Brieftaubenzucht

Emschertaler Reisevereinigung gibt Einsatzhalle in Horst auf

Hans Orlof, Vorsitzender der Emschertaler Reisevereinigung, vor der Einsatzhalle an der Helenenstraße in Horst

Hans Orlof, Vorsitzender der Emschertaler Reisevereinigung, vor der Einsatzhalle an der Helenenstraße in Horst

Foto: Joachim Kleine-Büning

Horst.   Die Emschertaler Reisevereinigung aus Gelsenkirchen-Horst schließt sich Ende 2019 der Reisevereinigung in Gladbeck an.

Reihenweise leere Käfige und nebenan eine Theke, an der niemand steht, auf der die Barhocker abgestellt worden sind: In der Einsatzhalle der Emschertaler Reisevereinigung sieht alles nach Auflösung aus. Noch täuscht dieser Eindruck. Die Saison der Vorflüge hat gerade erst begonnen, Ende des Monats werden dort die Käfige in den Kabinenexpress verladen und die Tauben zu den Auflassorten der Wettflüge gefahren. Aber voraussichtlich zum Jahresende wird Hans Orlof, Vorsitzender der Reisevereinigung, die Einsatzhalle für immer abschließen müssen.

Dass Gladbecker Taubenzüchter kürzlich die Emschertaler Reisevereinigung verlassen haben und ihre Tiere nicht mehr in Horst einsetzen, ist nur ein Grund für die Entscheidung, den Zusammenschluss der Taubenfreunde aus dem Stadtwesten aufzulösen. „Zusammen mit den Gladbecker Züchtern hatte die Reisevereinigung knapp 100 Mitglieder“, blickt Orlof auf die jüngste Vergangenheit zurück. Aber mit den verbliebenen gut 30 Züchtern aus Horst sei der Betrieb einer eigenen Einsatzhalle nicht mehr zu stemmen.

Mitgliederverlust

Schwerer als der Mitgliederverlust wiegt aber die Vertragsgrundlage, die sich zum Nachteil der Brieftaubenzüchter verändert hat. Hans Orlof: „Wir hatten 1995 einen Pachtvertrag mit RAG Montan Immobilien abgeschlossen.“ Doch das gut 53.000 Quadratmeter große Grundstück gleich neben der BP-Raffinerie sei vor zwei Jahren versteigert worden. Erst vor einem Jahr habe man dann erfahren, dass die Pacht an einen neuen Eigentümer, einen Investor aus Frankfurt, zu entrichten sei. „Der wollte Wohnungen bauen, musste aber feststellen, dass das hier nicht geht“, schildert Orlof die Misere und verweist auf die direkte Nähe zum Chemiebetrieb, auf die Altlasten von Schacht 3 der Zeche Nordstern, die noch im Boden stecken, und auf Hochspannungsleitungen, die direkt über die Taubenhalle führen.

Und da ist noch das lahmende Interesse an der Brieftaubenzucht im Allgemeinen. „Wer kann heute noch Tauben halten? Siedlungen sind meist privatisiert, Grundstücke kaum größer als 200 Quadratmeter, da kriegt man schon Ärger mit den Nachbarn, wenn nur der Wellensittich zwitschert. Der Arbeitsplatz ist nicht mehr direkt vor der Haustür“, klagt Hans Orlof.

Zum Jahresende müssen die Mitglieder den Auflösungsbeschluss fassen. Dann treten die „Emschertaler“ ihre letzte Reise an. Sie führt zur RV Bottrop, wo die Gladbecker schon angekommen sind.

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