WAZ-Aktion

Experten klären in Buer über den Kampf gegen Darmkrebs auf

Dr. Evangelos Efthimiadis, neuer Chefarzt der Klinik für Innere Medizin am St.-Marien-Hospital Buer, erklärte, wie bei der Spiegelung bereits mögliche Krebsvorstufen entfernt werden können.

Dr. Evangelos Efthimiadis, neuer Chefarzt der Klinik für Innere Medizin am St.-Marien-Hospital Buer, erklärte, wie bei der Spiegelung bereits mögliche Krebsvorstufen entfernt werden können.

Foto: Michael Korte / FUNKE Foto Services

Gelsenkirchen-Buer.  Darmkrebs ist verbreitet, kann bei guter Vorsorge aber meist verhindert werden. Wie, erläuterte das Medizinforum mit dem Marienhospital Buer.

„Wir werden nicht alles sagen können zum Thema Darmkrebs“, begrüßt Dr. Evangelos Efthimiadis, Chefarzt der Medizinischen Klinik, die Besucher des WAZ-Medizinforums. Jedoch ist es schon eine Menge an Informationen, die die Ärzte des St. Marien-Hospitals den Gästen in ihren insgesamt über zweistündigen Vorträgen mit auf den Weg geben.

Die wichtigsten Punkte sind am Ende sicher diese: Eine gute Vorsorge verhindert die Erkrankung. Und: „Wenn sie mit 55 Jahren die erste Darmspiegelung machen und alles ist gut, dann machen sie mit 65 eine zweite. Ist dann auch alles in Ordnung, dann sind sie mit dem Thema Darmkrebs durch“, erklärt Efthimiadis, dass Tumore im Darm langsam wachsen und man daher eine solche Aussage treffen könne.

Schlimm ist an der Darmspiegelung allein das Abführen

Risikofaktoren für Darmkrebs sind vor allem ein fortgeschrittenes Alter, Rauchen, eine schlechte Ernährung und ein insgesamt schlechter Lebensstil mit mangelnder Bewegung und daraus folgendem Übergewicht. Ebenso erhöhen Vorerkrankungen des Darms und eine familiäre Vorbelastung das Risiko. Dringend rät der Mediziner daher noch einmal dazu, rechtzeitig zur Vorsorge zu gehen. Bestenfalls denke man schon im Alter von 50 Jahren an das Thema, nehme die Möglichkeit einer endoskopischen rektalen Untersuchung wahr und lasse jährlich auf okkultes Blut im Stuhl testen. Beides seien dann Kassenleistungen. Die Darmspiegelung wird ab dem 55. Lebensjahr als Vorsorge von der Kasse übernommen, bei Männern zunehmend bereits ab 50 Jahren.

Die Aura eines Schreckgespenstes habe die Spiegelung übrigens zu Unrecht. „Das Schlimmste ist das Abführen.“ Noch ein Tipp vom Profi: Eine ambulante Darmspiegelung sei angenehmer für den Patienten. Auf der heimischen Toilette sei das Prozedere der Darmentleerung angenehmer durchzuführen. Während kleinere Geschwülste noch bei der Darmspiegelung entfernt werden können, erfordert ein größerer Krebsbefall einen operativen Eingriff, der jedoch in vielen Fällen minimalinvasiv erfolgen könne, erklärt Dr. Ioannis Dimitriou, ab November Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie am MHB.

Patienten die Angst vor dem künstlichen Darmausgang nehmen

Er macht den Gästen gleich Mut mit seiner Aussage, Darmkrebs sei heilbar. „Dabei kommt es auf zwei Faktoren an: die frühe Erkennung und die Qualität der Operation.“ Die mache aus, dass das befallene Gewebe großzügig entfernt wird und keine befallenen Bereiche im Körper verbleiben. Grundsätzlich werde unterschieden in Dickdarmkarzinome und Rektumkarzinome. Letztere liegen dem Darmausgang sehr nah, was den operativen Eingriff erschwert. Ein künstlicher Darmausgang sei aber hier nicht die zwangsläufige dauerhafte Folge. Wobei der Chirurg auch vor diesem den Schrecken nehmen will: „So schlimm ist das nicht. Man riecht heutzutage nichts mehr. Und es gibt Menschen, die haben ein Stoma und laufen damit einen Marathon.“

Auch die Frage der Chemotherapie wird am Ende noch kurz erläutert. Die komme beim Darmkrebs aber nur in fortgeschrittenen Stadien zum Einsatz und sei, so Efthimiadis, vielfach mit großen Nebenwirkungen verbunden. Einmal mehr wird deutlich, die Therapie muss individuell geplant sein. Ein Patentrezept für alle gibt es nicht. So groß der menschliche Darm ist, so facettenreich ist auch die Behandlung, wenn er vom Krebs befallen ist.

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