Kirche

Frauenhilfe rückt Fürsorge in den Vordergrund

Mit 140 Mitglieder zählt die evangelische Frauenhilfe „Rebekka“ zu den größten Gruppen im Stadtgebiet. Am kommenden Wochenende wird das 125-jährige Bestehen im Paul-Gerhardt-Haus groß gefeiert.

Foto: Lutz von Staegmann

Mit 140 Mitglieder zählt die evangelische Frauenhilfe „Rebekka“ zu den größten Gruppen im Stadtgebiet. Am kommenden Wochenende wird das 125-jährige Bestehen im Paul-Gerhardt-Haus groß gefeiert. Foto: Lutz von Staegmann

Gelsenkirchen-Horst.   Evangelische Frauenhilfe „Rebekka“ feiert 125-jähriges Bestehen. Besuche am Krankenbett und zu Geburtstagen gehören zu den Aufgaben.

„Wir sind die größte Frauenhilfe im Stadtnorden – mit nur noch 140 Frauen“, sagt Margret Eichler, eine der Bezirksfrauen. Vor 25 Jahren seien es noch über 800 gewesen. Aber die Zeiten ändern sich. Doch während sich andere Frauenhilfen auflösen, begeht man in Horst das 125-jährige Bestehen.

Es ist der Vorabend des 20. Jahrhunderts, an dem sich der Zusammenschluss evangelischer Frauen in Horst formiert. Viel ist aus diesen Jahren nicht übermittelt. Nur, dass man den eigenen Namen mit Leben füllt, ein Konzept lebt, in dem Frauen anderen Frauen helfend zur Seite stehen. Und das auch in den dunkelsten Stunden. In den Jahren des Ersten Weltkrieges werden in den Frauenhilfsstunden Strümpfe gestrickt und Kinderwäsche angefertigt.

Mitgliederzahl steigt auf 1000 an

Die rund 400 Frauen schaffen es, Essensgutscheine auszugeben für eine Mahlzeit im Krankenhaus. Sie leisten einen wichtigen Beitrag zum Leben und Überleben in der Gemeinde. Seit den 1920er Jahren ermöglichen sie erholungsbedürftigen Müttern die Verschickung in Heime der „Westfälischen Frauenhilfe“. In der Kulisse von Kälte und Not im Winter 1945 werden die Frauen wieder tätig. Sie sammeln für Bedürftige und bekommen den beachtlichen Betrag von 11 000 Reichsmark zusammen.

Dann beginnen bessere Zeiten: Im Nachkriegs-Deutschland rücken auch gesellschaftliche Ereignisse in den Mittelpunkt, feiern die Frauen auch mal und machen Ausflüge. Das sorgt für Mitgliederzahlen von bis zu 1000 Frauen. Die tätige Hilfe nimmt andere Formen an. „Damals wurden Frauen unterstützt, die viele Kinder hatten. Da gingen wir in die Familien und haben geholfen“, sagt Margret Eichler. Im Klartext heißt das: Es wurde auch mal angepackt.

Kranken- und Geburtstagsbesuche

Mit den Jahren wandelt sich die Hilfe in eine Fürsorge. Die wird bis heute praktiziert und ist für viele immer noch wichtig. „Menschen, die alleine sind, freuen sich sehr über unsere Besuche“, sagt Marie Luise Brummund, die Vorsitzende.

Krankenbesuche und Geburtstagsbesuche gehören für sie zum Alltag. „Dazu helfen wir in der Gemeinde mit bei Festen und Jubelkonfirmationen. Einmal im Jahr backen wir Waffeln und spenden den Erlös an das Regenbogenhaus.“

Treffen im Paul-Gerhardt-Haus

Überhaupt sei die Spendenbereitschaft der Damen groß. Sie ermöglichen den Konfirmanden jährlich einen Ausflug in die „Arena“, sorgen im Gemeindehaus für neues Mobiliar oder unterstützen die Renovierung der Kirche finanziell.

Alle zwei Wochen kommen die Frauen im Paul-Gerhardt-Haus zusammen. Die Treffen beginnen mit einer Andacht, dann wird gemeinsam Kaffee getrunken. Danach beschließt ein Programmpunkt den Nachmittag. Der kann vielfältig sein. Mal sind es Vorträge, dann wird gesungen. „Das machen wir besonders gern“, verrät Schriftführerin Margret Eichler. Sie wirkt auch mit beim alljährlichen Theaterstück in der Weihnachtszeit, schrieb es im letzten Jahr gar selbst. „Das ist ein Stück aus dem Leben. Immer schön auf den Chef wettern.“ Den weltlichen, versteht sich. „Ich glaube, das ist gut angekommen.“

Nur wenige sind jünger als 75 Jahre

So schön das alles klingt, die Zukunft der Horster Frauenhilfe, die seit zwölf Jahren den biblischen Beinamen „Rebekka“ trägt, ist keineswegs gesichert. „Nur wenige von uns sind jünger als 75 Jahre“, sagt Margret Eichler. Berufstätige Frauen hätten heute Anderes zu tun.

Auch wenn es für sie das Angebot eines Abendkreises gibt. Marie Luise Brummund aber will die Hoffnung nicht aufgeben und lädt ein: „Alle Frauen sind uns herzlich willkommen – auch katholische. Wir leben seit Jahren die Ökumene.“

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