Talentmesse

Firmen buhlen in Gelsenkirchen um angehende Auszubildende

Voll waren die Gänge der Veltins-Arena am Mittwoch, als sich 5000 Jugendliche bei der Jobmesse über Ausbildungen informieren können.

Voll waren die Gänge der Veltins-Arena am Mittwoch, als sich 5000 Jugendliche bei der Jobmesse über Ausbildungen informieren können.

Foto: Joachim Kleine-Büning / Funke Foto Services GmbH

Erle.  Bei der Talentmesse in der Gelsenkirchener Arena treffen 5000 Schüler auf 89 Betriebe. Unternehmen werben mit ungewöhnlichen Aktionen um Azubis.

Dicht gedrängt schieben sich am Mittwochvormittag Jugendliche durch die Gänge der Veltins-Arena. In kleinen Gruppen schlendern sie zwischen den bunten Ständen auf beiden Seiten umher. An manchen bleiben sie kurz stehen, sprechen mit Vertretern der Unternehmen, die sich hier präsentieren, oder lesen sich Broschüren durch.

Auf der Talentmesse Ruhr stellen 89 Firmen aus der Region ihre Angebote für den Nachwuchs vor. Schüler, die kurz vor dem Abschluss stehen, sollen so einen Überblick über die Ausbildungsberufe und dualen Studiengänge bekommen – und dabei direkt mit potenziellen Arbeitgebern ins Gespräch kommen. Das ist die Idee hinter dem Format, das in diesem Jahr zum ersten Mal von der Stiftung Talentmetropole Ruhr organisiert wird.

„Für jeden etwas dabei“

„Für viele, die noch nicht genau wissen, was sie nach der Schule machen wollen, ist das ein gutes Angebot“, findet der 16-Jährige Christian. Er geht in die elfte Klasse des Hittorf-Gymnasiums in Recklinghausen und möchte nach dem Abitur gerne Medizin studieren. Sein Freund Nico ist noch unentschlossener, etwas in Richtung Informatik würde ihn interessieren. „Hier kann man einen guten Überblick bekommen, es ist wirklich für jeden etwas dabei“, lobt er.

Anika ist die Zahl der Aussteller hingegen schon fast zu groß. Die 17-Jährige, die auf die evangelische Gesamtschule in Gelsenkirchen geht, interessiert sich für Design, hat aber an den vielen vollen Ständen noch nichts für sich gefunden. Die 18-jährige Mohadesä hingegen weiß noch nicht so recht, wohin ihr Weg sie nach dem Abitur führen wird. Dass so viele Firmen vertreten sind, findet sie deshalb gut. „Es ist nur schade, dass es so voll ist und wir nur zwei Stunden Zeit haben“, sagt sie.

Stiftung hat Jugendliche vorbereitet

Damit die Jugendlichen die Zeit optimal nutzen können, hat die Stiftung in einem Pilotprojekt einige Klassen auf die Messe vorbereitet. Die Schüler sollten sich schon vorher überlegen, welche Stände sie besuchen möchten und welche Fragen sie an die Unternehmen haben. Alle Besucher bekommen außerdem einen Plan mit allen Betrieben. Mit verschiedenen Farben zeigt der auch, in welchen Bereichen die jeweiligen Firmen Ausbildungen oder Studiengänge anbieten.

Doch nicht nur die rund 5000 Schüler, die von den weiterführenden Schulen aus Gelsenkirchen und dem Kreis Recklinghausen zu der Messe kamen, profitierten von der Veranstaltung. „Man merkt schon, dass die Unternehmen wirklich suchen. Das ist schon am Aufwand zu sehen, den die Aussteller hier betreiben“, sagt Anne Eggers, Projektleiterin der Stiftung.

Technik zum Anfassen

Um die Aufmerksamkeit der jungen Messebesucher zu wecken, sind viele Stände aufwendig gestaltet. Einige Firmen setzen auf Modelle von Maschinen. So wie die NSG Gruppe, zu der Pilkington gehört. Eine Sortiermaschine zum Anfassen soll die Jugendlichen neugierig machen und an den Stand locken.

Nachwuchs zu rekrutieren wird für Betriebe zunehmend schwerer. „Viele junge Leute wollen gar nicht mehr in eine Ausbildung“, sagt NSG-Personalleiterin Antja Brechtken. Dem stimmt Nicole Karpen, Ausbildungskoordinatorin bei Uniper zu: „Man muss die Jugendlichen eher ansprechen. Von alleine kommen sie kaum.“ Und das, obwohl der große Uniper-Stand mit verschiedenen technischen Modellen zu den auffälligeren gehört.

Unkonventionelle Aktionen kommen an

Besonders gut kommen allerdings unkonventionellere Aktionen an: Der „Drogentest“ der Apothekenkammer etwa, bei dem unterschiedliche Präparate in kleinen Gläsern bestimmt werden sollen. Oder die Kosmetikwerkstatt von DM, in der Interessierte die Inhaltsstoffe von Kosmetika kennenlernen können.

Am Stand von Schloemer gibt es Slush-Eis in den Firmenfarben. „Man muss die Leute ja irgendwie locken. Und ich glaube, das funktioniert ganz gut“, sagt Jannick Bier. Er ist, wie die meisten der Ansprechpartner an den Ständen, noch Auszubildender. Wegen des geringen Altersunterschieds falle es vielen Schülern leichter, mit ihm ins Gespräch zu kommen, beobachtet er.

Wer nach der Messe direkt eine Bewerbung schreiben möchte, konnte sich auch dafür Tipps holen. Beim „Zukunftsfestival“ standen Personaler aus einigen Firmen Jugendlichen Rede und Antwort zu allen Fragen rund um die perfekte Bewerbung und das Vorstellungsgespräch und warfen auch einen prüfenden Blick in die Unterlagen.

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