125-Jahres-Feier

Gelsenkirchen: Handwerksmeisterverein Horst feiert Jubiläum

Die Essener Straße um 1924 in Gelsenkirchen-Horst: Links im Bild zu sehen ist das Elektrogeschäft Heinrich Scholten und Sohn, Mitglied im Handwerksmeisterverein Horst-Emscher. Mittlerweile existiert das Geschäft nicht mehr.

Die Essener Straße um 1924 in Gelsenkirchen-Horst: Links im Bild zu sehen ist das Elektrogeschäft Heinrich Scholten und Sohn, Mitglied im Handwerksmeisterverein Horst-Emscher. Mittlerweile existiert das Geschäft nicht mehr.

Foto: Repro: Jörg Schimmel / FUNKE Foto Services

Gelsenkirchen-Horst.  Der Handwerksmeisterverein Horst-Emscher feiert seinen 125. Geburtstag. Mitglieder bringen sich in Diskussionen im Stadtteil ein.

In 125 Jahren hat sich der Arbeitsmarkt gravierend gewandelt, sollte man meinen. Doch Digitalisierung hin oder her – für die Branche der Handwerker hat sich ein Grundproblem eben nicht geändert, muss Hans-Georg Kouker, Vorsitzender des Handwerksmeistervereins Horst-Emscher, feststellen: die Suche nach den richtigen Auszubildenden gestaltete sich damals wie heute schwierig. Und so zählt diese nach wie vor mit zu den Hauptaufgaben des Vereins. Selbst bei der Jubiläumsfeier am Samstag, 28. September, wollen die Firmeninhaber unter den Mitgliedern die Augen offen halten.

Schon 1894, als 25 Horster Handwerksmeister den Verein unter dem Vorsitz von Johann Giesbert gründeten, ging es (auch) um die Lehrlingsausbildung. „Die Mitglieder tauschten Erfahrungen im Umgang mit den jungen Leuten aus, die ja damals noch bei ihren Lehrmeistern im Haus wohnten, versorgt wurden und für ein kleines Entgelt das Handwerk lernten“, berichtet Kouker (61), bis vor einigen Monaten Inhaber der gleichnamigen Tischlerei und heute als Innenarchitekt tätig; Vorsitzender ist er seit 2005.

„Zusammenschluss ist zumindest in NRW ziemlich einmalig“

Das Netzwerken sowie die Förderung des Handwerks und seiner Traditionen: Diese Ziele von 1894, sie gelten noch immer für die heute 65 Mitglieder, von denen 31 noch beruflich in 13 verschiedenen Branchen aktiv sind. Die Palette reicht zum Beispiel vom Augenoptiker, Friseur und Konditor über Dachdecker, Maurer, Elektro und Maler/Lackierer bis hin zum Orthopädischen Schuhtechniker und Kraftfahrzeughandwerker.

„16 von diesen 31 Mitgliedern führen einen eigenen Betrieb“, ist sich Kouker sicher, „dass ein solcher Zusammenschluss unter Handwerkern zumindest in NRW ziemlich einmalig ist. Denn wir begreifen uns nicht als Konkurrenz, sondern kooperieren freundschaftlich miteinander, helfen einander auch etwa aus, wenn ein Mitglied für einen Auftrag keine Kapazitäten mehr hat.“

Stadtteil soll von Verein profitieren

Dass der Stadtteil davon profitiert, sei den Akteuren damals wie heute sehr wichtig. 1898 etwa wurde auf Initiative des Vereins der „Spar- und Kreditverein für Handwerker und Gewerbetreibende der Gemeinde Horst-Emscher“ gegründet. Daraus entstand später die Horster Bank und anschließend die jetzige Zweigstelle der Volksbank. In den Jahren 1934-45 wurde der Verein freilich zwangsaufgelöst, 1950 aber wiederbelebt. Unter Vorsitz von Xaver Berghorn, Alfons Lampferhoff und aktuell Kouker stieg die Zahl der Mitgliedsbetriebe stetig an – und der Verein gewann, auch in öffentlichen Diskussionen, an Gewicht.

„Wir sind zwar überkonfessionell und überparteilich, sehen es aber auch als unsere Aufgabe an, uns in Belangen des Stadtteils zu Wort zu melden“, betont Kouker. So forderte der Verein die Erhaltung der Polizeiwache in Horst und des Waagehauses als letztes Relikt aus Galopprennbahn-Zeiten ebenso wie eine verbesserte Ampelschaltung am Verkehrsknotenpunkt Turfstraße/Johannastraße. „Wenn wir Handwerker dort ewig im Stau stehen, wird ja richtig Geld verbrannt.“

Großer Umzug zur 700-Jahr-Feier der Freiheit Horst

Unvergessen ist den Mitgliedern auch die Ausstellung „Horster Handwerker einst und jetzt“ 2004 in Kooperation mit dem Förderverein Schloss Horst und 1982 die Beteiligung am großen Umzug anlässlich der 700-Jahr-Feier der Freiheit Horst. „Bei unserem monatlichen Stammtisch kommt das Gesellige nie zu kurz, trotz interessanter Fachvorträge etwa über Einbruchschutz, Vererben oder Energieeinsparung“, so Kouker.

Nicht zuletzt betreiben die Mitglieder auch ein gutes Stück Imagewerbung für das Handwerk. „Der Spruch ,Handwerk hat goldenen Boden’ gilt nach wie vor. Deshalb freuen wir uns auch über die Initiative der Großen Koalition in Berlin, die Meisterpflicht ab 2020 für zwölf Gewerke wieder einzuführen. Das erhöht die Qualität der Arbeit in den Betrieben enorm, denn nur wenn jemand viel Erfahrungen hat, kann er sie auch angemessen weitergeben.“

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben