Festival

Ein inniger Abschluss der Klezmerwelten in Gelsenkirchen

Sveta Kundish und Alan Bern beim Abschlusskonzert zu Klezmerwelten in der Glashalle von Schloss Horst.

Sveta Kundish und Alan Bern beim Abschlusskonzert zu Klezmerwelten in der Glashalle von Schloss Horst.

Foto: Heinrich Jung / FUNKE Foto Services

Gelsenkirchen-Horst.  Zum letzten Konzert des Festivals traten mit Alan Bern, Svetlana Kundish und Mark Kovnatskiy auf – drei Botschafter der jiddischen Musikszene.

Zwölf Veranstaltungen innerhalb eines Monats, Tanzveranstaltungen, Musik-Workshop, Konzerte und ein „Schabbes“, eine Freitagabendfeier zum Schabbat, in der Synagoge – die Klezmerwelten in diesem Jahr waren abwechslungsreich. „Ich glaube, Sie haben einen guten Einblick in die Bandbreite jüdischer Kultur bekommen“, teilte der künstlerische Leiter Andreas Schmitges am Donnerstag dem Publikum auf Schloss Horst beim Abschlusskonzert mit.

Um dies zu unterstreichen gab es an diesem Abend mit Alan Bern (Klavier, Akkordeon, Komposition), Svetlana Kundisch (Sopran, jüdische Kantorin) und Mark Kovnatskiy (Violine), noch einmal eine hochkarätige Vielfalt aus dem „Yiddishland“. Zu Beginn intensive slawische Klassik des litauisch-amerikanischen Musikers Joseph Achron, von dem Arnold Schönberg sagte, er sei einer „der am meisten unterschätzen modernen Komponisten“.

Sanfte Poesie jiddischer Dichterinnen

Bern und Kovnatiskiy zeigten gleichermaßen Virtuosität und Ausdruckskraft. Wie von Ferne her ein nahtloser Übergang in einen sphärischen Klanghauch, Kundish stimmte einen „nign“ an, eine Melodie ohne Worte. Zart wie ein Wiegenlied entwickelte sich das Thema, berührte die Seelen. „Efnt dem toyer“ (Öffnet die Tore) oder „Shtern faln“ (die Sterne fallen), sanfte Poesie aus der Feder von Kadya Molodowsky, von Bern vertont in zauberhafte Lieder. „Gerade jiddischer Dichterinnen fangen die Sinnlichkeit der Sprache wunderbar ein“, sagte der Komponist.

Seit zwanzig Jahren widmet sich Bern, gebürtiger Amerikaner und in Berlin zu Hause, der jiddischen Sprache, hat in Weimar mit dem „Yiddish Summer“ ein erfolgreiches Festival ins Leben gerufen. Drei Lieder aus seinem „Semer-Ensemble“ zeigten weitere Facetten der jüdischen Musik. Bern bringt jüdische Künstler des Berliner Schallplatten-Labels „Semer“, aufgenommen zwischen 1932 und 1938, von den Nationalsozialisten zerschlagen, wieder auf die Bühne.

Hochaktuelles politisches Chanson

Das politische Chanson „Die Welt ist klein geworden“ könnte von heute stammen, Globalisierung als Initialzündung zu Vereinsamung und Hass, bedrückend bekannt. „Vorbei“ ist das Ende einer Liebe, oder doch Vorbote kommender Grausamkeiten? Die Sängerin und Schauspielerin Dora Gerstmann ist in einem Konzentrationslager ermordet worden. Und doch, oder gerade deshalb, sind die „Klezmerwelten“ und die jiddische Szene heute so lebendig. „Wir sind da und werden immer da sein“, sagte Kundish mit einem einfachen, entwaffnenden Lächeln.

Es ist eine „goldene keyt“, eine goldene Kette, wie im Gedicht von Kadya Molodowsky. Eine Verbindung von den früheren Generationen zu der heutigen und darüber hinaus zu den kommenden. Eine, die niemanden ausschließt und jeden, der sich ihr mit Liebe nähert, teilhaben lässt. Andreas Schmitges hofft, die Klezmerwelten 2021 fortführen zu können, die lokale Politik, die vertreten war, signalisierte die Bereitschaft dazu.

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