Standort-Verlagerung

Gelsenkirchen: Post bleibt bis Frühjahr 2020 an Königswiese

Das denkmalgeschützte Backstein-Gebäude von 1927 an der Königswiese bleibt mindestens bis Frühjahr 2020 der gemeinsame Standort von Deutscher Post und Postbank in Gelsenkirchen-Buer.

Das denkmalgeschützte Backstein-Gebäude von 1927 an der Königswiese bleibt mindestens bis Frühjahr 2020 der gemeinsame Standort von Deutscher Post und Postbank in Gelsenkirchen-Buer.

Foto: Olaf Ziegler / Funke Foto Services GmbH

Buer. .  Standortverlagerung von Postbank und Post in Gelsenkirchen-Buer verzögert sich. Gebäude-Eigentümer zeigt sich auch offen für studentisches Wohnen.

Die Deutsche Post und die Postbank bleiben nun doch noch bis Frühjahr 2020 am jetzigen Standort Königswiese. Dies teilten Sprecher der beiden Unternehmen auf Anfrage mit. Eigentlich war vorgesehen, das Gebäude jetzt im Oktober freizuziehen, um den Betrieb mehr in die City von Buer zu verlagern. Diese Pläne seien auch nach wie vor noch aktuell, die Umsetzung verzögere sich aber, heißt es. Vom Tisch ist freilich der weitere Verbleib des Zustellstützpunktes an der Mühlenstraße. Die Post sucht einen Ersatz für das jetzige Domizil, weil der neue Eigentümer es für Wohnzwecke umbauen will.

Ende Juli war die Post noch davon ausgegangen, den Stützpunkt mit seinen rund 100 Mitarbeitern auch künftig dort fortführen zu können. Damals verhandelte sie noch mit der BMP Grundbesitzgesellschaft mbH mit Sitz im rheinland-pfälzischen Wirges, dem neuen Eigentümer des Gebäudes. Im September schaltete die Post dann aber großformatige Anzeigen auf der Suche nach einer etwa 1100 Quadratmeter großen Produktionshalle oder eines rund 4700 Quadratmeter großen Grundstücks zur Neubebauung – bislang erfolglos, so Deutsche-Post-Sprecherin Britta Töllner.

Post-Zustellstützpunktsoll doch verlagert werden

Der neue Eigentümer benötige die Räumlichkeiten selbst, begründete sie die neue Entwicklung, der das Unternehmen allerdings auch Vorteile abgewinnt: „Bislang ist der Zustellstützpunkt im Erd-, ersten und zweiten Obergeschoss untergebracht. Es ist trotz des Aufzugs recht aufwendig und mühsam, die Brief-Sendungen in die oberen Etagen zu transportieren, um sie den einzelnen Zustellbezirken zuzuordnen. Das neue, dann ebenerdige und größere Domizil wird die Abläufe auf jeden Fall erleichtern.“ Zudem werde dadurch dem Zuwachs an Paketsendungen von jährlich sieben bis zehn Prozent Rechnung getragen.

Wie berichtet, plant die BMP Grundbesitzgesellschaft mbH, neuer Eigentümer des Gebäudes seit Mai 2018, dieses nach einer grundlegenden Sanierung im Innern „für Seniorenwohnen mit arrondierendem medizinischem Bereich“ umzubauen, so Geschäftsführer Frank Muders auf Anfrage. Er stellt klar, dass es Postbank und Post gewesen seien, die die Mietverträge zum 30. Juni 2018 gekündigt hätten und die dann mangels zeitnaher Alternative in beiderseitigem Einvernehmen verlängert worden seien.

Eigentümer ist offen fürStudenten-Wohnungen

Künftig vorgesehen sei speziell „der teilstationäre Bereich einer Tages- und gegebenenfalls Nachtpflege mit Arztpraxis“. Das denkmalgeschützte Haus von 1927 soll durch neu zu errichtende Aufzüge barrierefrei gestaltet werden. Hintergrund sei eine Unterversorgung mit stationären Pflegeangeboten in NRW – „und somit auch in Gelsenkirchen“, so Muders. Die Standortvorteile des jetzigen Post-Gebäudes für eine qualifizierte Betreuung in ambulanten und teilstationären Bereichen liegen für ihn auf der Hand: direkte Nachbarschaft zum Krankenhaus und Ärztezentrum, fußläufige Verbindung zur Innenstadt, beste Anschlüsse an den ÖPNV. „Die Projektentwicklung richtet sich an Senioren mit Betreuungsbedarf. Hier sollten grundsätzlich alle individuellen Pflegegrade Berücksichtigung finden.“

Dass eine Nutzung der Immobilie für Seniorenwohnen nahe der Gastronomie auf der Domplatte Konfliktpotenzial bergen könnte – so die Kritikpunkte von FDP, CDU und Bürgern – sei dem neuen Eigentümer „bekannt, wird unsererseits – unter anderem durch die ausreichende räumliche Distanz – jedoch nicht als kritisch angesehen“, erklärte Muders. Geplant sei vielmehr, „die Vorstellungen der künftigen Bewohner an die Frequenz des urbanen Lebens und die Schaffung individueller Rückzugsräume in Einklang zu bringen.“

Der Idee von CDU und FDP, das Gebäude als studentischen Wohnraum zu nutzen, „stehen wir aufgeschlossen gegenüber, sofern eine Anmietung über die Hochschule oder sonstige öffentliche Körperschaften gegeben wäre“, erklärt Muders. „Auch für diesen Fall wäre die von uns angefragte Änderung zu einer wohnwirtschaftlichen Nutzung die baurechtliche Voraussetzung.“

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