Umwelt

Gaskraftwerk soll alte Kohleblöcke nicht ersetzen

Der Anblick wird noch etwas bleiben: Bei Uniper weiß man noch nicht, wann die fünf großen Kraftwerkblöcke, die in den 60er Jahren gebaut wurden.

Der Anblick wird noch etwas bleiben: Bei Uniper weiß man noch nicht, wann die fünf großen Kraftwerkblöcke, die in den 60er Jahren gebaut wurden.

Foto: Hans Blossey

Gelsenkirchen-Scholven.   Uniper plant am Standort Scholven ein Gaskraftwerk. Damit soll ein Nachbar zukünftig mit Strom versorgt werden. Genehmigung liegt noch nicht vor.

Beschlossene Sache, wie von Uniper-Vorstand Eckhardt Rümmler in der WAZ verkündete, ist der Bau eines neuen Gaskraftwerks auf dem Gelände in Scholven noch nicht. „Bei uns liegt kein Genehmigungsantrag vor“, sagt Sigrun Rittrich, Sprecherin der Bezirksregierung in Münster. Uniper habe in Münster bisher lediglich mündlich erklärt, dass man ein solches Kraftwerk bauen möchte. „Ob das Vorhaben realistisch ist, dazu können wir nichts sagen, weil wir keine Pläne vorliegen haben“, so Rittrich.

Zum Genehmigungsverfahren bei der Behörde in Münster gehört dann auch die Öffentlichkeitsbeteiligung: Mögliche Einwände gegen das Projekt können dort eingebracht werden.

Errichtet in den 1960er Jahren

Im Gespräch mit der WAZ stellte Uniper-Konzernsprecherin Nicole Karczmarzyk gestern zudem klar, dass das neue Gaskraftwerk nicht das alte Kohlekraftwerk ersetzen wird. Die fünf großen Blöcke, die in den 60er Jahren gebaut wurden, stehen wegen ihrer hohen Emissionen an Stickstoffoxiden, Schwefeloxiden, Quecksilber und Feinstaub in der Kritik

„Wir wissen nicht, wann wir die Blöcke abschalten“, sagt Karczmarzyk. Uniper weiß auch nicht, was am Tag X dann mit der Fläche passieren soll. „Es hängt davon ab, wie der Standort sich weiterentwickelt“, sagt Karczmarzyk. Das Spektrum ist breit. „Vielleicht wird die Fläche für eine neue Industrie aufbereitet oder renaturiert“.

Gaskraftwerk liefert 114 Megawatt Strom

Das neue von Uniper geplante Gaskraftwerk wird 114 Megawatt elektrische Nettoleistung erbringen. Zum Vergleich: Die fünf Steinkohleblöcke produzieren 700 Megawatt. Es wird keinen der Steinkohleblöcke ersetzen. Denn der Strom des Kraftwerks ist bereits heute verplant: „Er wird fast vollständig an einen Kunden aus der Nachbarschaft geliefert, der nicht genannt werden will“, so Karczmarzyk. Die BP-Raffinerie in Scholven ist es nicht. Viele große Stromabnehmer in der Nachbarschaft bleiben da nicht mehr übrig.

Für das Gaskraftwerk möchte Uniper zudem eine Erdgasleitung zum Erdgasfernleitungsnetz der Open Grid Europe GmbH (OGE) im Raum Dorsten bauen.

Auch Gaskraftwerke stoßen Schadstoffe aus

„Natürlich sind Gaskraftwerke wesentlich effizienter, sauberer und damit nicht so umweltschädlich wie Kohlekraftwerke“, sagt Dirk Jansen, Sprecher des BUND Landesverbandes NRW. „Aber auch sie imitieren Schadstoffe. Diese vorbelastete Region verkraftet keine weiteren Kraftwerke“.

Gaskraftwerke für den Übergang

Wenn reihenweise Kohlekraftwerke abgeschaltet würden, müsse ein Ersatz da sein. Für diese Übergangszeit könne sich der BUND Erdgaskraftwerke vorstellen. Ansonsten gelte für die Umwelt- und Naturschutzorganisation: Weg von den fossilen Brennstoffen hin zu erneuerbaren Energien.

Dieses Ziel verfolgt Uniper ganz klar nicht. „Wir sehen die Zukunft im Gas“, sagt Nicole Karczmarzyk.

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