit 31 Prozent noch höher, Anfang 2019 lag er aber bei gerade 16 Prozent. Grütters schätzt daher ein, dass das wirtschaftliche Fundament stabil bleibe. Ein Grund, den er anführt: Allein das Beschäftigungsniveau sei vergleichsweise hoch und die Finanzierungsbedingungen für Unternehmen stellten sich nach wie vor gut dar.

Jedes sechste Unternehmen beurteilt die aktuelle Geschäftslage als schlecht

Der Emscher-Lippe-Index zeigt ebenfalls, dass sich globale Faktoren auch auf die Wirtschaft in der Emscher-Lippe-Region auswirken. Der regionale Konjunktur-Indikator von IHK und S-Private Banking GmbH liegt mit einem Wert von 100,6 nur knapp über dem aus dem Herbst: Mit 99,1 Punkten erreichte er damals ein Fünf-Jahres-Tief.

Jedes sechste Unternehmen beurteilt die aktuelle Geschäftslage demnach als schlecht, vor einem Jahr war es nur jedes siebzehnte. Gut ein Drittel der Unternehmen sieht die Lage aber auch als gut an. „Das ist eine Seitwärtsbewegung, wir erwarten eine Stabilisierung, leider aber keine Dynamik“, deutet Michael Hottinger, stellvertretender Geschäftsführer der S-Private Banking Gelsenkirchen, die Stimmung, die man bei der Kundenbetreuung einfange.

Mehrheit der Betriebe rechnet mit einer gleichbleibenden Beschäftigung

Stichwort: Beschäftigungsniveau – die Antworten der Umfrage liefern den Experten kein einheitliches Bild. Die Mehrheit der Betriebe rechne mit einer gleichbleibenden Beschäftigung. „Wir rechnen mit einem Plus von etwa 2100 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, die Schallgrenze von 290.000 könnte erreicht werden.“ Dies würde einen Zuwachs von 18 Prozent im Zehn-Jahres-Vergleich bedeuten, trotz der fehlenden Stellen, die im Bergbau weggefallen sind. Dagegen allerdings gingen die geburtenstarken Jahrgänge nun immer stärker in den Ruhestand, und den Fachkräftemangel könne man sich nun nicht mehr schönreden.

Den Fachkräftemangel ernennen die Wirtschafts-Fachmänner zum Konjunkturrisiko Nummer 1: „Das Problem wird immer größer, bis 2030 müssen wir damit rechnen, dass etwa 25.000 Fachkräfte fehlen“, meint IHK-Volkswirt Christian Streege. Die Sorge, geeignete Mitarbeiter zu finden, nimmt seit Jahren zu, und das kontinuierlich. Der Trend sei bei den Akademikern deutlich besser, bei den beruflich Qualifizierten im produzierenden Gewerbe und dem Dienstleistungssektor hingegen schlechter.

Unternehmer glauben: „Der Brexit bringt noch Überraschungen“

Als weiteres Konjunkturrisiko werden neben Bürokratielasten und einer Verunsicherung durch die Energiewende und die Klimapolitik die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen gesehen: „Der Brexit bringt noch Überraschungen“, glauben demnach die Unternehmer. Als Export-Partnerland sei Großbritannien für die Region inzwischen ohnehin von Platz drei auf Platz sechs gerutscht.

Auch die Verhandlungen zwischen den USA und China wirkten sich umgehend auf die wirtschaftliche Stimmungslage aus. „Die Unternehmer halten im Moment die Füße still, investieren eher nicht und stellen auch nicht unbedingt neu ein“, fasst Grütters zusammen, „von der guten Verbraucherstimmung scheint sich die Wirtschaft nicht mitreißen zu lassen.“

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