Schandtat

Gedenkplatte für Ausschwitz-Opfer in Buer gewaltsam entfernt

Die im Jahr 2011 erstellte Gedenktafel erinnert an den jüdischen Rechtsanwalt Emil Kochmann, der an der Nienhofstraße 34 in Gelsenkirchen-Buer lebte.

Foto: WAZ FotoPool

Die im Jahr 2011 erstellte Gedenktafel erinnert an den jüdischen Rechtsanwalt Emil Kochmann, der an der Nienhofstraße 34 in Gelsenkirchen-Buer lebte. Foto: WAZ FotoPool

Gelsenkirchen-Buer.   Unbekannte haben die Gedenkplatte für den in Ausschwitz ermorderten Juden Emil Kochmann gewaltsam entfernt. Gelsenkirchens Oberbürgermeister Frank Baranowski reagiert mit Empörung.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

In Höhe der Nienhofstraße 34 in Gelsenkirchen-Buer entfernten bislang Unbekannte zwischen Donnerstag, 5. Mai, und Sonntag, 13. Mai, gewaltsam die Gedenkplatte zu Ehren Emil Kochmanns.

Oberbürgermeister ist empört

Gelsenkirchens Oberbürgermeister Frank Baranowski reagierte mit Abscheu und Empörung auf diese Tat, die offensichtlich das Gedenken an ein Opfer der Naziherrschaft verhindern soll. „Wir werden so schnell wie möglich für einen Ersatz sorgen. Ich hoffe, dass die unmittelbar eingeleiteten Ermittlungen der Polizei zu einem Erfolg führen und der oder die Täter zur Rechenschaft gezogen werden."

Emil Kochmann war ein jüdischer Notar und Rechtsanwalt, der mit seiner fünfköpfigen Familie in Buer lebte. Seine Kanzlei florierte, seine Familie gehörte zu den angesehenen bürgerlichen Kreisen in Buer. Er wurde 1942 durch das Naziregime verhaftet, nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.

Kein Platz für Antisemitismus

In einem Brief an die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Gelsenkirchen, Judith Neuwald-Tasbach, erklärte Frank Baranowski: „Ich verurteile diese Tat auf das Schärfste und ich versichere Ihnen, dass in unserer Stadt für Antisemitismus und Rassismus keinen Platz sein darf. Sich dafür einzusetzen, auch in einem leider schwieriger werdenden öffentlichen Klima, bleibt unser aller Aufgabe.“

Die Gedenktafel erinnert an den jüdischen Rechtsanwalt Emil Kochmann. Die Installation in der Nienhofstraße ist eine Aktion der Stadt Gelsenkirchen, des Instituts für Stadtgeschichte und der Demokratischen Initiative in Partnerschaft mit dem Gelsenkirchener Marco Buschmann (Mitglied des Deutschen Bundestages). Sie ist am 10. Oktober 2012 im Rahmen des Projektes „Erinnerungsorte“ der Öffentlichkeit vorgestellt worden.

„Erinnerungsorte“ gibt es seit 2005

Das Projekt „Erinnerungsorte“ ist vom Rat der Stadt Gelsenkirchen am 27. Oktober 2005 beschlossen worden. An verschiedenen Orten im Stadtgebiet stellen Informationstafeln vergangene zentrale Ereignisse und Entwicklungen exemplarisch dar. Dabei wird vor allem, aber nicht nur an die Verbrechen des „Dritten Reiches“ erinnert. Auch Aspekte der Entwicklung einer demokratischen Gesellschaft werden thematisiert.

Das Projekt wird von bürgerschaftlichem Engagement getragen, insbesondere im Kontext der „Demokratischen Initiative“, und vernetzt verschiedene erinnerungspolitische Initiativen. Die Umsetzung des Projekts koordiniert das Institut für Stadtgeschichte. Weitere Informationen zu dem Projekt und zu Emil Kochmann gibt es auf der Internetseite der Stadt Gelsenkirchen unter.

Staatsschutz ermittelt

Der polizeiliche Staatsschutz hat die Ermittlungen in Gelsenkirchen aufgenommen. Zeugen melden sich bitte unter 0209 3658501 (Staatsschutz) oder -8240 (Kriminalwache)

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik