Stadtprofile

Gelsenkirchen: Die Stadt der 70 Zechen-Schächte

Sie stellten auf der Museumsetage des Nordsternturms das „Stadtprofil“ mit dem Thema Zechen vor: Daniel Schmidt, Martin Gernhard, Reinhold Adam und Frank Baranowski (v.li.).

Foto: Heinrich Jung

Sie stellten auf der Museumsetage des Nordsternturms das „Stadtprofil“ mit dem Thema Zechen vor: Daniel Schmidt, Martin Gernhard, Reinhold Adam und Frank Baranowski (v.li.).

Gelsenkirchen-Buer.   Die Reihe der „Stadtprofile“ stellt im Jahr des Bergbau-Abschieds die 14 Bergwerke vor. Ihre prägende Wirkung ist auch heute noch zu spüren.

Vom Backstein-Expressionismus bis zu den Werkssiedlungen, von der Kunst im öffentlichen Raum bis zu den Parklandschaften: Die „Stadtprofile“ stellen Gelsenkirchen aus unterschiedlichen Perspektiven vor. Jetzt ist die sechste Ausgabe herausgekommen.

Wenige Monate, bevor sich der fördernde Bergbau aus dem Ruhrgebiet verabschiedet, gibt die neue Broschüre in kurzen Kapiteln einen Überblick über die längst geschlossenen 14 Großzechen und ihre 70 Schächte. Aus wenn an dem einen oder anderen Standort nichts mehr an deren Existenz erinnert, an vielen Stellen zwischen Hassel und Rotthausen prägen sie nach wie vor Stadt und Stadtteile.

Kleinteilige Entwicklung durch Bergbau bestimmt

Auf diese prägende Wirkung wies Oberbürgermeister Frank Baranowski bei der Vorstellung des neuen „Stadtprofils“ hin. Auf der Museumsetage des Nordsternturms konnte der Blick in alle Richtungen auf das Ruhrgebiet schweifen. „Von hier oben kann man sehen, wie kleinteilig sich das Ruhrgebiet zeigt“, demonstrierte der OB.

Die Zeche Nordstern, auf der vor 150 Jahren die Kohleförderung begann, stehe aber auch für Gegenwart und Zukunft. Auf Nordstern ebenso wie auf Consol oder Oberschuir habe man gezeigt, wie man verantwortungsvoll mit Zechen-standorten umgehen kann. Baranowski: „Hier auf dem Nordstern-Gelände haben 1500 Menschen wieder eine Arbeit gefunden.“

Geschichte der Bergbau-Standorte ist ähnlich

Ein Förderturm, zwei Kirchtürme: So fasst Daniel Schmidt vom Institut für Stadtgeschichte den Beginn des Bergbaus zusammen, der das Leben in kleinen Industriedörfern bestimmte, die heute Stadtteile der Großstadt Gelsenkirchen sind. Ob Hibernia in der Altstadt, Dahlbusch in Rotthausen, Wilhelmine Victoria in Heßler oder Consolidation in Schalke: „Von der Einwanderung der Arbeitskräfte über die wirtschaftliche Bedeutung in den Kriegsjahren bis hin zum Strukturwandel: Überall ist die Geschichte der Bergbau-Standorte ähnlich, überall hat es die gleichen Entwicklungen gegeben“, stellt der Auto der Begleittexte fest.

Auch wenn sich der Bergbau längst aus Gelsenkirchen verabschiedet hat, sorgt er nach wie vor für Gesprächsstoff, bei Reinhold Adam und seinen Freunden vom Nordstern-Geschichtskreis oder bei Martin Gernhardt, dem Sprecher des Zusammenschlusses der bergbaugeschichtlichen Vereine. Gernhardt: „Das überregionale Interesse an Bergbaugeschichte ist nach wie vor da. Ob Schulkinder, die davon erzählen, dass der Opa auf dem Pütt gearbeitet hat, oder Touristen aus Bayern oder Japan: Sie schauen sich die Fördertürme an und wollen wissen, wie im Bergbau gearbeitet wurde.“

Band Nr. 6 geht mit 15 000 Exemplaren an den Start

Die „Stadtprofile“ erfreuen sich großer Beliebtheit. Die Broschüren mit unterschiedlichen Themenschwerpunkten haben in der Zwischenzeit eine Auflage von über 200 000 Exemplaren erreicht.

Band Nr. 6, der die Zechen in den Blickpunkt nimmt, geht mit 15 000 Exemplaren an den Start. Die Broschüren gibt es im Hans-Sachs-Haus, bei der Stadt- und Touristinfo, in den Bürgercentern und in den Stadtbibliotheken.

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