Zeitgeschichte

Gedenkstein erinnert an jüdische Zwangsarbeiterinnen

Wolfgang Sölter (Förderverein) und Schulleiter Stein gratulieren Maximilian Böse, Marius Feige, Dominik Deuchert und Jan Trampel (v.li.) zum Siegerentwurf.

Wolfgang Sölter (Förderverein) und Schulleiter Stein gratulieren Maximilian Böse, Marius Feige, Dominik Deuchert und Jan Trampel (v.li.) zum Siegerentwurf.

Foto: Olaf Ziegler

Gelsenkirchen-Buer/Horst.   Angehende Steinmetze erinnern mit ihrer Arbeit an das Schicksal von 140 jüdischen Zwangsarbeiterinnen. Jury kürt jetzt den Siegerentwurf.

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An das Schicksal von 140 jüdischen Zwangsarbeiterinnen, die im Zweiten Weltkrieg auf der Gelsenberg-Raffinerie in Horst gefangen gehalten waren und dort getötet wurden, soll demnächst ein Gedenkstein auf dem Friedhof in Horst-Süd erinnern. Dazu haben angehende Steinmetze und Steinbildhauer, die als Schülerinnen und Schüler das Hans-Schwier-Berufskolleg besuchen, verschiedene Entwürfe vorgelegt und sich damit einer Jury gestellt.

„Für Schüler des Steinmetzhandwerks ist es eigentlich ,tägliches Brot’, im Bemühen um die individuelle Gestaltung eines Grabsteines auch die Wünsche der Hinterbliebenen ebenso wie die Vorlieben des Verstorbenen einfließen zu lassen“, erläutert Christian Daub, der den Bildungsgang am Berufskolleg in der Heege leitet.

Eine Ruhestätte für die Ewigkeit

Komplexer wird die Aufgabe allerdings, wenn ein Grabmal für gleich 140 jüdische Frauen entworfen werden soll. Um sich über die Besonderheiten der jüdischen Begräbnisrituale zu informieren, nahm die Klasse Kontakt zu Judith Neuwald-Tasbach auf, der Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde in Gelsenkirchen. Eine jüdische Grabstätte, so erfuhren sie, kennt keinen Ablauf einer Ruhefrist, sie ist eine Ruhestätte für die Ewigkeit, eine Auflösung oder Umbettung ist dehalb nicht akzeptabel. Statt Blumen werden Steine als Zeichen des Gedenkens auf den Grabstellen abgelegt. Ein Besuch auf dem Friedhof in Horst-Süd und der Synagoge rundeten die Vorbereitungen der Schüler ab.

Der Entwurf wird im Sommer in die Praxis umgesetzt. Dazu reisen die Schülerinnen und Schüler nach Haxixbeck, wo sie Anfang Juni eine Woche lang vor den Augen der Besucher des dortigen Sandsteinsmuseums ihrer Idee eine Gestalt geben. Das Projekt, das im vergangenen Herbst angestoßen wurde, wird ein gutes Jahr später sein Ende finden. Die feierliche Enthüllung des Gedenksteins ist für Sonntag, 16. September, vorgesehen. Die Skulptur wird die Gedenkstätte für die jüdischen Opfer der Nazigewaltherrschaft auf dem Friedhof Horst-Süd, Am Schleusengraben, ergänzen. Dazu sind neben Schülern und Lehrern auch Vertreter der jüdischen Gemeinde, der Stadt, aber auch interessierte Anwohner sowie Mitarbeiter des Instituts für Stadtgeschichte, der Steinmetzinnung und des Sandsteinmuseums eingeladen.

Zeitzeuge Leslie Schwarz gab den Anstoß

Den Anstoß zu dieser Arbeit hatte Leslie Schwarz gegeben, der als Zeitzeuge und Überlebender der Nazigewaltherrschaft regelmäßig Gast des Berufskollegs ist. Am Randes eines seiner Besuche entstand im Gespräch zwischen Schulleiter Egbert Stein und Judith Neuwald-Tasbach die Idee, das bestehende Grabmal um einen Gedenkstein zu ergänzen.

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